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Ausstellung im Palais Walderdorff zeigt Arbeiten von Bettina von Haaren

Ausstellung : Arbeiten von Bettina von Haaren in Trier: Von der Bildmacht der Bruchstücke

Die Trierer Galerie Palais Walderdorff zeigt Linolschnitte der Künstlerin Bettina van Haaren.

Als eindrucksvolle Malerin ist Bettina van Haaren vor allem bekannt. Ihre Gemälde sind ganz aus dem Innern entstandene Bildwelten voll seelischer und geistiger Energien.

Jetzt hat die an der Technischen Universität in Dortmund lehrende Künstlerin, die in Mainz studierte und mehrere Jahre im nahen Saarland lebte, eine Suite Linolschnitte unter dem Titel „Fadenbrüche“ vorgelegt, die in engem Zusammenhang mit ihrem malerischen Werk steht.

Derzeit werden die in kleiner Auflage und auf edlem Bütten gedruckten Blätter aus den Jahren 2017 bis 2021 in der Trierer Galerie Palais Walderdorff gezeigt. Bettina von Haarens Bilder sind trotz ihrer realistischen Versatzstücke keine linearen oder hierarchischen Bilderzählungen. Die Gemälde, wie auch die Grafiken der 1961 in Krefeld geborenen Künstlerin bleiben fragmentarisch.

Ihre Bildelemente wirken wie unvollständige, keiner sichtbaren Ordnung folgende Fundstücke aus dem Unterbewusstsein und der Erinnerung. Gegenwart und Vergangenheit, scharf konturierte Umrisszeichnung und malerische Weichheit überlagern sich dabei zu einer neuen Wahrnehmung. Auch die in Trier gezeigten Linolschnitte sind offensichtlich aus dem Impuls entstanden.

Als schwarz-weises Lineament veräußert die Künstlerin darin, was sich im Grabungsfeld ihrer Innenwelt an geistiger und seelischer Erfahrung, an Bildern und Ungereimtheiten gesammelt und abgelagert hat. Das geschieht virtuos und mit einer zuweilen geradezu barocken lustvollen Leichtigkeit.

Allerdings sind auch diese Bildwelten bruchstückhaft. Der „Faden“ reißt immer wieder ab, die Linie wird unterbrochen, die Zeichen bleiben sporadisch. Um emotionale und sexuelle Erfahrungen geht es in den Linolschnitten, um die Auseinandersetzung mit politischen und gesellschaftlichen Phänomenen. „Mutter“, „Abschied“, „Love“, „Endspiel“ und anderes ist als Titel zu lesen. Was alltäglich klingt, stellt sich in Van Haarens Linolschnitten als etwas höchst Komplexes heraus. Als Bilder im Bild tut sich ein vielfältiges Panoptikum auf, bisweilen sogar ein Pandaimonium. Wie etwa im „Erhebungsversuch“, dessen geballte Faust mit Gewalt und Tod einhergeht. Oder bei dem zum faschistischen Gruß ausgestreckte Arm überm Hakenkreuz.

Als chaotischer Höllensturz stellt sich das „Fallen“ dar. Es sind fraglos sehr persönliche Eindrücke, denen sich die gezeigten Druckgrafiken verdanken. In ihnen wird Bettina van Haaren zur philosophischen Künstlerin. Über ihre Subjektivität hinaus kann man die dynamischen Grafiken als Lehrstücke von der Bildmacht des Fragmentarischen, Angedeuteten lesen, das im Betrachter Freiraum schafft und dort den Prozess eigener Reflektion und Bildfindung in Gang setzt.

Mehr noch sind die Blätter allerdings ästhetisch reizvolle Anschauungsstücke und Zeugnisse von jenem ungeheuren und widersprüchlichen inneren Depot an abgelagerten Erfahrungen und gespeicherten Erlebnissen, die im Zusammenspiel mit äußeren aktuellen Wahrnehmungen Bewusstsein bilden.

Gemeinsam mit Gedichten von Alfred Gulden sind die Linolschnitte im Künstlerbuch „Pappelschnee und Fadenbrüche“ veröffentlicht, das in der Galerie ausliegt.

Bis 19. März, donnerstags 17 bis 20 Uhr. freitags 15 bis 18 Uhr, samstags 13 bis 16 Uhr ,Internetseite: gb-kunst.de