1. Region
  2. Kultur

Beim 5. Trierer Sinfoniekonzert steht Jean Sibelius im Zentrum

Konzert Konzert : Reine Natur oder gestörtes Bewusstsein?

5. Trierer Sinfoniekonzert am Donnerstag mit der 7. Sinfonie von Jean Sibelius.

Die Diskussion begann mit der Wiederveröffentlichung einer eher nebensächlichen Streitschrift. Im Jahr 1968 publizierte Theodor W. Adorno erneut seine „Glosse über Sibelius“, die er 1938 in Amerika veröffentlicht hatte. Damit löste der angesehene Philosoph, Soziologe, Pianist und Komponist Adorno eine Diskussionswelle über den finnischen Komponisten aus – teilweise sachlich-distanziert, teilweise auch mit heftiger Polemik. Adorno hatte noch einigermaßen lax und mit begrenzter Originalität angemerkt: „Symphonien sind keine tausend Seen, auch wenn sie tausend Löcher haben.“ Ulrich Schreibe dagegen – später immerhin Autor des angesehenen „Opernführers für Fortgeschrittene“ –  versah Sibelius‘ Tonsprache mit der Überschrift „Musik zwischen Natur und Bewusstseinsstörung“. Ausgerechnet von Strawinsky, dem Adorno nicht gerade zugetan war, ist zudem  das knappe und beiläufige Urteil überliefert, nach dem Sibelius „nichts kann“. Wie ernst eine solche Gelegenheitsäußerung zu nehmen sind, muss offen bleiben. Jedenfalls hatte es Sibelius keineswegs nur mit Bewunderern zu tun. Am kommenden Donnerstag (20 Uhr, Theater Trier) spielen die Trierer Philharmoniker unter GMD Jochem Hochstenbach die 7. Sinfonie und zu Beginn die Tondichtung „En Saga“. Spätestens dann kann sich jeder Besucher ein eigenes Bild von Sibelius und seiner Musik machen.

Mittlerweile hat sich die Diskussion um den Komponisten beruhigt. So nimmt auch der prominente finnische Musikwissenschaftler Tomi Mäkelä eine vermittelnde Position ein. „Gewiss sind Adornos Seitenhiebe nicht angemessen. Adornos Kritik hatte jedoch weniger Sibelius als Komponisten als vielmehr seine Anhängerschaft und die aktuelle Nordlandbegeisterung im Visier.“ Trotzdem hat die Wiederveröffentlichung von Adornos Glosse das Ansehen von Sibelius im deutschen Musikleben zweifellos beschädigt. Im Trierer Musikleben der vergangenen Jahrzehnte indes war Sibelius immer mit Aufführungen vertreten. GMD Lutz Herbig führte Anfang der 1980-er das Violinkonzert auf, und sein Nachfolger Reinhard Petersen wenige Jahre später dessen 1. Sinfonie. Unter dem Finnen Vallteri Rauhalammi, 1. Kapellmeister in Trier von 2009 bis 2012, fand dann eine exzellente Aufführung der „Kullervo“-Sinfonie von 1892 statt .

Das 5. Sinfoniekonzert beginnt mit der „En Saga“ – das erste Werk von Sibelius, das sich im europäisch-amerikanischen Musikleben behaupten konnte. Er folgen in einem durchweg nordischen Programm das Klarinettenkonzert von Carl Nielsen und Edvard Griegs „Norwegische Tänze“ für Klavier in der Orchesterfassung von Hans Sitt. Die 7. Sinfonie von Sibelius schließt das Konzert ab. Sie gilt als seine wichtigste Orchester-Komposition. Auf Reinhard Petersen machte sie einen nachhaltigen Eindruck: „Eine dichte, hochkonzentrierte Komposition.“ Auch Jochem Hochstenbach ist beeindruckt von der Dichte der Komposition. „Es ist eine  Musik der Übergänge, sehr organisch und frei von drastischen Kontrasten“, sagt der Trierer GMD. Und die einleitende Tondichtung „En Saga“ sei dazu ein deutlicher Kontrast.

5. Sinfoniekonzert, Donnerstag, 5. März, 20 Uhr Trierer Theater. Werke von Sibelius, Nielsen und Grieg. Bettina Aust, Klarinette. Philharmonisches Orchester Trier, Leitung GMD Jochem Hochstenbach.