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Auf das Machbare konzentrieren

Auf das Machbare konzentrieren

Trier hat alle Voraussetzungen, um sich als "die" römisch-antike Stadt Deutschlands, ja Europas außerhalb von Italien zu profilieren. Und bei immer mehr Menschen, die in dieser Stadt Verantwortung tragen, wächst erfreulicherweise das Bewusstsein für diese einmalige Profilierungschance.

Die Direktion Landesmuseum Trier in der Generaldirektion Kulturelles Erbe mit ihren wertvollen Schätzen vergangener Zeiten, ihrer anerkannten Forschungsqualität und ihren pfiffigen Präsentationen sind dafür nur ein Beispiel, wenn auch ein überragendes. Von diesem Ansatz aus weiter denkend, ergeben sich für die Antikenfestspiele in Trier einige Fixpunkte, an denen nicht gerüttelt werden darf, sowie einige Konkretisierungen, die in einem weiteren, vor allem künstlerischen Diskussionsprozess ermittelt und immer wieder überprüft werden müssen. Zu den Fixpunkten gehören nach meiner Auffassung: - Es müssen die antiken Stätten "bespielt" werden, also vorrangig Open-Air-Veranstaltungen. Das gilt für Amphitheater und Kaiserthermen wie auch Porta Nigra, vielleicht auch Barbarathermen. Es geht um antike Themen und Stoffe, durchaus in aktuellen Interpretationen und mit den Mitteln heutiger Theaterkunst. Zentral bleiben dabei Schauspiel und Musiktheater. Es müssen Festspiele "der Stadt" werden, gewollt und getragen von den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt, die in den Antikenfestspielen "ihre" Festspiele sehen. Um dies zu erreichen und auf Dauer zu sichern, müssen geeignete Formen der Einbeziehung gefunden werden. Bei realistischer Einschätzung des künstlerisch und finanziell Machbaren spielen die Antikenfestspiele Trier nicht in der Liga, in der die Bregenzer oder Salzburger Festspiele zu Hause sind. Trier sollte sich auf seinen möglichen Einzugsbereich zwischen Trier-Saarburg-Luxemburg; im weiteren Bereich bis Lüttich, Köln, Frankfurt, Saarbrücken und Metz konzentrieren. Für diese Region können die Antikenfestspiele Trier zum kulturellen Anziehungspunkt werden mit der Perspektive, die gemeinsamen Wurzeln aus römischer (und darin eingebettet griechischer) Geschichte im heutigen Kern Europas aufzudecken und sichtbar sowie erfahrbar zu machen. Das sind hohe Anforderungen an diejenigen, die für die künstlerische Qualität der Antikenfestspiele einstehen. Nach meiner Überzeugungen kann dies nicht einer Event-Agentur überlassen werden. Es geht nur mit dem Städtischen Theater. Sie dürfen nicht auf ein Zeitfenster von zwei Monaten begrenzt bleiben.

Was Trier braucht, ist eine Gesamtkonzeption der kulturellen Bespielung der Welterbestätten. In dieses Gesamtkonzept müssen sich die Antikenspiele als Mosaikstein einpassen - freilich als zentraler Mosaikstein.

Joachim Hofmann-Göttig

Der promovierte Erziehungswissenschaftler Professor Joachim Hofmann-Göttig (57) ist als Staatssekretär für die Kultur in Rheinland-Pfalz zuständig - und damit auch Finanzierungs-Partner der Antikenfestspiele.

Zudem ist er Regierungsbeauftragter der Unesco-Welterbestätten in Rheinland-Pfalz.

Das dienstälteste Kabinettsmitglied (seit 1991) besucht die Festspiele regelmäßig.

hpl/dr