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Ausstellung in Trier: Uralte Traditionen in Farbe und Knoten

Ali Anvari vor einem seiner „Ab-strakten Perser“. TV-Foto: Eva-Maria Reuther
Ali Anvari vor einem seiner „Ab-strakten Perser“. TV-Foto: Eva-Maria Reuther FOTO: Eva-Maria Reuther (er) ("TV-Upload Reuther"
Trier. Ein malerischer Beitrag zum interkulturellen Dialog, bei dem sich persische und europäische Kultur reizvoll durchdringen, ist die Werkgruppe "Abstrakte Perser" des Trierer Künstlers Ali Anvari.

Trier. "Sein Teppich begleitet den Perser wie sein Schatten", notierte der französische Schriftsteller Théophile Gautier, als er im 19. Jahrhundert den heutigen Iran bereiste. Teppiche überall: auf dem Boden, den Sofas, den Ma-tratzen, sogar vor den Fenstern, staunte der Reisende aus Europa. Natürlich hatte auch er seinen Reiseteppich dabei.
Teppiche sind wohl schon seit dem 5. Jahrhundert untrennbar mit der Kunst und Kultur Persiens verbunden, woher bekanntlich bis heute die edelsten der farbenprächtigen Knüpfungen kommen. In ihren Mustern und Farben verdichtet sich die Identität ihres Schöpfers und seines Volkes zu Symbolen. Uralte Traditionen, Erfahrungen und Glaubensinhalte sind in den Abertausenden Knoten aus Wolle und Seide festgemacht. Auch Ali Anvari, der Wahlmoselaner aus Persien, findet sich in jenen orientalischen Knüpfungen wieder, von deren kunstvoller Vielfalt und Bilderwelt der mittelalterliche persische Dichter Firdusi schwärmte, sie sei "prachtvoll wie das Gefieder eines Pfaus".
Wenn der Trierer Künstler für seine abstrakten Gemälde traditionelle Perserteppiche als Bildträger wählt, so ist das viel mehr als eine originelle Idee. In Anvaris ost-westlichen Teppichbildern verschmelzen Orient und Okzident zu einer harmonischen Einheit, die aus der Vielfalt kommt und von ihr lebt. Mehr noch: In seinen textilen Gemälden setzt sich Anvari mit der Ambivalenz der eigenen Identität und des eigenen Bewusstseins auseinander und führt sie bildmächtig und feinsinnig zusammen.
Sicher verwurzelt im uralten Boden seiner heimischen persischen Kultur veräußert der Maler fantasievoll in der Bildsprache europäischer Kunst, was ihn bewegt. Ohne Frage sind Anvaris Bildschöpfungen Schritte auf dem Weg zu sich selbst, im Wortsinn Sinnbilder der Selbstfindung. Ganz deutlich wird das auch in jener anderen abstrakten Werkgruppe, in der aus dem Seelengrund der Farbe Schriftzüge in Farsi (Persisch) auftauchen. "Mach, dass ich mich selbst erkenne", wird darin der weltberühmte persische Mystiker Rumi zitiert. Goethe hatte eben mal wieder recht, als er im eigenen interkulturellen Dialog (lange bevor es den Begriff überhaupt gab) feststellte: "Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen". er
Bis 21. Juni, Donnerstag 17-20 Uhr, Samstag 11-14 Uhr und nach Vereinbarung, Telefon: 0651/17098814, <%LINK auto="true" href="http://www.neuesbild.de" class="more" text="www.neuesbild.de"%>