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Ausstellung in der Kunstakademie mit Selbstbildnissen bekannter Künstler

Trier : Wer bin ich? Wie stelle ich mich dar?

Viel Prominenz im Trierer Westen: Die Europäische Kunstakademie Trier zeigt Selbstbildnisse von bekannten Künstlern des 20. Jahrhunderts aus der Sammlung Theobald Simon.

Wer bin ich und wer möchte ich sein? Die Beschäftigung mit dem eigenen Bild ist  keine Erfindung des Selfie-Zeitalters. Womöglich ist sie sogar so alt wie die Menschheit selbst. Für Künstler gehört das Motiv des Selbstbildnisses seit der Antike zum Geschäft. Weltberühmt ist Albrecht Dürers Selbstporträt von 1500, das den jungen Maler im Pelzrock zeigt.

Altmeister Rembrandt, der nicht nur ein genialer Maler, sondern auch ein geschickter Selbstvermarkter war, hinterließ mehr Selbstbildnisse als jeder andere Kollege. Dem künstlerischen Zugriff auf die eigene Person widmet sich jetzt auch eine Ausstellung in der Europäischen Kunstakademie Trier. Unter dem Titel „Künstler sehen sich selbst“ sind dort Künstler-Selbstbildnisse aus der grafischen Sammlung des Bitburger Unternehmers und Brauereibesitzers Theobald Simon (1906 - 1978) zu sehen, die sich als Nachlass im Besitz seiner Tochter Marie-Luise Niewodniczanska befinden. Die Trierer Auswahl enthält zudem einige Blätter, die nach dem Tod des Sammlers  durch seine Erbin ergänzt wurden. Der promovierte Volkswirt war fraglos ein Mann von großer Liebe zur Kunst. Ihr Vater sei ein eher introvertierter Mann gewesen, berichtet seine Tochter im Vorwort des Katalogs.

Gleichwohl habe er sich sehr für Menschen interessiert. Dass er sich so ausdrücklich dem Sammeln von Selbstbildnissen widmete, mag für den Kunstliebhaber aus der Eifel auch eine Art zwischenmenschlicher Annäherung gewesen sein. Womöglich war das Sammeln für den promovierten Volkswirt zudem in Goethes Sinn ein Mittel mehr, die eigene Zeit zu ordnen und sie sich über die Kunst anzueignen. Sammelte Simon doch bis auf wenige Ausnahmen (darunter ein hier nicht gezeigtes Rembrandt-Porträt) Selbstbildnisse von Künstlern der eigenen Lebenszeit. Die 90 vorwiegend druckgrafischen Blätter, die aus dem gesamten 20. Jahrhundert (von Beginn bis in die 90er Jahre) stammen, versammeln prominente Namen. Unter ihnen finden sich „Jung-Altmeister“ wie Paul Cézanne, Emil Nolde, Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Conrad Felixmüller, Karl Schmidt-Rottluff, Max Beckmann, Otto Dix, Käthe Kollwitz, Marc Chagall und viele mehr, bis hin zu Künstlern der jüngsten Kunstgeschichte, so Alfred Hrdlicka, Paul Wunderlich und Horst Janssen. Unter den gezeigten Blättern fallen einige Arbeiten besonders auf wie Käthe Kollwitz’ feines lithografisches Selbstporträt in Seitenansicht (1922).

Gleichermaßen angeregt vom mittelalterlichen Holzschnitt wie vom Kubismus ist Schmitt-Rottluffs  Unheil verheißendes Selbstbildnis von 1918 aus dem Passionszyklus, das den Künstler als Jünger zeigt. Bei aller Prominenz und ihrem Marktwert: Die gezeigte Kollektion weist Simon als einen Sammler bester privater europäischer Sammlertradition aus, der ganz offensichtlich weder zuvörderst spekulativ am Mehrwert seiner Bilder, noch an musealer Systematik interessiert war, sondern der – Chagalls Definition vom guten Sammler gemäß – erwarb, was ihm Freude machte. Die sehenswerte Ausstellung ermöglicht vielerlei Einblicke und Begegnungen mit der Kunst. An ein­drücklichen Beispielen informiert sie über die Funktion des Selbstbildnisses, das seinen Schöpfern zum einen als Werbung und Repräsentation diente. Die eigene Person war zudem für die Künstler ein jederzeit verfügbares Modell. Überdies zeigt die Schau neben  den unterschiedlichen Drucktechniken Holzschnitt (wiederentdeckt vom Expressionismus), Lithografie und Radierung, auch den Wandel des stilistischen Zugriffs vom expressionistischen  „O-Mensch“ Pathos bis zur Sachlichkeit. Nicht zuletzt dienen Selbstbildnisse der Innenschau, hier exzessiv veräußert in Horst Janssens ebenso abgründigen wie poetischen Selbstporträts.

Bis 22.3., DI - SO; 11:00 - 17:00 Uhr, ,www..eka-trier.de, 15.3. Tag der Druckkunst mit Führungen und Workshop