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Atemlos und ganz ohne Männer

Atemlos und ganz ohne Männer

Auch wenn es grausam klingt: Den Frauen ist es gelungen, die Männer auf den Mond zu schicken. Alle Männer? Nein, einer ist noch übrig … Was weiter passiert auf dem "Planet der Frauen", erzählen die 13 Schauspieler der Bühne 60+ höchst unterhaltsam im Studio des Theaters Trier. Und obendrauf gibt es noch "Der Betrüger" - mit Trierer Lokalkolorit.

Trier. Die Stadt ist klamm. Doch mehr Steuern will Triers Oberbürgermeisterin (Roswitha Bernard) nicht erheben. Auch keinen Zuschlag auf die Parkgebühren, wie ein Mitglied des Finanzausschusses vehement fordert. Hektisch schreitet Hildegard Nicodemus die Bühne auf und ab, wiederholt stoisch inhaltsleere Floskeln. Sie, ihre Kollegen und Bernard sind in schwarze und weiße Gewänder gehüllt (Kostüme Yvonne Wallitzer), tragen Masken - das macht die Personen austauschbar, zeigt aber auch die Distanz zum Volk. Ganz weltfremd daher ihr Beschluss: "Wir verbieten das Atmen!" Das sei bürgernah, denn unbescholtene Bewohner haben nichts zu befürchten.
Mit der eingenommenen Strafgebühr wollen sie das Theater retten. Dass der kürzlich verstorbene Joachim Schad Ephraim Kishons Stück "Der Betrüger" für die Akteure der Bühne 60+ auf Trier umgemünzt hat, kommt gut an bei den 60 Zuschauern im ausverkauften Theaterstudio.
Einer widersetzt sich vehement dem Verbot: Herr Müller (Richard Stephen) atmet weiter, trotz eindringlichen Flehens seiner Frau. Schön, wie Sylvia Mertz als Mathilde beim Gespräch mit ihrem Gatten gleichzeitig mit Untermieter Krause (Oliver Weirich) flirtet. Herrlich amüsant auch die Straßenszenen, in denen die Inspektoren (Irmchen Heimer, Hildegard Worst) mit Trillerpfeifen, Nasezuhalten und Luftballons prüfen, ob die Passanten (Carla Schött, Weirich, Elvira Mende) wirklich nicht nach Luft schnappen. Das Ende ist schnell erzählt: Müller kommt vor Gericht, doch die Richterin (Monika Born) ist gnädig, die Geldstrafe gering.Frauenpower scheitert


Weniger gnädig sind die Damen im anderen Einakter des Abends: Sie schicken die gesamte männliche Gattung auf den Mond. Geballte Frauenpower sitzt auf weißen Stühlen vor weißen Tischen: sieben Ministerinnen, in der Mitte die Vizepräsidentin (Rosi Hampel) und die Präsidentin (Carla Schött) - das Parlament auf dem "Planet der Frauen" (Autor: Horst Helfrich). Voller Stolz berichtet Barbara Gies als Kultusministerin, dass sämtliche Bildnisse von Männern inzwischen durch Frauen ersetzt wurden. Und auch die Geschichte werde weiblich: So wird aus Karl Karla, die Große.
Bis auf drei Exemplare sind schon alle Männer dort. Mit zweien, den Herren Schädlich und Unnütz (beide Oliver Weirich, der sich sehr wandelbar zeigt), machen die Frauen kurzen Prozess. Zu früh gefreut, denn die beiden haben die Samenbank, die Zukunft des Planeten, zerstört. Die Schauspielerinnen raufen sich die Haare, schreien durcheinander. "Wir sterben aus!", ruft Nicodemus. "Holt sie zurück!" Zu spät, die zwei sind weg. Die Verzweiflung auf der Bühne nimmt zu. Hervorragend, wie Regisseur Linus Buck so viel Gefühl aus den Laien herausgekitzelt hat. Erst als Peter Martin als Henry die Bühne betritt, brechen die Frauen in Jubel aus. Sie umgarnen, herzen ihn - und das Publikum jubelt.
Bleibt zu hoffen, dass das Format - ebenso wie der Jugendclub und die studentische Bühne1 - auch unter der neuen Intendanz Bestand hat. mehi

Weitere Termine: 11., 16. Juli, 20 Uhr, im Studio des Theaters Trier.