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Aufforderung zum Tanz

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Trier. Tango, Glückssuche und Gesellschaftskritik: Das Theater Trier zeigt im Kasino am Kornmarkt Astor Piazzollas Oper "Maria de Buenos Aires". Eva-Maria Reuther

Trier. Der Tango sei der Glaube daran, dass der Kampf auch ein Fest sein kann, schrieb der argentinische Schriftsteller Jorge Luis Borges. Tatsächlich kommt der Gesellschaftstanz, der längst die Salons der Welt erobert hat, in seiner argentinischen Version aus den Vorstädten von Buenos Aires, wo er für die Arbeits- und Mittellosen gleichermaßen Ventil wie Fest ist, Ausdruck ewigen Leids wie unbezwingbarer Kampfeslust und Lebenswillens. Aus den Elendsquartieren der Hauptstadt stammt auch Maria de Buenos Aires in der gleichnamigen Oper von Astor Piazzolla.
Wie unzählige andere ist sie auf der Suche nach der Liebe und dem Glück. Die Flucht aus der Not wird zum Teufelskreis, in dem Maria unter Bettler, Obdachlose und Prostituierte gerät. Als Tote wird sie zur mythischen Gestalt.
Argentinischer Kult



Einen "Tango operita" hat der argentinische Komponist seine 1968 uraufgeführte Oper genannt. Das Textbuch zur Oper in 16 Bildern hat der uruguayische Dichter Horacio Ferrer geschrieben. Das Werk des Erfinders des "Tango nuevo" hat heute in Argentinien Kultstatus und steht unter dem Schutz des dortigen Kultusministeriums. Maria, die Urmutter des Christentums, ist als Symbolfigur Heilige und Frau, Schmerzensreiche und zumindest in der Kunst, auch Hure. Für all das steht sie auch in Piazzollas Oper.
Ein gleichermaßen kirchen-wie sozialkritisches Werk hat der südamerikanische Komponist mit seiner Oper geschaffen, das ebenso gesellschaftliche Ungerechtigkeit wie die Unterdrückung der Frau, die Heilsversprechungen der Kirche wie die neue Glaubenslehre der Psychoanalyse thematisiert und karikiert. Schließlich gehört auch die Groteske für Piazzolla zum ganz normalen Wahnsinn menschlicher Verhältnisse. Für das Trierer Theater inszeniert derzeit Karin Maria Piening die Piazzolla-Oper. Gespielt wird im Kasino am Kornmarkt. Die in Saarbrücken lebende Regisseurin, die an der angesehenen Berliner Hochschule für Musik "Hanns Eisler" studierte, hat als Bühnen- und Kostümbildnerin die Berlinerin Rebekka Dornhege Reyes mitgebracht. Für die beiden Theatermacherinnen, die beide südamerikanische Mütter haben, ist das Projekt auch ein Weg zu den eigenen Wurzeln.
"Das Stück begleitet mich seit meiner Kindheit", berichtet Piening. Wie die Regisseurin fühlt sich auch Kollegin Dornhege mit dem Stück emotional verbunden. "Das Projekt ist für uns auch ein Beitrag zur Identitätssuche", berichten die beiden Frauen.
Protest gegen Unterdrückung


Allerdings nicht allein das. Mehr noch ist die Oper für die Regisseurin und ihre Ausstatterin ein deutliches Signal, sogar ein Protest gegen Armut und soziale Ungerechtigkeit und nicht zuletzt gegen den Machismus, die männliche Gewalt gegen Frauen. Dieses Signal hält sie weltweit für dringend notwendig. Zunehmend weniger würden die Armen und Gedemütigten wahrgenommen, glaubt Piening. Ihre "Maria" will als Collage der Hoffnung und Energie dem Publikum die Augen öffnen und Mut machen, sich aus dem Elend zu befreien. Auge in Auge und "Face to face" sollen die Zuschauer Marias Schicksal und die Kampfeslust des Tangos erleben, wenn sie sich im Kasino in Reihen gegenübersitzen. Die Rolle der Maria hat in der spartenübergreifenden Inszenierung die Brasilianerin Luisa Braz Batista aus der Company Susanne Linke übernommen. Des Weiteren singen und spielen in den Hauptrollen Tilman Rose und Bonko Karadjov.
Premiere: 29.01. 19.30 Uhr, Kasino am Kornmarkt.
Weiter Vorstellungen: 31. Januar, 1. Februar, 8. Februar, 12 Februar, 15. Februar, 16. Februar, 22. Februar, 1. März, 7. März

 Maria: Heilige, Hure und Kultfigur. So auch in der Tango-Oper „Maria de Buenos Aires“, die derzeit im Kasino am Kornmarkt inszeniert wird. Foto: Dornhege Reyes
Maria: Heilige, Hure und Kultfigur. So auch in der Tango-Oper „Maria de Buenos Aires“, die derzeit im Kasino am Kornmarkt inszeniert wird. Foto: Dornhege Reyes FOTO: (g_kultur