Aus lauter Liebe erschlagen

Man kann Franz Schubert auf vielerlei Art begraben. Man kann ihn auch vorab noch musikalisch erschlagen - und das sogar aus lauter Liebe. So geschah es jedenfalls in der Luxemburger Philharmonie, wo die Wiener Sängerin Ildikó Raimondi einen Abend mit Liebesliedern nach Texten von Johann Wolfgang von Goethe gab.

Im Mittelpunkt standen romantische Lieder von Franz Schubert. Raimondi hatte wenig am Hut mit diesen intimen Nachrichten aus der Innenwelt. "Alle Liebe ist Kriegsdienst" mag sie wie der römische Dichter Ovid gedacht haben, ersetzte Beseeltheit durch Theatralik und gab die Hochdramatische. Von Lyrik war da wenig zu spüren, zudem geriet ihr metallischer Sopran nach oben bedenklich an seine Grenzen. Aber man weiß ja - auch die Liebe wird manchmal schrill. Ihr Gretchen am Spinnrad war keine harmlose Bürgertochter, die an einem windigen Typ irre wird, sondern eher die pathetische Schöne eines spätbarocken Meisters. Hugo Wolfs Liedern wurde Raimondi kokett und mit schlanker Stimme dagegen erfreulich gerecht. Ein Verdienst der gebürtigen Rumänin ist ihr Einsatz für den vergessenen Tschechen Wenzel Johann Tomaschek (1774-1850). Seinen "Erlkönig" und sein "Heideröslein" hört man mit Interesse. An diesem Abend, den Charles Spencer am Klavier begleitete, galt jedenfalls für Goethes Texte: doch lieber lesen.

Eva-Maria Reuther

kurzkritik

Aus lauter Liebe erschlagen

Man kann Franz Schubert auf vielerlei Art begraben. Man kann ihn auch vorab noch musikalisch erschlagen - und das sogar aus lauter Liebe. So geschah es jedenfalls in der Luxemburger Philharmonie, wo die Wiener Sängerin Ildikó Raimondi einen Abend mit Liebesliedern nach Texten von Johann Wolfgang von Goethe gab. Im Mittelpunkt standen romantische Lieder von Franz Schubert. Raimondi hatte wenig am Hut mit diesen intimen Nachrichten aus der Innenwelt. "Alle Liebe ist Kriegsdienst" mag sie wie der römische Dichter Ovid gedacht haben, ersetzte Beseeltheit durch Theatralik und gab die Hochdramatische. Von Lyrik war da wenig zu spüren, zudem geriet ihr metallischer Sopran nach oben bedenklich an seine Grenzen. Aber man weiß ja - auch die Liebe wird manchmal schrill. Ihr Gretchen am Spinnrad war keine harmlose Bürgertochter, die an einem windigen Typ irre wird, sondern eher die pathetische Schöne eines spätbarocken Meisters. Hugo Wolfs Liedern wurde Raimondi kokett und mit schlanker Stimme dagegen erfreulich gerecht. Ein Verdienst der gebürtigen Rumänin ist ihr Einsatz für den vergessenen Tschechen Wenzel Johann Tomaschek (1774-1850). Seinen "Erlkönig" und sein "Heideröslein" hört man mit Interesse. An diesem Abend, den Charles Spencer am Klavier begleitete, galt jedenfalls für Goethes Texte: doch lieber lesen. Eva-Maria Reuther

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