Ausnahmekünstler zum Anfassen

Wittlich · Dass das Wittlicher Kulturleben regelmäßig mit hochkarätigen Jazzkonzerten bereichert wird, ist das Verdienst des Jazzclubs Wittlich. Seit zwanzig Jahren sorgt er für ein Angebot, dass in puncto Vielfalt und Qualität seinesgleichen sucht. Zum Geburtstag gibt es ein Wiedersehen mit Gästen der Anfangsjahre.

Wittlich. Jasper vant Hoff, Joachim Kühn, Wolfgang Dauner, Trilok Gurtu, Marilyn Mazur, Kenny Wheeler, Albert Mangelsdorff, Klaus Doldinger, Charlie Mariano, Maria Jao, Eberhard Weber, Paul Kuhn - das ist nur eine kleine Auswahl der illustren Jazzpersönlichkeiten, die der 90 Mitglieder starke Jazzclub Wittlich in die Säubrennerstadt gebracht hat.
Begonnen hat das mit einem Treffen vor zwanzig Jahren: "Das war bei uns zu Hause im Wohnzimmer, bei einem Wein", erzählt Gründungsmitglied und Vorsitzende Hildegard Adams. Der Wittlicher Maler und Grafiker Tony Munzlinger und ihr Sohn, der Jazzpianist Christoph Adams, brachten die Idee auf, das Wittlicher Musikangebot über einen Verein um die Sparte Jazz zu erweitern.
Beim damaligen Bürgermeister Helmut Hagedorn habe sie offene Ohren gefunden, erinnert sich Hildegard Adams. Die Stadt habe das Kulturangebot ohnehin privatisieren wollen. Sie zahle bis heute eine jährliche finanzielle Grundunterstützung, sagt die Vorsitzende.
Am 1. September 1993 lud sie im Trierischen Volksfreund zur Gründungsversammlung ein. "Die Annonce war nur ganz winzig, aber trotzdem kamen am zweiten September weit über 50 Leute ins Hotel Deutsches Haus", erinnert sie sich. Alwin Reitz, Veranstalter sonntäglicher Jazzfrühschoppen, wurde zum ersten Vorsitzenden gewählt, Hildegard Adams, die diesen Posten zunächst nicht ausfüllen wollte, übernahm das Amt der Schriftführerin.
Schon einen Monat später richtete der Jazzclub sein erstes Jazzmeeting mit international bekannten Künstlern aus, von denen mit John Taylor, Palle Danielsson und der Band Triode um Francois Barnoud einige zum Jubiläum wiederkommen werden. Der Künstler Tony Munzlinger gab dem Verein mit dem Logo einer Saxofon spielenden Katze ein markantes Wahrzeichen. "Und Adresse oder besser Zentrale des Jazzclubs ist immer die der Familie Adams geblieben, wo alles seinen Anfang nahm", sagt die Vorsitzende.
Einzig ein adäquater innenstädtischer Raum für Veranstaltungen fehlte, "auf den warten wir noch heute". Zehn Jahre lang bot der rauchgeschwängerte und enge Saal Kaienburg Künstlern wie John Abercrombie, Richard Galeano, Chico Freeman und Roy Hargrove eine eher provisorische Bühne, nur einen halben Meter vom Publikum entfernt. Dort entstand 1996 auch eine weitere Konzertreihe des Jazzclubs, die Wittlicher Bühne, eine Plattform für Künstler aus Wittlich und Umgebung.
Mit Jazz zum Anfassen in einem Saal, "in dem die Zeit stehengeblieben ist" (Bassist Jimmy Woode 1997), war es mit Schließung "der Kaienburg" vorbei. Einen, wie Hildegard Adams sagt, "sehr erfreulichen Neubeginn" brachte 2003 die Zusammenarbeit mit dem Hotel Lindenhof außerhalb der Stadt, wo für durchschnittlich sieben Konzerte pro Saison Saal oder Biergarten genutzt werden. Gelegentlicher Veranstaltungsort ist auch die Synagoge. Die Erfolgsgeschichte der Wittlicher Bühne ging im Café am Markt weiter. "Viele der dort aufgetretenen Künstler haben als Profimusiker Karriere gemacht", betont Adams und nennt beispielhaft Christoph Adams, Anne Kaftan oder Matthias Ambrosius.
Dass einheimische wie internationale Musiker gerne den Einladungen des Jazzclubs folgen, ist vielen zu persönlichen Freundschaften gewachsenen Kontakten zu verdanken, die besonders Hildegard Adams über die zwei Jahrzehnte aufgebaut hat. Obwohl sie für den Jazzclub brennt, sieht sie als Mittsiebzigerin allmählich persönliche Grenzen. Gefragt nach der Zukunft des Vereins sagt sie jedoch: "Ich bin davon überzeugt, dass es weitergeht".
Extra

Sein 20-jähriges Bestehen feiert der Jazzclub Wittlich mit einem Jazzmeeting an zwei Oktoberwochenenden, Beginn jeweils 20 Uhr: Samstag, 12. Oktober, Casino (Friedrichstraße 4): Jeff Cascaro & Band (Quintett) Sonntag, 13. Oktober, Synagoge: Carla Bley Trio Freitag, 18. Oktober, Hotel Lindenhof: Eddie Palmieri - Afro Caribbean Jazz All Stars Samstag, 19. Oktober, Hotel Lindenhof: Trio John Taylor Sonntag, 20. Oktober, Café am Markt: Triodeae Karten für alle Konzerte gibt es im TV-Service-Center Trier und an der Abendkasse.

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