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Aus dem Ehranger Hafen in die große Theaterwelt

Aus dem Ehranger Hafen in die große Theaterwelt

Dass eine Theater-Produktion aus Trier zur Uraufführung im Grand Théâtre Luxemburg angenommen wird, ist eine ausgesprochene Rarität. Das Trierer Künstlerpaar Martina Roth und Johannes Conen hat mit seinem innovativen "Bewegtbild-Theater" bereits zum wiederholten Mal die Ehre.

Trier/Luxemburg. Der Boden im Probenraum im Industriegebiet Ehranger Hafen sieht aus wie getrockneter Schlamm. Unter dickem Staub stapeln sich unzählige kleine Kartons, durch die hügelige graue Landschaft ziehen sich Eisenbahnschienen. Darüber ragt ein Fenster, es könnte auch ein überdimensionaler Spiegel sein, der als Projektionsfläche dient - im praktischen wie im übertragenen Sinn.
Alles wirkt tonnenschwer, lässt sich aber von zwei Erwachsenen locker tragen. Bühnenbilder sind Bluff - wer könnte das besser wissen als der langjährige Bühnenbildner Johannes Conen. Der Professor an der Trierer FH hat gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, der Schauspielerin Martina Roth, das komplette Ambiente im eigenen Studio aufgebaut und dann nach Luxemburg ins Grand Théâtre transportiert.
Das Herzstück des von Conen/Roth entwickelten "Bewegtbild-Theaters" ist eine Computer-Steuerzentrale. Denn die Aufführung findet als Spiel zwischen Roth und Figuren statt, die in den Raum hineinprojieziert werden. Die Kombination des Live-Auftritts mit den Zuspielungen ergibt faszinierende Effekte.
Zumal beim neuen Stück "Staub", das sich um Erinnerungen dreht. Es besteht aus dem Einakter "Der Regen" von Daniel Keene und einem zweiten Teil, den Martina Roth selbst geschrieben hat. Es geht um die Erinnerungen einer alten Frau, die in ihrem Haus Kartons mit den letzten Habseligkeiten etlicher Menschen gesammelt hat - so lange, bis für sie selbst kein Platz mehr blieb. Das Bühnenbild mit den Bahnschienen legt die Assoziation mit einem KZ nahe - doch so konkret will Martina Roth das Stück gar nicht interpretieren. Das bleibt dem Publikum überlassen, zunächst in Luxemburg, dann in Fürth. Weitere Gastspiele sind in Planung - nicht zwingend in Theatern. Gedacht ist auch an Raum-Installationen bei Ausstellungen. DiL
Uraufführung Samstag, 12. Mai, 20 Uhr, Grand Théâtre.