1. Region
  2. Kultur

Aufgeschlagen - Neue Bücher

Aufgeschlagen - Neue Bücher

Nicolas Guerlain ist wieder mit im Boot. Nachdem der Personenschützer einen Einsatz zur Sicherung eines Politikers vergeigt hatte, war er von Paris in die Provinz, ins verhasste Deauville, versetzt worden, wo er sich mit allerlei "Strandgut" herumschlagen musste - so der Titel seines ersten Falls.

Nun ist er, nach zahlreichen Therapiesitzungen, in denen er sein verkorkstes Privatleben auf die Reihe zu bringen versucht, wieder diensttauglich. Sein Vorgesetzter beordert ihn zurück - und schickt ihn ausgerechnet erneut in die Normandie. Auf einem Landsitz zwischen Deauville und Honfleur lebt ein griesgrämiger Adliger, der Zielscheibe eines Attentäters zu sein scheint. Innerhalb kürzester Zeit kleben mehrere Morddrohungen am Zaun seines weitläufigen Anwesens. Die Tat soll ausgerechnet bei einem großen Benefiz-Empfang ausgeführt werden, den der Comte auf seinem weitläufigen Anwesen geben will. Nicolas hat nun dafür zu sorgen, dass der alte Mann den Abend überlebt. Dummerweise erkennt der Personenschützer zu spät, dass die Kugel gar nicht dem Comte de Tancarville gilt ... "Küstenstrich" ist - nach "Strandgut" - der zweite Auftritt des Sicherheitsbeamten Nicolas Guerlain. Wie schon in seinem ersten Roman erweist Benjamin Cors sich als Meister der Verschachtelungen von Zeit, Raum und Handlungsebenen. Das Flüchtlingsdrama von Calais verknüpft er dabei mit einer Organisation, die Minderjährige vergnügungssüchtigen Männern aus Frankreichs besten Kreisen zuführt; einem Menschenrechtler, der sein Engagement mit dem Leben bezahlen muss, und dem verzwickten Psychogramm des Protagonisten, der seit dem mysteriösen Verschwinden seiner Geliebten Julie aus der Bahn geworfen wurde. Nebenbei ist Cors ein Meister des Cliffhangers: Konnte man nach dem überraschenden Ende von "Strandgut" noch damit rechnen, dass Nicolas und Julie wenigstens im zweiten Teil ein Happy End erleben dürfen, muss sich der Leser nun - mindestens - bis zum nächsten Band gedulden (der vom Verlag zwar noch nicht angekündigt ist, den es aber nach all den Fäden, die noch nicht verknotet sind, bestimmt geben wird). Auch "Küstenstrich" wartet übrigens mit einem Knalleffekt am Ende auf - der Nicolas Guerlain ebenso kalt erwischt wie den geneigten Leser. Wahrscheinlich ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Romane des ARD-Journalisten Cors zu Fernsehfilmen umgearbeitet werden. Frankreichs finsterste Seiten sind bei deutschen Zuschauern ja schon seit einiger Zeit en vogue. Und eine fantastische Kulisse gibt die Normandie allemal ab - auch wenn die ziemlich blutbefleckt ist. Rainer Nolden Benjamin Cors, Küstenstrich - Nicolas Guerlains zweiter Fall. Deutscher Taschenbuch Verlag, 382 Seiten, 15,90 Euro.