Aufgeschlagen - Neue Bücher

Dass sie Krimis schreiben kann, hat Andrea Maria Schenkel bereits mehrfach mit "Tannöd", "Kalteis", "Finsterau", "Bunker" und "Täuscher" bewiesen. Alle Romane landeten auf der Bestsellerliste.

Aufgeschlagen - Neue Bücher
Foto: (g_kultur

Nun hat sie mit "Als die Liebe endlich war" das Genre gewechselt. Und, das sei vorneweg gesagt, es ist ihr gelungen. Erzählt werden zwei Geschichten. Zunächst die des Juden Carl, der als Elfjähriger zusammen mit seiner Mutter und Schwester 1938 nach Shanghai flüchtet. Der Vater will nicht mit und landet später im Konzen trationslager Dachau. Parallel dazu gibt es die Geschichte der jungen Erna, die von ihrer Mutter als Hausmädchen zur Tante nach München geschickt wird. Tante Marga liest nicht nur die Zukunft aus Karten, sondern ist auch Engelmacherin. Dabei verhilft sie einer kinderlosen Nazi-Braut zum erwünschten Nachwuchs, indem sie ihr von Frauen in Not die Babys vermittelt. Carl, der nach dem Krieg nicht nach Deutschland zurück möchte, wandert in die USA aus, wo er Emmi kennenlernt, die wie er aus Bayern stammt. Viele Jahre später bittet ihn eine Nachbarin, alte Briefe und Dokumente ihres verstorbenen Ehemanns, einem Holocaust-Überlebenden, zu übersetzen. Carl lehnt zunächst ab. Doch dann stößt er in einem Brief auf Informationen aus dem KZ Dachau, die auch etwas mit seiner Frau Emmi zu tun haben. Ein Roman, der im Zweiten Weltkrieg spielt. Davon hat man schon etliche gelesen, wie soll da noch ein neuer Dreh gefunden werden, fragt man sich. Doch Andrea Maria Schenkel überrascht. Die Flucht von Carls Familie nach Shanghai liest sich unheimlich spannend. Die Angst vor der Zukunft, das Zurücklassen des Vaters wird hautnah miterlebt und erleidet. Zeitgleich erfährt man durch die Erlebnisse des Hausmädchens Erna, was parallel in Deutschland passiert. Bis sich die Schicksale irgendwann kreuzen. Das wird unglaublich packend erzählt. Der passionierten Krimiautorin gelingt es vorbildlich, sich von Seite zu Seite zu steigern bis hin zu einem krönenden Finale. So grau das Buchcover ist, so facettenreich und bunt ist das Leben, das sie beschreibt. Und auch wenn die Autorin selbst bei Krimis immer das Ende zuerst liest, weil sie wissen will, wie es ausgeht, sollte man davon bei ihrem Roman absehen. Wäre doch zu schade. Stefanie Glandien Andrea Maria Schenkel: "Als die Liebe endlich war", Hoffmann und Campe, 384 Seiten, 22 Euro.

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