1. Region
  2. Kultur

Außerirdische Harmonien ohne Instrumente

Außerirdische Harmonien ohne Instrumente

Mit einer Musikshow jenseits des A-cappella-Genres haben acht Vokalisten aus Israel das Publikum in der Trierer Arena mit vier Shows am Wochenende von den Sitzen gerissen. Die Voca People bieten dabei gleichermaßen Gesang, Beat-Boxing und Comedy.

Trier. Schon seit den Zeiten der legendären Comedian Harmonists und spätestens seit die Kölner A- Cappella-Truppe Wise Guys jüngst den Echo-Musikpreis abräumte, ist die Beliebtheit von Musik ganz ohne Instrumente offensichtlich. Die Voca People, acht formidable Sänger aus Israel, führen nun diese Idee konsequent ins dritte Jahrtausend. Ihre Show, mit der sie am Wochenende vier Mal in der Trierer Arena gastiert haben, ist in der ganzen Welt erfolgreich. Auch die 700 Zuschauer sind hingerissen.
Acht Wesen vom imaginären Planeten Voca, ganz in Weiß gekleidet und geschminkt, stranden mit leeren Energiespeichern auf der Erde. Damit die Reise weitergehen kann, müssen sie ihre Akkus mit Musik wieder aufladen, das ist ihr Lebenselixier.
Kontaktaufnahme mit Publikum



Fulminant mischen sie dazu Songs aus irdischer Klassik, Rock und Pop zu extrem verdichteten Medleys. Von Beethoven über Mozart, von Abba bis Queen und den BeachBoys bis hin zu Filmmusik und Klamauknummern reicht die Spanne. Die Zuschauer haben Mühe, die einzelnen Stücke zu rekonstruieren. Aber das ist auch nicht der Sinn der Sache, es macht einfach Spaß, sich diesem Wirbelsturm an exzellent gesungenen Welthits hinzugeben. Ein Dauerlächeln überzieht die Gesichter im Saal. Dabei sind nichts als menschliche (außerirdische!) Stimmen zu hören, von tiefstem Bass bis hin zu jubilierendem Sopran.
Clownesk geht es zu, die Augenbrauen sind schwarz und die Münder rot geschminkt, die Bewegungen tapsig, die Mimik überdreht. Etwas Bühnennebel und bunte Lichtspots reichen als Hintergrund. Dabei wird die Interaktion mit dem Publikum großgeschrieben, mehrmals schwärmen die Vocas von der Bühne aus, flirten mit den Zuschauern oder zweckentfremden deren Körper als virtuelle Musikinstrumente.
Wie gesagt, alles, was hier nach Instrumenten, Gitarrenriffs oder tiefen Basslinien klingt, erzeugen diese Virtuosen mit ihren Kehlen. Zwei Herren mit Namen Captain Beat-On und Scratcher entfesseln dabei ein donnerndes Techno-Gewitter, untermalt von Stroboskop-Lampen, dass es nur so knallt - Berlin Calling lässt grüßen.
Ihre stärksten Momente haben die Sänger, wenn sie sich die Zeit lassen, ein ganzes Lied zu performen, dabei kommt dann eine lautmalerische, wunderbare Version von "We are the world" heraus, die das Publikum von den Sitzen reißt. Ein paar mehr von diesen Momenten hätten die Show auf eine noch höhere, erinnerungswürdige Ebene gehoben.
Brabbeln die Vocas sonst in einer Art von Esperanto, beweisen sie in der Zugabe mit einem furiosen, hochtourigen Zusammenschnitt deutscher Popsongs aus drei Jahrzehnten sogar leidliche Deutschkenntnisse.
Jubelnder Applaus im Stehen; das ist universell verständlich. Und vor allem hochverdient!