Aufgeschlagen – Rachel Joyce: Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry

Trier · Eigentlich wollte Harold Fry an diesem Tag nur bis zum Briefkasten gehen. Doch dann macht der Rentner sich auf eine Wanderung einmal quer durch England. 1000 Kilometer von Süden nach Norden, 1000 Kilometer in Segelschuhen, 1000 Kilometer zu seiner alten Arbeitskollegin Quennie Hennessy, die in einem Hospiz kurz vor der schottischen Grenze im Sterben liegt.

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Foto: (g_kultur

Von Abschieden und Aufbrüchen

"Ich werde laufen, und du wirst leben", verspricht er ihr und macht sich auf den Weg. Auf einen Weg, der am Ende ein langer Marsch zu sich selbst werden wird. Dabei ist Harold Fry am Anfang vom strahlenden Helden ähnlich weit entfernt wie von seiner Freundin Quennie. Sein Leben ist fade, er ist ein schlechter Ehemann und ein noch schlechterer Vater. "Versagen ist das Einzige, worin ich gut war", sagt er einmal.

Rachel Joyce hat mit "Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry" einen wunderschönen Roman über Abschiede und Aufbrüche geschrieben. Es ist ein Buch, das vor vertanen Chancen in der Vergangenheit manchmal wehtut und gleichzeitig Mut für die Zukunft macht. Das geht nicht ganz kitschfrei, ist aber in jedem Fall lesenswert.

Eva Großeastroth

Rachel Joyce: Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry, Krüger Verlag, 2012, 384 Seiten, 18,99 Euro

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