Auf Linie

TRIER. Eine Hommage an die Jazz-Legende Chet Baker präsentierte das Pyramide Trio auf Einladung des Trierer Jazzclubs Eurocore. Die Band begeisterte 100 Gäste - auch mit den leiseren Tönen.

"Alles Überflüssige ist entfernt, wir stehen vor makellosen Linien," beschreibt der Pianist Michael Naura die Musik Chet Bakers und erinnert gar an die Spätwerke des Malers Matisse. Bakers Laufbahn war eine Achterbahnfahrt - vom Aufstieg in den 50er Jahren über einen Karriereknick durch Heroinsucht in den 60ern bis zum Comeback 1974. Sein letztes Konzert gab er nur wenige Wochen vor seinem Tod mit der Bigband des Norddeutschen Rundfunks am 28. April 1988.So wild Bakers Leben war, so geradlinig und schnörkellos sind jedoch seine Kompositionen. Das Pyramide Trio aus Marseille folgte diesen Linien auf dem Eröffnungskonzert des Jazzclubs Eurocore in der Trierer Tuchfabrik. Trompeter Michel Barrot hat bereits mit Größen wie Isaac Hayes oder James Brown gespielt und hat inzwischen eine eigene Musikschule in Salon de Provence aufgebaut. Kontrabassist Didier del Aguila stammt ebenfalls aus der französischen Szene und arbeitet in Deutschland eng mit Sigi Kessler zusammen. Pianist Benoit Paillard stand bereits mit vielen bekannten Größen wie Ricardo Del Fra oder Serge Lazarevich auf der Bühne. Er ist zudem Träger eines hochrangingen französischen Jazz-Preises. Die Erwartungen an den Abend waren daher hoch. Geschmeidige Kontrabass-Läufe eröffnen das Konzert und stimmen auf den Abend ein. Didier del Aguila liefert das passende Bass-Fundament für einen spannenden musikalischen Dialog zwischen Michel Barrot und Benoit Paillard. Barrot beeindruckt bereits im ersten Stück, "Bernie's Tune" von 1952, mit kapriziösen Improvisationen. Auch "The Touch of Your Eyes" (1956) wird kraftvoll dargeboten.Bleibt Pianist Benoit Paillard in der ersten Hälfte des Konzertes eher zurückhaltend, legt er nach der Pause mächtig nach. Paillard brilliert mit einem erfrischenden Piano-Solo in "Jordan's Tune". Gleichwohl meistert er auch die leisen Töne. Dies bewies er besonders mit der Schluss-Nummer "Blue". Freilich hätte er gut auf die vom Synthesizer eingespielten Streicher-Samples verzichten können, mit denen er bisweilen das Konzert würzte. Insgesamt lieferte das Trio ein beeindruckend homogenes Bild, das die Musik Bakers angemessen würdigte. Die Formation blieb auf Bakers Linie, ohne ihn jedoch zu imitieren.

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