Auch Frittenbuden können Kunst sein

Lützkampen-Welchenhausen · Ein winziges Dorf, ein Minimuseum - und ein lohnendes Ausflugsziel: Vor zehn Jahren eröffnete im Lützkampener Ortsteil Welchenhausen (Eifelkreis Bitburg-Prüm) die "Arte-Halle" - das möglicherweise kleinste Museum der Welt. Der dazugehörige Verein hat inzwischen 50 Ausstellungen organisiert und feiert das Jubiläum mit einer Gesamtschau auf weiterhin engstem Raum.

Lützkampen-Welchenhausen. Das wirkt schon ein bisschen spinnert: Vor zehn Jahren beschloss eine Gruppe von Welchenhausener Bürgern, das für die Schulkinder gebaute Bushäuschen in der Ortsmitte zum Museum zu machen. Aus der Wartehalle wurde damit die "Arte-Halle".
Wohlgemerkt: In einem Raum von nur wenigen Quadratmetern, der zudem nicht abschließbar ist, das alles in einem Dörfchen mit noch nicht einmal 40 Einwohnern am grenznahen Rand der Verbandsgemeinde Arzfeld. Hier Kunst zeigen? Das soll funktionieren?
Es funktioniert - vielleicht ja auch, weil es eben eine so verrückte Idee war. Auch wenn der Erfolg anfangs nicht abzusehen gewesen sei, sagt Bernd Kersting, der Vorsitzende des Museumsvereins. Heute ist das keine Frage mehr: Museum und Verein, sagt er, blicken auf mehr als fünfzig Ausstellungen zurück, einige davon auch im Nachbarort Stupbach, wo man aus einem Feuerwehrschuppen das erheblich edler klingende "Haus der Landschaft und Geschichte" gemacht hat. Was die Welchenhausener alles anstellten, es fand Beachtung, und das nicht nur in der Eifel.
Grenzen gibt es keine


So nahe an der Grenze gibt man sich ohnehin international: Künstler aus Deutschland und den Benelux-Ländern zeigen im Wartehäuschen ihre Arbeiten, vom Museumsverein liebevoll betreut und präsentiert. Das "wahrscheinlich kleinste Kunstmuseum der Welt", sagt Kersting, sei eine Touristenattraktion und weit über die Grenzen der Region hinweg bekannt. Was auch an den frischen Ideen liegen mag, mit denen man hier an die Kunst herangeht. Da gehört auch Humor dazu - wie vor einigen Jahren bei der herrlichen Ausstellung über belgische Frittenbuden, bestückt mit Arbeiten von Eric Legrain und Michaël Beauvent. Zur Eröffnung reichte man, klar, Pommes, und schenkte Jupiler-Bier aus.
Zuletzt machten die immer erfreulich unprätentiös auftretenden Welchenhausener sogar mit einem Sohn aus der Gemeinde Furore: Als sie Anfang Juni eine Schau mit Arbeiten von Theodor Wiesen präsentierten, dessen Werke sogar im Museum für Moderne Kunst im französischen Lille ausgestellt sind. Für jeden Besucher eine echte Entdeckung (der TV berichtete). Und das Areal rund ums Wartehäuschen heißt seitdem "Theodor-Wiesen-Platz".
Die Begeisterung für Museum und Verein teilt auch Andreas Kruppert, der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Arzfeld: "Eine ganz tolle Einrichtung, mit unheimlich viel Engagement gemacht. Und es ist fantastisch zu sehen, welche Künstler da engagiert werden. Ich habe den allerhöchsten Respekt vor dem, was da passiert." Das Ganze dann auch noch in einem Ort, "der so malerisch in der Eifel liegt und ein ganz tolles Flair hat".
Und weil sie so viel zu zeigen haben in Welchenhausen, ist der Ausstellungsraum inzwischen ein gutes Stück über die Mäuerchen des Museums hinausgewachsen: So sieht man in einer Dauerausstellung unter freiem Himmel Plastiken und auf große Banner aufgezogene Fotos.
Bilder dicht an dicht

 Bürgermeister Andreas Kruppert (links) und Patrick Bormann, Gemeindechef in Lützkampen, enthüllen den Theodor-Wiesen-Platz – unter dem Applaus von Christian Krings (St. Vith) und Bernd Kersting (Museumsverein). TV-Foto: Archiv/Fritz-Peter Linden

Bürgermeister Andreas Kruppert (links) und Patrick Bormann, Gemeindechef in Lützkampen, enthüllen den Theodor-Wiesen-Platz – unter dem Applaus von Christian Krings (St. Vith) und Bernd Kersting (Museumsverein). TV-Foto: Archiv/Fritz-Peter Linden


Am Wochenende startet nun eine Jubiläumsschau mit ausgewählten Arbeiten der Künstler, die seit 2002 in der "Arte-Halle" dabei waren. Das Ganze in der unsortierten, sogenannten Petersburger Hängung: dicht an dicht im Museum und drumherum. Zu sehen sind Zeichnungen, Grafiken, Fotografien, Gemälde und Skulpturen, darunter viele Exponate, die bisher noch nicht in Welchenhausen gezeigt wurden.
Die Eröffnung ist am Sonntag, 26. August, um 15.30 Uhr. Die Festrede hält Andreas Kruppert, den musikalischen Rahmen liefert die Akustik-Punkband Magret. Danach wird kräftig gefeiert - rund ums Museum und gemeinsam mit vielen der beteiligten Künstler.
Die Ausstellung dauert bis Mitte November, das Museum ist an allen Tagen durchgängig geöffnet. Der Eintritt ist frei.
kult-our-tal-museum.de

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