Auf der Flucht in die fremde Heimat

Auf der Flucht in die fremde Heimat

West trifft Ost: Bei der Tufa-Produktion "Odyssee.16" verschmelzen europäische und arabische Welten - musikalisch und menschlich. In dem Projekt wirken mehr als 70 Akteure mit, Profis und Laien, Einheimische und Flüchtlinge.

Trier. "Galatea!", ruft Manfred Rath. "Galatea!" Er verkörpert die Stimme des einäugigen Zyklopen Polyphem. Der ist auf riesige Füße, Hände und ein Auge reduziert, wie eine Handpuppe gespielt von fünf jungen Männern. Monströs wirkt das Gebilde - und verletzlich filigran.
Derweil kommen die Sirenen in durchscheinenden rosa Kleidchen und mit blauer Federboa (Kostüme: Stephan Vanecek) angeflattert, versuchen mit süßen Sprüchen, Odysseus zu bezirzen.
Erinnerung an Homers Epos


Die Chorsänger säuseln, zirpen, locken. Der Held lässt sich umgarnen - sie ist schwer, seine Odyssee.
Das Musiktheater "Odyssee.16" der Tufa orientiere sich an Homers Epos, erklärt Stefan Bastians, Ideengeber, Regisseur und, mit Omar Abouhamdan, Autor. So erlebt der Protagonist einzelne Stationen der Reise. Nicht nur die Sirenen fangen Odysseus (Tim Olrik Stöneberg) ein, auch Kalypso (Nadine Woog) betört ihn. Und er besteht Gefahren, etwa in Form der Skylla (Karin Strieker), einer riesigen Figur mit 2,50 Meter hohem und 3,60 Meter breitem Rock. "14 Meter Stoff haben wir dafür verarbeitet", sagt Gudrun Rath von der Schneiderei.
Die "Odyssee" wiederum ist eingebettet in eine Rahmenhandlung: Ein Schauspielensemble probt die Aufführung der Legende. Der Regisseur (Ali Sheikhmous) und sein Assistent (Anas Khaled) sitzen am Rand der Zirkusarena, laufen immer wieder ins Rund und geben den Akteuren Anweisungen. Während der Arbeit erinnern sich die beiden auch an ihre eigene Flucht - inklusive Schleuser und alle möglichen Gefahren. Ein Stück im Stück sozusagen.
Kunst- und Handwerksprojekt


Und noch viel mehr: ein Kunst- und Handwerk-Theaterprojekt. Denn Bühnenbild und sämtliche Requisiten bis hin zum Segelschiff haben junge Flüchtlinge in einem Projekt von Jobcenter und Palais e.V. (der TV berichtete) gefertigt. Und sie spielen ihre Figuren, etwa den Zyklopen, selbst. Insgesamt wirken 32 Schauspieler und Sänger mit wie Susanne Ekberg (Athene), Friederike Majerczyk (Penelope) und Stephan Vanecek (Telemachos). Zudem der Tänzer Saeed Hani, 20 Sänger von Jazz- und Popchor und Klangvolk (Leitung Thomas Rieff) sowie 20 deutsche und syrische Musiker (Dirigat: Julia Neumann).
Noch kommt die Musik vom Band - das Orchester, das Collegium Musicum, ist erstmals am Samstag bei der Probe im Zirkuszelt im Palastgarten dabei. "Mit der Musik will ich Ost und West verbinden", sagt Komponist Saif Al-Khayyat. "Sie reicht vom Mittelalter über Barock (Händel und Purcell) und Romantik (Schubert) zu klassisch arabischen und andalusischen Melodien."
Dabei habe ihn die unterschiedliche Struktur der Musik gereizt. So kenne das arabische Tonsystem (Maqam) wenig Harmonien, dafür aber Intervalle wie Vierteltonschritte. "Und ich habe eigene Kompositionen geschrieben, für die ich die Musik meiner alten und der neuen Heimat gemischt habe."
Premiere: Donnerstag, 27. Oktober, 20 Uhr. Weitere Termine: 28., 29., 30. Oktober (15 Uhr), 3., 4., 5. November, 20 Uhr, Zelt im Palastgarten. Karten: TV-Service-Center Trier.

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