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Ausstellung Luxemburger Künstler Anna Recker und Jhemp Bastin in Trier

Kunst : Ein geistreicher künstlerischer Dialog

Mit einer äußerst sehenswerten Ausstellung der beiden Luxemburger Künstler Anna Recker und Jhemp Bastin kommt die Gesellschaft für Bildende Kunst Trier aus dem Lockdown.

Ein Aufatmen war zu spüren, als an diesem Freitagnachmittag die Galerie Palais Walderdorff zum ersten Mal nach dem langen Lockdown wieder ihre Tür  zu einer Ausstellung öffnete. Weder die strengen Personen-Beschränkungen noch Abstandregeln und Maskenpflicht konnten die Freude der Besucher trüben, unter denen auch Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe war, dass endlich wieder die Begegnung mit Kunst live möglich ist. Aber nicht nur die Wiedereröffnung machte Freude. Auch die Ausstellung kann sich sehen lassen.

Mit  den  beiden Luxemburger Künstlern Anna Recker und Jhemp Bastin zeigt die Galerie  zwei eindrucksvolle künstlerische Positionen, die in einen geistreichen, einfühlsamen Dialog treten, ohne sich zu nahezukommen. Auf den ersten flüchtigen Blick scheinen Reckers leichte Mischtechniken aus Acryl und Kreide den Holzskulpturen von Jhemp Bastin entgegenzustehen. Erst bei genauem Hinsehen erschließt sich eine gemeinsame Grundhaltung bei unterschiedlichen Mitteln. Beiden Künstlern ist die geometrische Form ein Grundelement der Struktur. Beiden gemein  sind Schwerelosigkeit und eine Abstraktion, die das Dargestellte aus jedem realen fassbaren Zusammenhang löst und der Fantasie unbegrenzt Raum lässt.

Doch zu den Künstlern: Die in der Nähe von Osnabrück geborene Anna Recker, die seit vielen Jahrzehnten in Luxemburg lebt, ist mit ihrer internationalen Ausstellungsbiografie nicht nur eine der angesehensten Künstlerinnen des Großherzogtums. Sie ist auch eine der eigenwilligsten und konsequentesten. Im Werk der an der Folkwang Universität Essen und der Berliner Hochschule der Künste ausgebildeten Malerin, Bildhauerin und Choreographin verbinden sich eindrucksvoll Bildende Kunst und  tänzerische Bewegung.

Anna Reckers Grundform ist das Dreieck, eine der reinen geometrischen Formen, die seit der Antike als philosophische Formen gelten, mit deren Hilfe die ganze Welt geistig zu durchdringen ist. Liest man den Titel „Platons Erben“ einer ihrer Ausstellungen im Kunstmuseum Bayreuth, ist man ganz nah am Selbstverständnis der Künstlerin. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Wie gesagt: Das Dreieck ist ihr Gegenstand. Das reflektiert sie, variiert und erweitert es zu Sechsecken, legt es in  der Endlosschleife des sogenannten Möbius-Bandes frei oder verräumlicht es zu Quadern. „Das Komplexe ist aus einer großen Zahl von Einfachem zusammengesetzt“, sagt die Künstlerin.

Allerdings bleibt es – wie auch in Trier zu sehen – nicht beim rein geistigen Formenspiel. Anna Recker ist auch eine große Poetin. Das Traumblau ihrer Bilder macht die schweren  Quader schweben und geht mit der strengen  Geometrie eine wunderbar fantastische Verbindung ein.  Aus anmutigen Choreographien drängen andernorts die Schleifen in den Raum. Reckers  Arbeiten  bewegen sich so im Spannungsfeld von  Rationalität und Emotionalität, von geistiger Strenge und Sinnlichkeit.

Ein internationaler Grenzgänger ist auch der im waldreichen Ösling lebende  Jhemp Bastin. Geradezu natürlich erscheint es, dass sich der an der Académie royale des Beaux-Arts  in Brüssel und in Paris ausgebildete  Kosmopolit seit langer Zeit mit dem Werkstoff  Holz auseinandersetzt. Seine Trierer Skulpturen repräsentieren nicht allein ein eindrückliches Werk. In ihnen stellen sich auch die Ziele und  Ideen von Bastins Schaffen dar. Der Künstler,  der seine Baumstämme selbst aussucht, überformt seinen Werkstoff im Atelier zu abstrakten Zeichen, ohne ihm sein Wesen als natürlicher, lebendiger Organismus zu nehmen. Dessen Innenleben legt er als geometrische Ordnung frei, macht ihn sinnlich erfahrbar und nutzt malerisch die materialeigne Ästhetik. Allerdings befreit er sein Holz auch aus seiner Alltagswirklichkeit und überformt es zum  künstlerischen Zeichen.

Im Wechsel aus hellem Holz und schwarzer Farbe schafft er eine neue Architektur. Die Auflösung der Holzblöcke in dynamische Linien nehmen dem Werkstoff die Schwere. „Mein Ziel ist es, bis zur Immaterialität zu gelangen“, sagt der Künstler. So überformt erinnern Bastins Holzskulpturen an Immanuel Kants Wort vom Naturschönen. Auch in den Holzskulpturen des Luxemburger Bildhauers stellt sich, dem Philosophen-Wort entsprechend, einmal mehr  das bewusste, gelungene Zusammenspiel  zwischen Natur und schöpferischem Geist dar.

 Ausstellung Gesellschaft für Bildende Kunst Trier
Ausstellung Gesellschaft für Bildende Kunst Trier Foto: Eva-Maria Reuther

Die Ausstellung läuft bis 7. Mai. Geöffnet ist sie donnerstags von 17 bis 20 Uhr, freitags von 15 bis 18 Uhr und samstags von 13 bis 16 Uhr.  Eine Anmeldung ist erforderlich unter  Telefon 0172/9538437 oder bei der Gesellschaft für Bildende Kunst, www.gb-kunst.de