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Aus der Hauptstadt in die Heimat

Aus der Hauptstadt in die Heimat

Sie lebt inzwischen länger in Berlin als an der Mosel. Ihre alte Heimat trägt AnniKa von Trier aber weiter im Herzen - und im Namen. Mit neuem Programm war sie zu Gast im kleinen Saal der Tufa.

Trier. Silberner Faltenrock, lindgrünes Akkordeon. "Sei Berlin, sei kreativ!", singt Annika Krump. Ein Ratschlag, den sie selbst seit 25 Jahren beherzigt. So lange schon lebt sie in der Hauptstadt. Sie steckt ein Miniaturmodell des Fernsehturms auf ihr Instrument und besingt das Berliner Wahrzeichen, sie erzählt von Szenecafés und Bioläden am Kollwitzplatz. Urbane Heimatlieder. Und doch: Die alte Heimat, die an der Mosel, lässt sie nicht los. "AnniKa von Trier" nennt sich Krump jetzt. Ein Lied an den bekanntesten Sohn der Stadt hat sie ebenfalls mitgebracht: "Erklär uns noch mal deine Theorie", bittet sie Karl Marx. "Denn richtig verstanden haben wir sie nie."
"Gerade jetzt" heißt das Programm. Das gleichnamige Lied ist ein Plädoyer für den Moment, den Augenblick, den es wahrzunehmen gilt. "Wir sind alle auf demselben Weg - zum Friedhof. Warum die Eile?", fragt AnniKa von Trier und verteilt unter den etwa 70 Gästen "Anleitungen zum guten Leben" nach einem Text der amerikanischen Künstlerin SARK, der in Deutschland oft fälschlicherweise Joseph Beuys zugeschrieben wird.
Nichts außer dem Faltenrock


"Bade im Mondlicht!", heißt es da zum Beispiel oder: "Pflanze unmögliche Gärten!". Einen solchen Garten widmet AnniKa der Dadaistin Hannah Höch. Mit tränendem Herz segelt sie auf der Dreimasterblume, wirft dem Publikum einen Kro-Kuss zu und bittet: "Vergissmeinnicht!"
Als Außerirdische nach dem Ende der Menschheit auf die Erde kommen, finden sie - in einem Text von Ludwig Hirsch - als einziges Zeugnis einen lustigen Micky-Maus-Film. Die "wunderbaren kleinen Pillen gegen die Traurigkeit", die sie im Gepäck haben, hätten die Menschen wohl gar nicht gebraucht. Trotzdem entfalten die wunderbaren Kleinkunst-Pillen der AnniKa von Trier ihre wohltuende Wirkung. Und was braucht man schon? "Das nicht, das auch nicht", stellt die Künstlerin beim "Window-Shopping" fest. Nur eines will sie unbedingt haben: den silbernen Faltenrock. daj