Aufgeschlagen - Neue Bücher

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Er hat Schulden, sein Haus steht zum Verkauf, er kann das College seiner Tochter nicht zahlen und in seinem Nacken wächst ein Knoten, von dem er glaubt - fast hofft -, dass er bösartig ist: Alan Clay, Protagonist des Romans "Ein Hologramm für den König" von Dave Eggers, ist 54 Jahre alt und "für die amerikanische Unternehmenswelt so faszinierend wie ein Flugzeug aus Lehm". Er steht vor dem Abgrund.

Die einzige Hoffnung sind König Abdullah von Saudi-Arabien und seine King Abdullah Economic City, eine futuristische, gigantische Wirtschaftsmetropole. Für dieses Megaprojekt soll Reliant Systems, die Firma, für die Alan arbeitet, die IT-Technik liefern. Futuristisch aber ist das entscheidende Stichwort: Noch existiert so gut wie nichts von der Stadt. Alan aber bleibt verzweifelt zuversichtlich: "Den Ring küssen, die Produkte präsentieren, ein Geschäft abschließen", das kann er schließlich, oder? Also wartet er in einem schlecht klimatisierten Zelt in der Wüste auf die Ankunft des Königs. Während seine jungen Mitarbeiter tagelang nach einem WLAN-Signal suchen, um die Präsentation der holografischen Kommunikationsmöglichkeit vorzubereiten, erinnert er sich zurück an seine Zeiten beim erfolgreich in der Heimat produzierenden Fahrradhersteller Schwinn, in denen er richtig gut war. Bis er die Produktion outsourcte und sich damit irgendwie selbst mit wegrationalisierte. Dieses Warten ist aufschlussreich. Es erzählt die Geschichte von einem, der die Globalisierung und damit zugleich seinen persönlichen Untergang befördert hat. Der einst ein Macher war und heute ein Nichts ist. Und der immer noch glaubt, alles wieder herumreißen zu können. Dass alles wieder gut wird. Es ist eine traurige Geschichte. Und leider ist sie trotz ihres absurden und surrealistischen Szenarios in ihren Grundzügen realistisch: Alan ist nicht allein. Zumindest nicht mit seinem Schicksal. Ariane Arndt Dave Eggers: "Ein Hologramm für den König"; 352 Seiten; Kiepenheuer & Witsch, 2013, 19,99 Euro. Weitere TV-Kolumnen finden Sie auch im Internet auf www.volksfreund.de/kolumne

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