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Auf, auf zum fröhlichen Jagen

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Ingrid Noll hat zum "Halali" geblasen. Was das bedeutet, ist wohl jedem Fan der bekannten Krimi-Autorin ("Die Apothekerin") klar: Toughe Frauen hat das Jagdfieber gepackt. Frauke Kaberka, dpa

Und natürlich haben sie Männer im Visier. Doch im Unterschied zu früheren Romanen spielt die neue Geschichte mit dem Signal-Titel nicht hier und heute, sondern überwiegend in der Vergangenheit. Genauer gesagt: in den 1950er Jahren. Und in der früheren bundesdeutschen Hauptstadt Bonn. Holda, eine ältere Dame, erzählt ihrer Enkelin Laura im Stil von 1001 Nacht von ihrer wahrlich nicht langweiligen Jugend. Hübsch, wie sich Holda, genannt Holle, im kurzweiligen Dialog mit Laura über neu- und altmodische Begriffe, Lebensbedingungen, Gepflogenheiten, Anstand und Sitte der jeweiligen Generation und deren moralische Grenzen austauscht. Noch besser, mit welcher Leichtigkeit - oder Skrupellosigkeit - Holda und ihre Freundin Karin genau diese seinerzeit überschritten haben.
Einmal mehr ein Beweis dafür, dass die 81-jährige Noll nichts von ihrem schwarzen Humor verloren hat und ihren Traum von aufregenden Abenteuern, Ausbrüchen aus der Normalität und Verletzungen von Tabus weiterhin literarisch auslebt. So also lässt die Autorin Holda und Karin Dinge erleben, die keiner den beiden jungen Damen, die als Sekretärinnen im Innenministerium arbeiten, zutrauen würde. Denn die Mädchen - kaum volljährig - haben eigentlich dasselbe Ziel wie fast alle Altersgenossinnen ihrer Zeit: einen guten, möglichst betuchten Mann finden, heiraten und Kinder kriegen. Im Innenministerium erhoffen sich beide die richtigen Kontakte, was leider ein Trugschluss ist. In den Nachkriegsjahren sind ledige Männer, wenn nicht gerade kriegsversehrt und traumatisiert, doch ziemlich rar. Und der eine, der verfügbar wäre, ist das männliche Pendant zu einer grauen Maus: der Jäger. Zumindest heißt er so, bei Laura und Karin auch "der Jäger aus Kurpfalz". Und er ist Objekt der täglichen Lästereien. Zu allem Überfluss zieht er auch noch als Untermieter bei der Gräfin ein, Karins Tante, bei der auch sie ein Zimmer hat. Wider Willen laufen die Mädchen dem Jäger nun noch öfter über den Weg, als ihnen - und sicher auch ihm - lieb ist. Der Jäger ist ein Einzelgänger und menschenscheu. Und so trifft es die Mädchen wie ein Blitz, als sie ihn mit einem seltsamen Mann beobachten, der kurze Zeit später tot aus dem Rhein gefischt wird. Das ist der eigentliche Beginn einer haarsträubenden Geschichte, die man durchweg lächelnd liest.
Im gewohnt unschuldig-lässigen Plauderton berichtet Noll alias Holda von Ausbrüchen aus der Bürgerlichkeit, die man ganz unverbrämt auch als Verbrechen bezeichnen kann, die teilweise auch durchaus nachvollziehbar sind. Doch gerade das macht die Noll-Krimis aus: die scheinbare Zwangsläufigkeit einer strafbaren Handlung und eine bei den Lesern geweckte Empathie dafür.
Sie wolle weder moralisieren noch eine Ideologie vertreten, sondern einfach nur gut unterhalten, rechtfertigt die in Baden-Württemberg lebende Autorin die meist ungesühnten Taten ihrer Protagonisten. Ihre Bücher seien Menschengeschichten mit kriminellen Überraschungen, "schließlich will ich beim Schreiben auch Spaß haben". Vom Leser ganz zu schweigen: Junge Frauen, die der Spießigkeit der 1950er Jahre zu entfliehen suchen, sich über Konventionen und Gesetze hinwegsetzen, ein Handlungsrahmen, der eine Brücke von den Anfängen des deutschen Wirtschaftswunders bis zum digitalen Zeitalter schlägt, und schräger Humor in allen Schattierungen sind eine gut bekömmliche Mischung und sorgen ganz einfach für gute Laune.

Frauke Kaberka,
dpa
Ingrid Noll, "Halali", Diogenes Verlag, 2017, 320 Seiten, 22 Euro.