Antiquitäten, Omis und 80 Euro „Bares für Rares“-Waldi hat einen Eifel-Krimi geschrieben – Besuch in seinem Reich

Kall · Waldi Lehnertz handelt mit Antiquitäten und hat es geschafft, mit „Achtzisch Euro“ zu einem Fernseh-Promi zu werden. Nun ist er auch noch Krimi-Autor, obwohl er selbst nichts liest. Was ist sein Geheimnis?

 Der Trödel-Händler Waldi Lehnertz steht in seinem Geschäft. Bekannt wurde Lehnertz, weil er in der ZDF-Show „Bares für Rares“ stets 80 Euro bietet, egal, was ihm angeboten wird.

Der Trödel-Händler Waldi Lehnertz steht in seinem Geschäft. Bekannt wurde Lehnertz, weil er in der ZDF-Show „Bares für Rares“ stets 80 Euro bietet, egal, was ihm angeboten wird.

Foto: dpa/Oliver Berg

Wenn eine Kundin seinen Laden betritt, dann beginnt der Waldi mit seinem Zeremoniell. „Engelchen“ sagt er säuselnd und hat dabei schon einen Schein in der Hand. Darauf gedruckt: Sein Gesicht und der Betrag 80 Euro. Für den ist er bekannt, aber dazu später mehr. Waldi erklärt der Frau erst einmal, was damit zu tun ist: „Sollte dein Alter dir mal so richtig auf den Sack gehen, dann steht da meine Telefonnummer drauf. Dann rufst du mich an“. Sein Versprechen: „Ich rufe den Alten an und bringe dir den wieder in die Spur, bis der wieder fluffig wird.“ Auf der Gegenseite wird gekichert. Dann wird noch ein gemeinsames Foto gemacht, Wange an Wange. Waldi ist zufrieden.

Wenn man Walter Lehnertz, genannt „Waldi“, in seinem Laden in der Eifel besucht, weiß man manchmal nicht, wo man gelandet ist. Bei einem Antiquitätenhändler, wie es die Schilder ausweisen? Oder bei einem Komiker? Bei einem Fernsehpromi, bekannt aus der ZDF-Sendung „Bares für Rares“? Oder bei einem Eintänzer bei einem Damen-Kaffeeklatsch? Oder, ganz neu hinzugekommen, bei einem Krimiautor?

„Bares für Rares“-Promi Waldi Lehnertz hat einen Eifel-Krimi verfasst

Denn Waldi Lehnertz hat einen Krimi verfasst, das ist der Anlass für diesen Besuch. Er trägt den Titel „Mord im Antiquitätenladen“ und handelt vom Antiquitätenhändler Siggi in der Eifel, der plötzlich eine Leiche in seinem Geschäft entdeckt. Entstanden ist das Buch, das sich – um das Wort aufzugreifen – fluffig liest, mit einer Co-Autorin, die Waldis Ideen verarbeitete. Vieles darin basiere auf Geschichten aus seinem Laden, sagt er – also abgesehen von dem Mord. „Der „Siggi“ im Buch – das bin natürlich ich. Das ist klar.“ Für ihn ist der Krimi eine große Sache, auch weil er selbst keine Bücher liest. „Ich habe nur gezwungenermaßen meine Schulbücher gelesen. Deswegen ist das ja so ein Ding für mich.“

Um zu verstehen, wie aus einem gelernten Pferdewirt aus der Eifel die Vorlage für eine Krimifigur werden konnte, muss man vorn anfangen. Geboren wurde Lehnertz 1967 in Prüm.

Früher hat er „Bau gemacht“. Dann aber kamen mehrere Bandscheibenvorfälle. Ein Freund sagte zu ihm: „Waldi, du musst dir etwas einfallen lassen, sonst gehst du in fünf Jahren keinen Meter mehr.“ Also fing er als Händler an, klein auf dem Flohmarkt. Privat war er Sammler historischer Spieluhren, da gab es also schon ein bisschen Expertise.

 Ein auf ein Handtuch gedruckter 80 -Euroschein liegt beim Trödel-Händler Waldi Lehnertz auf einem Stuhl.

