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| 17:24 Uhr

Eifel-Literatur-Festival
Wumbabarer Abend: Bestsellerautor Axel Hacke liest in Daun vor

Viele Fans unter den 540 Besuchern lassen sich von Axel Hacke nach der Lesung im Dauner Forum ihre Buchexemplare signieren.
Viele Fans unter den 540 Besuchern lassen sich von Axel Hacke nach der Lesung im Dauner Forum ihre Buchexemplare signieren. FOTO: Mario Hübner
Daun. Schwere Kost leicht serviert: Axel Hacke unterhält am Donnerstagabend trotz tiefgreifenden Themas 540 Gäste beim Eifel-Literatur-Festival in Daun glänzend. Von Mario Hübner
Mario Hübner

Die Befürchtung war schon da: Dass es ein schwerer, ja schwermütiger und schlimmstenfalls von erhobenem Zeigefinger geprägter Abend werden könnte. Ist angesichts des neuesten Werks des Autors mit dem Titel „Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen“ (aktuell durchaus berechtigt, vielleicht sogar dringend nötig) ja gar nicht so abwegig. Doch es kam anders: „Total witzig“, „herrlich komisch“, „glänzend“, ein irre guter Abend“ lauteten die Statements einiger Gäste. Dass das die einhellige Meinung war, zeigte sich daran, dass während der knapp zweistündigen Lesung im mit 540 Besuchern voll besetzten Forum in Daun immer mal wieder Gäste vor Lachen jauchzten, nach Luft schnappten, sich mit dem Taschentuch die Tränen aus dem Gesicht wischten, dem Bestsellerautor sowie Kolumnisten Axel Hacke lange und heftig applaudierten und ihn nicht ohne Zugabe von der Bühne ließen.

Eifel-Literatur-Festival-Chef Josef Zierden sprach denn auch von einem „heiter-besinnlichen Abend“ – wobei die Betonung ganz klar auf der Heiterkeit lag.

Hacke verstand es glänzend, die Botschaft seines jüngsten Werks an den Mann und die Frau zu bringen, ohne sie zu belehren. Okay, ein wenig zum Nachdenken hat er schon angeregt angesichts der Shitstorms, die permanent im Internet toben, angesichts eines amerikanischen Präsidenten, der Rohheit und Pöbeleien als normale Umgangsformen zelebriert und auch schon mal einen behinderten Journalisten vor versammelter Mannschaft nachäfft – vom Umgang mit Frauen ganz zu schweigen. Oder die Typen, die die Mutter mit Kinderwagen mies beschimpfen, nur weil sie über den Zebrastreifen will. Und, und, und.
„Angesichts solcher Vorfälle, die massiv zuzunehmen scheinen, hatte ich erstens keine Lust mehr, etwas Komisches zu schreiben, sondern habe versucht, der Frage auf den Grund zu gehen, weshalb es so schlecht um den Anstand bestellt ist und was Anstand überhaupt bedeutet“, erklärte er den Beweggrund zu seinem Büchlein, das eine breite öffentliche Diskussion ausgelöst hat. Seine liebsten Definitionen: „Sich an die Regeln zu halten, auch wenn keiner hinschaut. Das Pech des anderen nicht ausnützen. Beim Üblichen nicht mitmachen, wenn es unanständig ist.“
Und er las die Passage vor, in der ein Jude aus der Spätzeit der Weimar Republik berichtet, wie er und seine Artgenossen zunächst offen auf der Straße angepöbelt und ihnen dann die Hüte vom Kopf geschlagen wurden. Hacke: „Kommt Ihnen das bekannt vor?“
Was folgte, war kein lautstarkes Anprangern. Auch kein Appell, sich dagegen aufzulehnen. Ist schließlich selbstverständlich für anständige Leute.

Was folgte, waren herrlich witzige Übersetzungsfehler auf Speisekarten weltweit. Die würden ihm, nachdem er mal eine Kolumne darüber geschrieben habe, zuhauf zugeschickt. Kostproben: Zwiebel ruft an (onion rings), Oberst von Huhn breitet sich drastisch in Weißweincreme aus (irgendwas mit chicken supreme), Penne mit Befestigung-Klammermasse (Mahlzeit!).

Hacke findet das toll. Erstens verdient er damit gut Geld (seine Kolumnen haben ebenso wie seine Bücher eine große Leserschaft). Zweitens lerne man dabei noch eine Fremdsprache, denn man müsse das zuerst einmal zurückübersetzen, um zu wissen, ob einem das auch schmecke. Und drittens esse man dann – wenn man Glück habe – lecker. „Was will man mehr?!?“
Auf die Besucher gemünzt, war die Antwort klar. Sie wollten mehr von Hackes Geschichten über solche Übersetzungsfehler oder seine berühmten Anekdoten von Verhörern, mit denen er in den Abend gestartet war.

Und mit denen er mit seinem Buch „Der weiße Neger Wumbaba (original: Das „Abendlied“ von Matthias Claudius mit der Textzeile „Der weiße Nebel wunderbar“) und den beiden Fortsetzungswerken schon viele Menschen erfreut hat. Also ein wumbabarer Abend!

Mal lustig, mal nachdenklich: Kolumnist und Bestsellerautor Axel Hacke unterhält das Publikum beim Eifel-Literatur-Festival im voll besetzten Forum in Daun am Donnerstagabend.
Mal lustig, mal nachdenklich: Kolumnist und Bestsellerautor Axel Hacke unterhält das Publikum beim Eifel-Literatur-Festival im voll besetzten Forum in Daun am Donnerstagabend. FOTO: Mario Hübner