Aufgeschlagen - Neue Bücher: Beklemmendes Szenario

Aufgeschlagen - Neue Bücher: Beklemmendes Szenario

Dieses Buch von Jussi Adler-Olsen ist anders. Anders als seine Bestseller "Erbarmen", "Schändung" und "Erlösung" um den schrägen Kommissar Carl Mørck, die ihn in Deutschland berühmt gemacht haben.

"Das Washington-Dekret" ist ruhiger und langsamer - aber nicht minder spannend. In seiner Heimat Dänemark ist es bereits 2006 erschienen - und damit vor seiner Trilogie. Und das merkt man. Der Autor entwirft eine erschreckende Szenerie: Was wäre, wenn ein amerikanischer Präsident sein Land binnen weniger Tage in einen autoritären Staat verwandelt? Mit Pressezensur, Ausreiseverbot und Soldaten auf den Straßen? Was unrealistisch klingt, wird in Adler-Olsens Buch auf erschreckende Weise Wirklichkeit. Bruce Jansen, gefeierter demokratischer Präsident, verliert bei zwei Attentaten seine erste und später seine zweite hochschwangere Ehefrau. Der einst so besonnene Politiker scheint diese Schicksalsschläge nicht zu verwinden. Seine Weggefährten aus früheren Zeiten sind alarmiert, aber gelähmt.

Binnen weniger Tage bricht im ganzen Land das Chaos aus, ein Bürgerkrieg droht. Mittendrin versucht Jansens Mitarbeiterin Doggie Rogers, ihren Vater zu retten. Er sitzt wegen seiner angeblichen Schuld an einem der Attentate auf den Präsidenten im Todestrakt und wartet auf seine Hinrichtung. Was sie bei ihrer Odyssee durchs Land herausfindet, ist schockierend. Plötzlich deutet alles darauf hin, als stecke hinter den politischen Veränderungen viel mehr als die Erlebnisse des tief verletzten Präsidenten.

Erneut gelingt Jussi Adler-Olsen ein Thriller, der den Leser nicht loslässt. Der ihn leise, aber mit voller Wucht packt und noch lange nachhallt. Der Fragen aufwirft, die äußerst beklemmend sind. Und der wieder einmal beweist, dass das Schreiben eines guten Thrillers eine große Kunst ist, die Jussi Adler-Olsen bis ins Kleinste beherrscht.

Jussi Adler-Olsen: Das Washington-Dekret, dtv, 656 Seiten, 19,90 Euro.

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