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Aufgeschlagen - Neue Bücher

Aufgeschlagen - Neue Bücher

Erneut taucht Paul Auster in seine Vergangenheit ab. Im "Bericht aus dem Inneren" widmet sich der 67-Jährige den Anfängen seines Lebens.

Nach "Winterjournal", in dem er sein gesamtes bisheriges Dasein Revue passieren ließ, lenkt er nun den Fokus auf seine Kindheit, Jugend und die Studentenzeit. Eine persönliche Forschungsreise, denn dem alten Paul ist der junge Paul nur noch schemenhaft in Erinnerung. Dieser gewinnt aber während und dank des Erinnerns und Schreibens an Kontur. Paul Auster rekonstruiert, wie aus dem 1947 in Newark geborenen Sohn jüdischer Einwanderer ein Baseball-, Literatur- und Filmfanatiker und schließlich Schriftsteller wurde. Beginnend mit dem Vermögen des Sechsjährigen, "einen Gedanken zu denken und sich zu sagen, dass man diesen Gedanken denkt." Auster bezeichnet es als "Geburt des Selbstbewusstseins: (...) dies ist der Moment, in dem wir die Fähigkeit erwerben, uns selbst unsere Geschichten zu erzählen, die ununterbrochene Erzählung zu beginnen, die erst mit unserem Tod endet". Paul Auster hat sich immer wieder literarisch mit seinem Leben beschäftigt. Die Ergebnisse sind keine narzisstischen Selbstbespiegelungen. Sie lesen sich wie ein Versuch, sich zu erden und neu aufzustellen, wie ein notwendiges Innehalten. Während er den Bericht schreibt, fallen Auster Briefe in die Hände, die er als Student an seine damalige Freundin schrieb, eine "Zeitkapsel" der "späten Jugend und frühen Mannesjahre", etwas "Kostbares, der einzige direkte Zugang zu deiner Vergangenheit, den du je gefunden hast". Er entschließt sich, die Geschichte weiterzuerzählen, jene Jahre mit aufzunehmen. In manchen Passagen, zum Teil sind es Abschriften der Briefe, fühlt sich der Leser ein wenig alleingelassen in diesem Zwiegespräch. Zugleich ist es vor allem für jene ein Geschenk, die Austers Werk kennen und lieben und denen so eine weitere Perspektive eröffnet wird. Und es ist schlicht eine Freude, von der Begeisterung zu lesen, die Paul Auster dabei empfindet, sich selbst (neu) zu entdecken. Ariane Arndt-Jakobs Paul Auster: Bericht aus dem Inneren, 368 Seiten, Rowohlt, 19,95 Euro. Weitere TV-Kolumnen gibt es auf <%LINK auto="true" href="http://www.volksfreund.de/kolumne" class="more" text="www.volksfreund.de/kolumne"%>