Ein auf ein Handtuch gedruckter 80 -Euroschein liegt beim Trödel-Händler Waldi Lehnertz auf einem Stuhl.

Foto: dpa/Oliver Berg

Zu Besuch bei „Waldi’s Eifel Antik“

Heute betreibt Lehnertz eine Art Antiquitäten- und Trödelimperium in der Eifel. Sein Laden „Waldi´s Eifel Antik“, ein früherer Ponyhof, gleicht einer verschlungenen Großhöhle. Es gibt einen Weg rein, aber viele Wege, sich zu verlaufen. Was man dabei zu sehen bekommt, erinnert ein wenig an das Geschäft von Frau Waas auf Lummerland („Körbe, Hüte, Lampen, Bürsten, Blumenkohl und Fensterglas, Lederhosen, Kuckucksuhren und noch dies und dann noch das“), abzüglich der Lebensmittel - ein beeindruckendes Sammelsurium. „Sammlungen sind erst dann richtig gut, wenn es ins Extreme geht“, sagt er. Unter anderem hat er mal eine Kuli-Sammlung mit 16.000 Stiften aufgekauft. „Die war geil“, sagt Waldi.

  Waldi Lehnertz bietet in seinem Geschäft nicht nur teure Antiquitäten an.

Waldi Lehnertz bietet in seinem Geschäft nicht nur teure Antiquitäten an.

Foto: dpa/Oliver Berg

„Der Laden ist so aufgebaut: 80 Prozent Antiquitäten, 20 Prozent Flohmarkt. Ich will, dass hier auch die ärmste Oma mit der kleinsten Rente für fünf Euro noch eine Hutschenreuther-Vase kaufen kann“, erklärt er. „Die gehört genau so dazu wie der Notar, oder der Bauunternehmer, die hier rumlaufen und eine Silberschale für 2000 kaufen.“ Das günstigste, was er hat, sind „so Porzellan-Fingerhüte“.

Überhaupt hat er ein Herz für Omis. „Die dürfen hier alles“, sagt er. „Die sind früher noch mit den Steinen rumgelaufen und heute gibt es kein Geld mehr für die. Das ist traurig.“ In diesem Zusammenhang erwähnt er dann auch seinen Oberschenkel, den er „den härtesten Schenkel der Eifel“ nennt. „Wenn hier so ein Bus ankommt, dann suche ich mir immer die älteste Dame heraus und dann machen wir ein Foto. Dann setze ich die auf meinen Schenkel und sag: „Boah Mutter fühlst du dich noch geil an“. Dann rasten die völlig aus.“ Damit könne man „etwas zurückgeben von dem, was diese Leute früher für uns getan haben.“

„80-Euro-Waldi“ darf sogar mit diesem Namen unterschreiben

Viele Leute kommen natürlich, weil Lehnertz mit der populären ZDF-Sendung „Bares für Rares“ bekannt wurde. In der Trödel-Show buhlt er mit anderen Händlern um die besten Fundstücke. Er füllt dort die Rolle des etwas skurrilen Typen aus, der aber auch mal sogenannten Tacheles redet. Das, was man kultig nennt, wurde er aber, weil er oft mit einem Gebot von 80 Euro in die Verhandlung einsteigt. In seinem Dialekt: „Achtzisch Euro.“ Mittlerweile nennt er sich selbst daher „80-Euro-Waldi“. Das steht sogar als Künstlername in seinem Personalausweis, wie er erzählt. „Ich kann jetzt ein Auto kaufen und damit unterschreiben.“

Und genau deshalb drückt er Leuten, die in den Laden kommen, erst einmal seinen 80-Euro-Spielgeldschein in die Hand, der jetzt seine Visitenkarte ist. Das Geheimnis eines guten Händlers? Das sei einfach: Man müsse sich um die Leute kümmern. „Wer hier als Fremder reinkommt, geht als Freund. Deswegen ist das hier so eine Pilgerstätte“, sagt er.

„Das ist anders als in einem Möbelhaus. Da kommen drei Affen mit einem Schlips um den Hals und versuchen, dir etwas anzudrehen.“

(dpa)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort