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Ausstellung im Museum Simeonstift: Jüdisches Leben in Trier und anderen Orten

Ausstellung mit Kurzfilmen : Museum Simeonstift: Jüdische Spuren in Trier und anderen Orten sichtbar gemacht

Hauptfriedhof, Porta, Paulinstraße: Mehrere Kurzfilme einer neuen Ausstellung im Museum Simeonstift laden dazu ein, die Spuren jüdischen Lebens in Trier und anderen Orten zu entdecken. Welche Protagonisten die Besucher in die Geschichte entführen, und was es dabei zu entdecken gibt:

Sie waren Händler, Gelehrte oder Künstler. Und auch der Arzt des Trierer Erzbischofs war jüdisch. Jahrhundertelang waren Juden ein  prägender Teil der Gesellschaft und der Kultur. Ab Sonntag geht eine Ausstellung im Museum Simeonstift in Trier den Spuren jüdischen Lebens in der Stadt und an anderen Orten wie Wittlich, Aach, Thionville, Bingen und Worms nach. Im Rahmen des bundesweiten Jubiläumsjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ werfen darin mehr als zwei Dutzend Menschen an 30 Orten einen Blick auf das, was dort einmal war, aber kaum sichtbar ist. Sie stehen vor der Porta Nigra, der Karl-Marx-Statue, auf dem Hauptfriedhof oder dem Platz, wo früher das Bischof-Korum-Haus stand. Wie Reporter, die inmitten des städtischen Treibens von Geschehnissen berichten, die sie recherchiert haben. Vieles muss auch deshalb erzählt werden, weil die Spuren verschwunden sind.

Es ist „keine Ausstellung im konventionellen Sinne“, erklärt Elisabeth Dühr, Direktorin des Museums. Sie verstehe sich „als Einladung, bestimmte Orte in der Stadt virtuell und im Anschluss vielleicht auch real zu besuchen, die mit der jüdischen Geschichte eng verknüpft sind“. Einladend wirkt jedenfalls der helle Saal mit großformatigen Fotos von den gewählten Orten und mit Medienstationen in der Mitte. Hier können die Besucher, mit Einmal-Kopfhörern ausgestattet, in Deutsch und Englisch 31 Kurzfilme abrufen, in denen sie vom jüdischen Leben an diesen Orten erfahren.

Da erzählt die Journalistin Bettina Leuchtenberg zum Beispiel auf dem Trierer Hauptfriedhof davon, wie dieser sich aus einem jüdischen Bestattungsort entwickelte und was es mit dem Brauch auf sich hat, kleine Steine auf größere Grabmäler zu legen. Autor Bernd Röder stellt vor dem Haus Paulinstraße 119 das Leben der dort wohnenden Adele Elsbach vor, einer bemerkenswert modernen Bildenden Künstlerin, die die Strömungen von Kubismus und Bauhaus in ihre Arbeit aufnahm. Thomas Zuche von der Arbeitsgemeinschaft Frieden in Trier erinnert an die verfolgte und ermordete Familie Herrmann, deren Verwandte Jahrzehnte später zu einem Totengebet nach Trier kommen. Dass die heutige jüdische Gemeinde sehr lebendig ist, zeigt der Jugendliche Janiv Taran: „Ich gehe zwar nicht mit der Kippa durch die Stadt, aber wenn mich jemand fragt, ob ich jüdisch bin, dann verneine ich das nicht“, erzählt er. „Ich bin sehr stolz darauf, jüdisch zu sein“. Einen Eindruck vom heutigen Leben vermittelt auch Gérald Rosenfeld, Rabbiner aus dem französischen Thionville, der jede Woche rund 20 Trierer Schülern Religionsunterricht erteilt.

Neben einem Grabsteinfragment aus dem 11. Jahrhundert mit hebräischen Buchstaben, das als ältester Beleg für Juden in der Stadt gilt, und einem mit Segenswünschen bestickten Thorawimpel ist Triers erster Stolperstein das einzige Exponat in der Vitrine an der Seite. Der Kölner Künstler Gunter Demnig durfte es 2005 nicht in den Boden verlegen, weil ein Privateigentümer ihm dies verwehrte, worauf der Freundeskreis des Stadtmuseums den Messingstein für die Dauerausstellung finanzierte.

Noch sind die wenige Minuten langen Filme nur im Museum zu erleben. Die Trier Tourismus und Marketing GmbH (ttm) plant, aus den Kurzfilmen eine App zu machen, die ein Hören vor Ort ermöglicht. „Wir haben aber noch keine Förderzusage“, sagt Geschäftsführer Norbert Käthler zu der Frage, warum das Angebot noch nicht zur Ausstellungseröffnung zur Verfügung stehe. Der Verein, der das Jubiläumsjahr bundesweit von Köln aus organisiert, habe eine Unterstützung in Aussicht gestellt.

Für die Ausstellung, konzipiert von Professor Frank Hirschmann und Elisabeth Dühr, gab es hingegen einen Zuschuss von 30 000 Euro, 50 000 Euro übernimmt die Stadt, wo 25 von 30 Filmstationen liegen. Das Umland ist nur mit drei Beiträgen berücksichtigt.

Hinweis: Jedes Ticket berechtigt zum zweimaligen Besuch der Ausstellung.

 Der erste Trierer Stolperstein durfte nicht verlegt werden, weil der Privateigentümer es nicht erlaubte. Seither erinnert er im Stadtmuseum an Esther Wolff geb. Levy, die 1945 in Theresienstadt ums Leben kam. Mittlerweile liegen in Trier über 200 Stolpersteine, insgesamt sind es rund 70 000.
Der erste Trierer Stolperstein durfte nicht verlegt werden, weil der Privateigentümer es nicht erlaubte. Seither erinnert er im Stadtmuseum an Esther Wolff geb. Levy, die 1945 in Theresienstadt ums Leben kam. Mittlerweile liegen in Trier über 200 Stolpersteine, insgesamt sind es rund 70 000. Foto: Anne Heucher

Begleitprogramm: Sobald es die Corona-Bedingungen erlauben, bietet die ttm jeden Samstag um 14 Uhr eine Führung zum Thema an. Unter diesem Link geht es zur Führung. Weitere Veranstaltungen zum Jubiläum auf der  Übersichtsseite „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“.