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Bariton Carl Rumstadt vom Theater Trier gewinnt den Walter-Kaminsky-Preis

Menschen : Der „Domspatz“ von Trier

Carl Rumstadt ist Bariton im Ensemble des Theaters Trier. Beim Bundeswettbewerb Gesang in Berlin hat er den Walter-Kaminsky-Preis gewonnen. Ein Portrait.

 

 

Was macht ein Sänger, wenn er wegen Corona nicht auf der Opernbühne stehen darf? Proben – und sich vielleicht bei einem Sängerwettstreit anmelden. Wenn dann am Ende ein Preis dabei rauskommt, um so besser.

Carl Rumstadt ist seit der Spielzeit 2018/2019 Ensemblemitglied des Theaters Trier. Vor wenigen Tagen hat der 28-Jährige beim Bundeswettbewerb Gesang in Berlin den mit 2500 Euro dotierten Walter-Kaminsky-Preis (siehe Info) für den besten Vortrag einer zeitgenössischen Komposition gewonnen. Gesungen hat er im Wettbewerb den Schlussmonolog aus Mark-Anthony Turnages Oper „Greek“. „Es ist eine moderne Interpretation des Ödipusstoffes“, verrät Rumstadt im Gespräch mit dem TrierischenVolksfreund. Das Stück habe ihn von Anfang an fasziniert, weil es „sehr, sehr ausdrucksstark“ sei. „Es ist technisch anspruchsvoll, bietet aber auch die Möglichkeit, sich künstlerisch zu entfalten und damit sich und sein Können zu demonstrieren.“

Mitgebracht hat er das Stück aus Bern, wo Rumstadt drei Jahre als Bariton am Theater gearbeitet hat, bevor er nach Trier wechselte. „Die Oper von Turnage hat mich sofort angesprochen, obwohl sie vom Opernensemble aufgeführt worden war, bevor ich nach meinem Studium in die Stadt an der Aare ging.“ Er habe sich dann die Noten des Schlussmonologs ausgeborgt und das Stück in sein Repertoire aufgenommen.

Der Bariton hat eine klassische Ausbildung durchlaufen, weshalb die Wahl eines zeitgenössischen Musikstücks – sonst eher von Spezialisten gesungen – auffällt. „Aber zeitgenössische Musik hat mich immer fasziniert. Und ich fand es spannend, mit dem Turnage-Stück mein Repertoire anzureichern“, sagt Rumstadt. Das seien Facetten seines Fachs, die ihn aus der Komfortzone herauslocken würden. Grenzen neu auszuloten, mache ihm einfach Spaß.

Wohl fühlt sich Rumstadt aber vor allem Dingen in seinen Rollen am Theater in Trier. Er spielt zwar selten den Helden – Personalien, die in klassischen Opern oft dem Tenor vorbehalten sind. Aber auch Bösewichte hätten ihren Charme: Als Lebemann und Titelheld in Wolfgang Amadeus Mozarts Oper „Don Giovanni“ gewinnt er schnell die Herzen des Trierer Publikums, bevor er am Ende von der Erde verschlungen wird. Rumstadt steht aber auch die Rolle des verletzten Liebhabers Ottone – wie in der Monteverdi-Oper „Die Krönung der Poppea“ – oder die des Verführers Graf Danilo in Franz Lehárs Operette „Die lustige Witwe“.

Aktuell bleiben dem Bariton nur die Proben. Und ihn nervt die Ungewissheit, wie es in den kommenden Wochen weitergeht. Die Theaterleitung mache einen „tollen Job“. Manchmal sei aber das, was sie gerade machten, frustrierend: „Unsere Generalproben sind momentan wie Sex ohne Höhepunkt. Hoffen wir, dass wir bald wieder vor Zuschauern auf der Bühne stehen dürfen.“

Rumstadt kommt aus Regensburg – die Stadt, in der spätestens seit dem 16. Jahrhundert Knaben ausgebildet werden, die in Gottesdiensten singen müssen, die berühmten „Regensburger Domspatzen“. Rumstadt lacht: „Ja, ich habe zumindest kurze Zeit bis ich das Gymnasium gewechselt habe, im Frühchor der ‚Domspatzen’ gesungen.“ Seinen oberpfälzischen Dialekt habe er sich dann während seiner Gesangsausbildung abgewöhnt. „Das wollte man in der Hochschule nicht hören.“

Der frühere bayerische Meister im Disco-Fox-Tanz in einer Schülerklasse – das hatte TV-Autor Dirk Tenbrock in einer seiner Theatergeschichten verraten – liebt das Leben in Trier. Geschockt war er, als er während des Wettbewerbs in Berlin von der Amokfahrt vom 1. Dezember hörte. „Freunde hatten mich kontaktiert und gefragt, wie es mir geht. Erst dann habe ich davon erfahren. Es war auch für mich ein Riesenschock.“