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Aufgeschlagen - neue Bücher

Aufgeschlagen - neue Bücher

Drei Mädchen warten darauf, dass das Leben beginnt. Ihr Dorf ist kaum älter als sie selbst - eine israelische Siedlung nahe der Grenze zum Libanon.

Geprägt von Tristesse, Langeweile und Krieg. Mit der Einberufung zum Wehrdienst werden Yael, Arishag und Lea jäh erwachsen. Sie wappnen sich gegen Angriffe mit ABC-Waffen, bringen jungen Rekruten das Schießen bei, kontrollieren an Checkpoints oder bewachen die Grenze nach Ägypten. Der Tod ist immer dabei. Dass bitterarme Flüchtlinge vor ihren Augen erschossen werden oder auf vorbereitete Minen laufen, gehört dazu. Auch dass dem Kollegen bei der Fahrzeugkontrolle die Kehle durchgeschnitten wird. Oder dass ein Geliebter nicht aus dem Einsatz in Syrien zurückkehrt. Das ist Alltag. Es ist der Preis, den jeder Einwohner für sein Land zahlt. Kapitelweise wechselt die Perspektive zwischen den Protagonistinnen, einem Erzähler und einem sudanesischen Flüchtling. Die Erzählweise ist immer drastisch, assoziativ, etwas schnodderig. Die Frauen flüchten in schräge Fantasien, Trotzreaktionen und Sex. Doch die Welt besteht nicht nur aus Freund und Feind: Zu den starken Szenen des Buches gehört, wie Yael ein palästinensisches Kind wohlwollend übersieht, das den Stützpunkt be-stiehlt, oder Offizierin Lea den Beschuss arabischer Demons-tranten inszeniert, weil diese mit einer Aktion in die Zeitung kommen wollen. Darin steckt viel Humor. Lakonisch wird das erzählt, packend, unterhaltsam. Shani Boianjius Roman ist eine beeindruckende Innenansicht der israelischen Armee und ihrer Gesellschaft aus weiblicher Sicht. Dabei greift die Autorin (Jahrgang 1987) viele Lebensgeschichten auf, die weit über ihre Generation hinaus in die Vergangenheit gehen. Jedoch sind die Perspektivwechsel der Erzähler verwirrend. Hier hätten die Überschriften für mehr Klarheit sorgen können. Annemarie Heucher Shani Boianjiu, Das Volk der Ewigkeit kennt keine Angst, Roman, Kiepenheuer & Witsch 2013, 236 Seiten, 19,99 Euro.