Auch Schnitzel bereiten eine schöne Kindheit

Trier : Auch Schnitzel bereiten eine schöne Kindheit

Im Kasino in Trier hatte Fee Badenius die Lacher auf ihrer Seite. Bei einem Thema wird es besonders rührend.

Also dass das schon mal klar ist: In Witten als Zwiebelkönigin zu reüssieren ist weit schwieriger als Verteidigungsministerin zu werden. Immerhin muss man beim Kreativwettbewerb an der Ruhr noch aus der letzten Zwiebel eine achtbare Figur machen und Zwiebel-Leicht-und Schwergewichte richtig einschätzen können.

Derart Lokalkoloristisches erfuhr nebst anderen Erkenntnissen aus der menschlichen Provinz sowie praktischen Tipps für den Alltagsgebrauch das herrlich amüsierte, zuweilen nachdenkliche Publikum im ausverkauften Kasino am Trierer Kornmarkt. Dorthin war am Samstag Fee Badenius mit ihrem fabelhaften  Trio zum Mosel Musikfestival gekommen. Ein Heimspiel quasi für  den Pianisten Johannes Still, der aus Trier stammt.

Auch die Liedermacherin und Musik-Kabarettistin wusste, wie sie  gleich eingangs  klarstellte, nach einer Führung schon alles über die Moselmetropole. Schließlich geht es bei Stadtführungen wie bei Aussprachen unter Partnern. Nach sieben Stunden ist endgültig alles gesagt. Mit Witten war das damals anders.

Den Ruhrpott hatte die gebürtige Hanseatin aus Lübeck sozusagen seinerzeit blind angesteuert. Inzwischen scheint die Beziehung allerdings gefestigt, wie ihre musikalische Liebeserklärung an die Stadt mit dem freundlichen örtlichen Nahverkehr nahelegt.  Ein wenig  erinnert Badenius Hymne an Witten an Herbert Grönemeyers „Bochum“, nur ist sie viel zarter. Ohnehin ist das eines der großen Talente der gelernten Waldorf-Pädagogin. Sie spielt virtuos auf der schwierigen Klaviatur der leisen Töne und hat dabei dennoch die  Lacher auf ihrer Seite. Nicht zuletzt , wenn sie über sich selbst lacht. Das  kann  die Kabarettistin wunderbar.

Für eine Überraschung ist sie zudem immer gut. Zuweilen erwischen einen ihre Pointen kalt, wo eben noch alles so vernünftig schien. Dabei bleibt Fee Badenius  am Puls der Zeit. Ganz ohne weltverbessende Attitude bringt sie  den ganz  normalen Wahnsinn passgenau auf den Punkt, ob es nun Schönheitswahn, das neue Selbstbewusstsein von Schülereltern oder das schwere Leben von Vegetariern ist, mit allen Versuchungen, denen  die Fleisches-Lust immer wieder erliegt. Versteht sich, dass man dem verzehrten Schnitzel trotzdem eine schöne Kindheit gewünscht hat. Die Künstlerin, der man noch immer das hanseatische Hochdeutsch anhört, ist wahrhaft lebensklug.

 Was unsereins bisweilen so unlösbar scheint, wird nach ihrem Liedvortrag ganz einfach, wie etwa die unleidige Sache mit dem Abnehmen  nach der bekannten Diät „FDH (Friss die Hälfte)“. Ist doch ganz simpel, wissen wir jetzt. Einfach das Doppelte kochen. Die  schwere leichte Kunst der Liedermacherin kann sich witziges Understatement leisten. Fernab ausgetretener Comedy-Pfade nimmt sie auf ihre leise, humorige wie klarsichtige Art die alltäglichen Narreteien und sich selbst auf die Schippe.

Vielleicht hört man ihr gerade deshalb so gerne zu. Am anrührendsten ist  Fee Badenius, wenn sie auf ihre herrlich leichte Art ganz ernst wird, wie bei ihrer Liebeserklärung an die unlängst verstorbene Mutter. Dass sie deren  „Leuchten“ zweifellos „im Gesicht trägt“  (und gewiss auch im Herzen)  bestätigte einmal mehr ihr Trierer Auftritt, bei dem ihr Leuchten ohne Frage auch das begeisterte Publikum durchdrang. Freude am Spiel hatten auch ihre Begleiter, neben Johannes Still,  Kontrabassist Jochen Reichert und Christoph Helm am  Schlagwerk. 

Mehr von Volksfreund