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Auf Freunde kannst du immer zählen

Auf Freunde kannst du immer zählen

Freundschaft und Toleranz sind das Wichtigste im Leben. Das gibt das Musical "Das Dschungelbuch" seinen jungen Zuschauern in der Trierer Europahalle mit auf den Weg. Mit fantasievollen Kostümen und Songs zum Mitsingen zog es mehr als 1100 kleine und große Zuschauer in seinen Bann.

"Bananaaa!", singen die Affen laut und tanzen wild auf der Bühne. "Bananaaa!" singen die Kinder in der voll besetzten Europahalle etwas leiser. Die Affenbande auf der Bühne tanzt wild, die vier Schauspieler werfen sich Bananen zu. Herrlich ihre Kostüme, die roten Arm- und Beinlinge, die lange Zottelmähne und Fellhandschuhe. In ihrer Mitte: Mogli der Menschenjunge, um dessen Geschichte sich "Das Dschungelbuch" von Rudyard Kipling dreht.
Mogli ist ein kleiner Dickschädel mit großer Klappe, die ihm manchmal Schwierigkeiten macht. Das Wolfrudel, das das Kind entdeckt und großgezogen hat, nimmt ihn dennoch in seiner Mitte auf. Ali Marcel Yildaz schlüpft überzeugend in die Rolle des Jungen, hüpft behände über die Bühne. Auch seine Bewegungen sind kindgemäß.

Überhaupt ist die Choreographie - neben den fantasievollen Kostümen - die Stärke des Musicals des Liberi-Theaters aus Bochum. Fast wie eine Schlange agiert Sabine Henning als Kaa, mit langsamen, fließenden Bewegungen. Wenn sie auftritt, ist die Bühne in blaues Licht gehüllt. Als Baghira schleicht Sarah Kornfeld im engen schwarzen Trikot geschmeidig über die Bretter. Sie faucht, fährt die Krallen aus, schmiegt sich katzengleich auf den Ast am knorrigen Baum, fast wie ein echter Panther. Die Affen hüpfen und schreien, dass man sich im Zoo wähnt. Die Wölfe heulen, dass einem ein Schauer über den Rücken läuft.

Und dennoch - Angst muss keiner haben vor den wilden Tieren. Denn die sind - mit Ausnahme von Shir Khan (Jan Großfeld) - kinderlieb. Jedenfalls sind alle Freunde von Mogli, und sie helfen ihm, wo sie können. Mit Freunden, so die Kernaussage des Musicals, bis du nie alleine, sie helfen dir immer. Und sie akzeptieren dich so, wie du bist.

Die Musik von Christoph Kloppenburg und Hans Christian Becker reicht zwar nicht an die Hits aus dem Disney-Film heran, ist jedoch gefällig und abwechslungsreich. Typische Musicalstücke sind zu hören, aber auch Pop und Rock, ein bisschen Jazz. Und es klingen lateinamerikanische und Ska-Klänge an. Der König des Waldes, Shir Khan, kommt mit "Ich bin der King" im Rock'n'Roll-Stil à la Elvis Presley daher. Schade, dass die Tonanlage der Europahalle die Feinheiten von Musik und Gesang schluckt. Auch die Lautstärke lässt sich wohl nicht perfekt steuern, so dass vor allem Yildaz kaum gegen die Musik ankommt.

Doch die überzeugenden Darsteller reißen es raus. Sie inter agieren immer wieder mit den Kindern, sorgen für herzhafte Lacher bei den mehr als 1100 Zuschauern. Und sie animieren zum Mitsingen. Insgesamt ein Stück, das besonders das junge Publikum anspricht. Das große erfreut sich am Tanz, dem schön gestalteten Bühnenbild und den tollen Kostümen.