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Ausstellung über das Kurtrierische Schloss Philippsfreude in Wittlich

Kunst und Geschichte : Bohnen und ein Schloss voller Baumängel

In Wittlich, wo kein Jagdschloss mehr steht, lässt sich aktuell allerlei Kurioses über einen bauwütigen Trierer Kurfürsten lernen.

Wer wissen möchte, was ein Streit um Trierer Bohnen mit Baumängeln an einem Wittlicher Schloss zu tun hat, in dem einer der mächtigsten Männer des Reiches gerne zu viel Wein trank, goldene Uhren verschenkte oder kleine Hunde kraulte, der kann entweder diesen Text hier lesen oder nach Wittlich fahren, wo im Alten Rathaus noch bis zum 9. Februar 2020 eine Ausstellung über das verschwundene Kurtrierische Schloss Philippsfreude zu sehen ist.

Ein Ausflug, der sich auch für Trierer und Prümer lohnen könnte, war der Mann, der im Zentrum dieser Ausstellung steht, doch Erzbischof und Kurfürst von Trier sowie Administrator der Abtei Prüm: Johann Philipp von Walderdorff. „Ein Herr“ – so beschreiben ihn Zeitgenossen  „von äußerst einnehmender Gesichts-Bildung und einem aufrichtigen Hertzen.“ Fromm ohne Heuchelei, freundlich, wohltätig, freigiebig. Jemand, der den Luxus liebte. „Er war ein großer Liebhaber von Bauen und Meubeliren“, heißt es in der Trierer Chronik.

Und davon können sich die Trierer noch heute täglich überzeugen. Hinterließ ihnen Johann Philipp von Walderdorff, der von 1756 bis 1768 zu den einflussreichen Kurfürsten zählte, doch nicht nur das Palais Walderdorff, sondern auch das Kurfürstliche Palais.

Doch damit noch lange nicht genug der Bautätigkeit. „Er war ein typischer Rokokofürst, der den Trierer Haushalt stark strapazierte“, sagt Kunsthistoriker Richard Hüttel, Kurator der Ausstellung. Gleich zwei Jagdschlösser ließ der Kurfürst sich bauen. Eines davon in Wittlich, wo er mit seiner Jagdgesellschaft manchmal Tausend Hasen am Tag schoss.

Außer ein paar Straßennamen und einem Einkaufszentrum namens Schlossgalerie erinnert in Wittlich wenig an den Prunkbau. Das will die Ausstellung ändern, die Bilder und Zeichnungen des Schlosses zeigt, güldene Hundehalsbänder, Jagdhörner aus Elfenbein, Hirschfänger, eine prunkvolle Kommode aus dem walderdorffschen Besitz oder Bilder der beiden bedeutenden Maler, die der Kurfürst besonders förderte: Januarius Zick und Johann Zoffany.

Aber was hat das Ganze mit Trierer Bohnen zu tun? Hüttel klärt auf und bringt dabei allerlei Kurioses ans Licht. Jean Antoine, der französische Architekt, der das Schloss baute, kam nämlich nur der Bohnen wegen in die Region. Die Abtei St. Matthias und das Domkapitel stritten sich 1765 darüber, wie viel „Bohnenzehnt“ ihnen zusteht und beauftragten den Architekten damit, die Bohnenfelder zu vermessen und eine Karte anzufertigen. Wo er schon mal da war, beteiligte er sich dann auch am Architektenwettbewerb zum Bau des Schlosses Philippsfreude und gewann überraschend gegen den renommierten Hofbaumeister Johannes Seiz.

Der Grund: „Es ging nicht mehr um höfischen Pomp, sondern um Bequemlichkeit“, sagt Hüttel. Der Franzose punktete mit einem Klosett gleich neben dem Schlafzimmer. Ein Sieg, den Seiz nicht auf sich sitzen ließ. Es kam, so Hüttel, zu einem in der Architekturgeschichte ziemlich einzigartigen Ereignis: Die Abnahme des fertigen Baus, zu der neben Bauinspektoren auch reichlich Handwerksmeister geladen waren, wurde für Antoine so peinlich, dass er gezwungen werden musste, daran teilzunehmen. Die Mängelliste war ellenlang. „Es stinnketen alle w.c.“, aus den Schornsteinen schlage der Rauch zurück, alles sei mangelhaft und „von keiner Dauer befunden“.

Auch, wenn nicht die Baumängel Schuld daran waren: Das schöne Barockschloss stand tatsächlich nur 41 Jahre – bis die Franzosen es besetzten, plünderten und 1804 versteigerten. Die Ausstellung erinnert an diese kurze Zeit voller Pomp und Leben. Und an einen freigiebigen Mann, der kleine Hunde liebte, gutes Essen, Goldknöpfe, Spitzenmanschetten, teure Möbel und reichlich Wein. „Uns wohl und niemandem übel“ lautete der Wahlspruch an seinem Trierer Palais.

So schön lag das Schloss Philippsfreude bei Wittlich. Kopie einer Stadtansicht nach einem Gemälde von Gottfried Bernhard Manskirch. Foto: Chris Marmann

Wer dem beliebten Kurfürsten mal ganz nahe sein möchte, hat dazu noch heute im Trierer Dom die Gelegenheit: Neben dem Eingang zur Sakramentskapelle liegt er begraben. In einem Grabdenkmal, so pompös, dass es ihm sicher gut gefallen hätte.