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Aus der Schalterhalle in die Weiten der Eifel

Aus der Schalterhalle in die Weiten der Eifel

PRÜM. Noch größer, noch prominenter, noch länger: Das vom TV präsentierte Eifel-Literatur-Festival geht in die zehnte Runde. Geradezu bescheiden hat es einmal angefangen. Festival-Macher Josef Zierden erinnert sich an die Anfänge.

"Ich war gerade 40 Jahre alt geworden, hatte die Mitte meines Lebens erreicht und nahm mir vor, dass ich ab jetzt knallhart das mache, was ich will", sagt der Vater des Eifel-Literatur-Festivals über die Geburt seines literarischen Kindes. Nach den ersten unsicheren Schritten mauserte sich der in der Szene noch unbekannte Zögling schon bald zum vorstürmenden Platzhirsch. In Rheinland-Pfalz gibt es kein vergleichbares Festival. "Bei mir kreist alles um die Literatur und die Wahrnehmung der Welt durch die Literatur", sagt Zierden. Neben der ausgeprägten Liebe zum geschriebenen Wort ist ihm noch eins sehr wichtig: die Eifel. "In diesen Raum wollte ich geistig Bewegung reinbringen," sagt er. Beim Festivalstart 1994 lasen Autoren, die entweder in der Eifel lebten oder über die Eifel schrieben. Jacques Berndorf und Goerg R. Kristan zählten zu den ersten, die in Prüm, in der Schalterhalle der Volksbank, auftraten. Von 1994 bis 2003 wurde das Festival in Kooperation mit dem Geschichtsverein Prümer Land veranstaltet. Seit 2004 ist das Literaturbüro Eifel - Vorsitzender ist Josef Zierdens - alleiniger Ausrichter. Nach 1998 gönnten sich Zierden und sein Schwager Werner Blindert, Vorsitzender des Geschichtsvereins Prümer Land, mehr Prominenz. Da nicht alle zwei Jahre der große Eifeler Roman geschrieben wurde, konzentrierte sich Zierden nicht länger nur auf heimische Autoren. 2001 kam dann die endgültige Wende. Verstärkt kamen hochkarätige Autoren in die Eifel. Mario Adorf, Ralph Giordano, Ludwig Harig, Martin Walser und viele mehr lasen vor vollen Rängen. Das Literatur-Festival blieb aber weiterhin Bühne für rheinland-pfälzische Autoren. Auch beruflich gab es eine Wende: Der Gymnasiallehrer Josef Zierden wechselte 1996 als Leiter der Volkshochschule nach Trier. Auch dort setzte er literarische Duftnoten und initiierte die ersten Trierer Literaturtage. In der Eifel gab es gleichzeitig alle zwei Jahre ein Literatur-Festival. "Früher war das Festival noch sehr erläuterungsbedürftig, wenn ich jemand verpflichten wollte", erinnert sich der Prümer. An Siegfried Lenz habe er bis zur Zusage ein ganzes Jahr gearbeitet. Nach und nach klappte es mit der Mund-Propaganda. "Wir verwöhnen unsere Autoren. Wir tun alles für die. Kompetenz und Service stehen bei uns ganz oben", unterstreicht der Organisator ausdrücklich seine Stärken.

Das Flair des Eifel-Literatur-Festivals, das treue Publikum und die familiäre Atmosphäre, bleibt den Autoren meist in guter Erinnerung. Der sizilianische Autor Leoluca Orlando (2004) hatte gerade eine enttäuschende Lesung in Karlsruhe hinter sich, als er in der Eifel eintraf. In Bitburg betrat er einen prall gefüllten Saal im Beda-Haus. Stimmung pur. Seitdem hat Zierden bei der Verlagsmanagerin einen Stein im Brett. Das Festival der großen Namen (110 Autoren 1994 bis 2004) musste anfangs mit einen Etat von 4000 Euro wirtschaften. Mittlerweile hat der Kultursommer Rheinland Pfalz den Etat auf 30 000 Euro (Sponsoring total: 80 000 Euro) aufgestockt. Kamen anfangs durchschnittlich 70 bis 80 Zuhörer, sind es mittlerweile 350, bei Spitzenveranstaltungen sogar 700 bis 800. Die Aula der Hauptschule Prüm fast gesprengt haben die Publikumsmagneten Elke Heidenreich und Alice Schwarzer, mit denen es in diesem Jahr ein Wiedersehen gibt. Mittlerweile hat Festival-Macher Josef Zierden allen Grund, selbstbewusst aufzutreten. "Wir sind das am prominentesten besetzte Literaturereignis in Rheinland Pfalz", sagt er. Erstmals wird in diesem Jahr die gesamte Eifel zu einer einzigen Literaturbühne. Von Adenau bis Euskirchen, von Irrel bis Dudeldorf, grenzüberschreitend werden Autoren an den unterschiedlichsten Orten lesen. Ob Synagoge oder Schloss, Schule oder Bürgerhaus, Amtsgericht oder Kinosaal, nie waren so viele Orte in das Festival eingebunden. Es werden 23 Autoren in sechs Landkreisen an 13 Orten der Eifel für Lesegenuss sorgen. Karten für das Eifel-Literatur-Festival gibt es in allen Filialen der Kreissparkasse in Bitburg, Irrel und Prüm. Außerdem bei örtlichen Buchhandlungen und in den Veranstaltungsorten, sowie per Internet unter www.eifel-literaturfestival.de.