Kunst und Fotografie: Ausstellung in Trier: Natur in Zeiten des Massentourismus

Kunst und Fotografie : Ausstellung in Trier: Natur in Zeiten des Massentourismus

Die Junge Kunst Trier zeigt Arbeiten von Magdalena Abele.

Den Einklang zwischen Mensch und Natur strebte lebenslang der unverbesserliche Romantiker Goethe an. Eine unabdingbare Voraussetzung war für den Dichterfürsten dabei „zugleich die Natur und sich selbst zu erforschen“, ohne „weder ihr noch dem eigenen Geist Gewalt anzutun“.

Wer die Touristenströme in Magdalena Abeles fotokünstlerischen Arbeiten derzeit in der Galerie Junge Kunst betrachtet, die sich in endlosen Strömen wie Ameisenzüge durch Gebirgslandschaften schlängeln oder die Sandstrände winziger Buchten bevölkern, fragt sich schon, wer hier wem Gewalt antut. Die Antwort ist klar: In den Wimmelbildern der meist kühlen Fotomontagen ist die Natur eindeutig die Mächtigere, Unerschütterlichere. Man mag die 1986 geborene, in Nürnberg und München arbeitende Künstlerin, für eine Neu-Romantikerin halten. Nimmt sie doch das romantische Thema der Natur als Sehnsuchts- wie schaurig-schönen Schreckensort auf. Dazu fotografiert sie Strände, Wälder oder Felsenschluchten, von denen Letztere der Schau den Titel geben. Ihre Fotos montiert sie anschließend zu eigenen neuen Landschaftsbildern. Wer genau hinschaut, wird in den einzelnen großformatigen Fotoarbeiten dasselbe Personal vervielfältigt finden.

Man kann solche Multiplikationen als Metapher für das zeittypische Verhalten einer Massengesellschaft lesen, deren Vorlieben die Künstlerin offensichtlich selbst distanziert gegenübersteht, wie der kühle Blick und das gleißende fast unwirkliche Licht signalisieren. Als oberflächliche Inbesitznahme stellt sich in Abeles durchkomponierten Fotoarbeiten die Begegnung von Mensch und Natur dar. Gerade in Zeiten einer massentouristisch bedrohten Umwelt und vor dem Hintergrund permanenter Umweltzerstörung sind Abeles Arbeiten ausgesprochen aufschlussreich. Sie dienen in Goethes Sinn durchaus der Selbstreflexion hinsichtlich des eigenen Umgangs mit der Natur. Bei allem Umweltpessimismus: Zum Glück ahnte bereits die Antike lange vor der Romantik etwas von der subversiven Kraft der Natur, die jederzeit in der Lage ist, die Verwerfungen der Zivilisation zu überwuchern.

Solche Vermutungen fördert auch Magdalena Abeles üppig grünes Waldstück, in dessen Aussparung die menschlichen Eindringlinge ein verschwindendes Grüppchen bilden.

Bis 22. Februar, Samstag und Sonntag, 14 bis 17 Uhr, sowie nach telefonischer Vereinbarung
(Telefon: 0651/9763840), als Schaufenster-Galerie täglich.

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