Aufgeschlagen - Neue Bücher

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Auf den ersten Blick ist Britt-Marie jemand, den man nicht zum Abendessen einladen möchte. "Sozial inkompetent" nennt sie ihr Mann Kent, eine "Meckerziege" seine Kinder aus erster Ehe.

Zumindest ist sie schrecklich ordentlich und hat einen Putzfimmel. Auf den ersten Blick ist Borg ein Ort, an dem man nicht gerne leben möchte. Eine Gemeinde, "von der das Netteste, was man sagen kann, ist, dass sie sich an einer Durchgangsstraße befindet, die in zwei Richtungen wieder hinausführt". Zumindest haben in Borg fast alle Läden geschlossen und man lebt aneinander vorbei. Und dann verlässt Britt-Marie nach 40 Jahren Ehe ihren Mann ("Bloß nicht auf den Boden weinen. Das gibt Flecken."), sucht sich einen Job und zieht mit ihren Balkonpflanzen und ihren Putzmitteln nach Borg. Seite für Seite erspürt der Leser, dass sich hinter Britt-Maries pedantischer Fassade eine tieftraurige, unsichere Frau verbirgt, die sich das Träumen schon vor langer Zeit abgewöhnt hat, die aber das Herz auf dem rechten Fleck hat. Und das merken auch die Menschen in Borg, allen voran die Kinder, die Britt-Marie kurzerhand zu ihrem Fußball-Trainer machen. Fredrik Backmann hat nach seinem Bestseller "Ein Mann namens Ove" wieder einen Außenseiter, ja einen Querulanten in den Mittelpunkt seiner Erzählung gestellt. Britt-Marie ist ein bisschen wie Ove - nur anders. Das neue Buch geht noch ein bisschen mehr ans Herz, ist mindestens genauso lustig - und ganz nebenbei noch eine poetische Liebeserklärung an den Fußball. All das schildert Backmann in seinem vollkommen nüchternen, sachlichen Sprachstil und treibt die Absurdität der Erzählung damit gekonnt auf die Spitze. Absolut lesenswert! Eva Jung Fredrik Backman: "Britt-Marie war hier", Krüger Verlag, 384 Seiten, 19,99 Euro.

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