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Beglückende Momente

Zu einer grandiosen Hommage an die Film-Musik und einer beeindruckenden Leistungsschau geriet das Konzert "Hollywood-Sounds" des Musikvereins Trier-Pfalzel vor 2500 begeisterten Zuschauern in der Trierer Arena. Von unserem Redakteur Dieter Lintz

Trier. Eineinhalb Jahre Arbeit für einen einzigen Moment: Da dürfte sich eigentlich niemand wundern, wenn bei den 60 Musikern des Pfalzeler Orchesters, darunter viele Jugendliche, die Nerven blank liegen. Zumal die - wieder einmal geschickt aufgebaute - Arena bei einer solch riesigen Besucherschar von der Bühne aus arg imposant wirkt. Und wenn dann noch Schirmherr Bernhard Kaster in einer Ansprache deklamiert, das Trier er Hollywood heiße Pfalzel…

Unter solchen Ansprüchen und Erwartungen ist schon manches ambitionierte Projekt in die Hose gegangen. Aber wenn die Truppe von Dirigent Dirk Sinnig am Anfang nervös sein sollte, merkt man es ihrer Musik keine Sekunde an. Aufmerksam, hochkonzentriert geht man die Sache an, gerade bei den Jüngeren zeichnet sich so etwas wie heiliger Ernst auf den Gesichtern ab.

Der von Bläsern dominierte Orchesterklang ist transparent und sauber, nichts suppt, jede Instrumentengruppe lässt sich heraushören, die Soli sitzen präzise.

Die Dynamik wird klug aufgebaut, was kraftvolle Steigerungen erlaubt. Am erstaunlichsten ist die fünfköpfige Schlagzeug-Sektion, die nicht nur die oft kniffligen Rhythmen im Griff hat, sondern - etwa bei "The Rock" - die musikalische Handlung mit Schmackes vorantreibt oder gar, wie beim "Fluch der Karibik", regelrecht zum Swingen bringt.

Bemerkenswert auch, wie exakt Sinnig mit seinen Musikern die unterschiedlichen Stimmungslagen der jeweiligen Filme trifft. Bei "King Kong" vibriert der Saal vor mysteriös-bedrohlicher Spannung, Robin Hood wird vom glanzvollen Blech und der schönen Solo-Stimme von Claudia Glesius zum Sieg getragen, Harry Potters "dunkler Lord" lässt mit düsteren Tönen das Blut gefrieren, Forrest Gump rührt stimmungsvoll zu Tränen.

Prägnanter als der echte Soundtrack



Und jedes Mal klingt das Orchester anders. Oft sogar prägnanter als der echte Soundtrack, weil der einlullende Einheits-Geigenteppich bei einem sinfonischen Blasorchester naturgemäß fehlt.

Zum Erlebnis wird der Abend freilich erst durch die Kombination von Klängen und Film-Ausschnitten. Was bliebe von der Magie der Bilder ohne die Magie der Musik? Der Zusammenschnitt der Film-Szenen auf jeweils etwa zehn Minuten folgt meist der Chronologie und fasst ebenso intelligent wie kinokundig die Handlung zusammen (verantwortlich: Stephan Grün).

Aber wahrhaft beglückende Momente entstehen da, wo Bilder und Musik so ideal abgestimmt sind, dass sie ganz ohne Worte Geschichten erzählen. Beim beinharten "Spiel mir das Lied vom Tod" etwa, oder bei der Liebesgeschichte zwischen dem Riesenaffen King Kong und der Schauspielerin Ann. Da verkraftet man auch locker, dass ausgerechnet die beiden Musicals "König der Löwen" und "Phantom der Oper" eher blass bleiben, musikalisch etwas flach wirken und in der Bild-Ton-Kombination weniger überzeugen.

Musikalisch gibt es eigentlich keinen nennenswerten Spielraum mehr nach oben, beim Ablauf ließe sich noch einiges optimieren. Gut, dass die Filmhandlung noch einmal live erzählt wird, aber das würde man sich schon etwas geschmeidiger, fließender in den Übergängen, auch "filmischer" wünschen.

Und den zusätzlich noch einmal vorgeschalteten Original-Filmeinspieler samt -musik braucht es eigentlich nicht. Da könnten die Musiker ihren eigenen Fähigkeiten mehr vertrauen - und zugleich die Gesamt-Länge von fast dreieinhalb Stunden etwas sozialverträglicher gestalten.

Aber das sind kleine Einwände für einen großen Abend. "Es ist ein Abenteuer, aber wir haben es gewagt", hatte der Vorsitzende Klaus Röder zu Beginn selbstbewusst gesagt. Das Vertrauen in seinen Verein, die Musiker und viele Helfer erwies sich als gerechtfertigt.

"Hollywood Sounds" würde sich übrigens auch in einer lauen Sommernacht im Amphitheater wunderbar machen - wo doch das große städtische Orchester seit zehn Jahren vergeblich versucht, etwas Ähnliches für die Antikenfestspiele auf die Beine zu stellen.