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"Beim Zeichnen erfahre ich mich selbst"

"Beim Zeichnen erfahre ich mich selbst"

Dieter J.J. Sommer gehört zur hiesigen Kunstszene wie wenige andere. Am Sonntag erhält der Maler und Grafiker den mit 3000 Euro dotierten Ramboux-Preis der Stadt Trier für sein Lebenswerk. 1976 war er bereits Ramboux-Förderpreisträger.

Gutweiler. Erstes Herbstlaub liegt vor dem Haus in Gutweiler. Schwungvoll öffnet Dieter J.J. Sommer die Tür: "Hallo" - und gleich ins Allerheiligste. Wie "Kraut und Rüben" sehe derzeit sein Atelier aus, hatte er am Telefon vorgewarnt. Was sich jetzt auftut, ist ein anheimelnder Raum, der vom Ringen um das rechte Bild beherrscht wird. Auf dem Zeichentisch: jede Menge Stifte und Papier, an den Wänden stapeln und reihen sich Kunstbände. Von der Decke hängt ein Stier ( als Zeichnung wohlgemerkt), und der führt gleich mitten ins Wesen des Gastgebers. Picasso, der bleibt Dieter Sommers großes Vorbild. Seit er als junger Mann in Paris war, fasziniert ihn der Spanier. Wer noch Sommers Humor dazu nimmt, sein großartiges Zeichentalent und seine Fähigkeit, bei aller Nähe zu seinen Meistern immer sein eigenes Bild zu finden, der hat schon fast den ganzen Künstler verstanden.

Denn vor allem ist Sommer Zeichner, allerdings einer, der auch meisterlich die Farbe einzusetzen weiß. Als Dieter Johann Jakob Sommer wurde er 1938 in Trier geboren. Schon das Kind liebte die Zeichenstifte. Der junge Mann träumte davon, Künstler zu werden. Anders die Mutter, eine Kriegswitwe: Sie wollte wie alle Mütter, dass der Sohn etwas "Ordentliches" lerne, vielleicht Architektur studiere. Als Kompromiss kam am Ende Grafiker heraus. Ins geliebte Frankreich nahm ihn ein Trierer Arzt namens Carl Gockel mit. Der Paris-Fan begeisterte ihn für französische Kunst und Kultur. Durch ihn lernte Sommer auch die beiden Trierer Künstler Jakob Schwarzkopf und Erich Kraemer kennen, mit dem er später die Europäische Kunstakademie gründete. Die beiden Freunde überredeten den begabten jungen Plakatmaler ( damit beschäftigte er sich damals), an der Trierer Werkkunstschule Mal- und Zeichenunterricht bei Peter Krisam zu nehmen. "Ein strenger Lehrer", erinnert sich der Künstler.

Streng ist auch Dieter Sommer mit sich und seiner Kunst. Ohne seine künstlerische Disziplin, die aus allen seine Zeichnungen, seinen Collagen und sogar seinem "Chaos Comic" spricht, hätte er wohl auch nicht seine schwere Krankheit im Griff. "Ich muss sie ignorieren ", sagt der Ehemann und Vater von zwei Töchtern mit der Schlichtheit eines Mannes, dem falsches Pathos oder gar Selbstbeweihräucherung fremd sind. Die Blätter seiner Zeichnungen zählt Sommer schon lange nicht mehr. "Ja" nickt er, das Zeichnen ist wie eine Sucht. Eine, in der er sich, wie alle guten Zeichner, selbst erfährt. Denn erst einmal muss man mit sich selbst im Reinen sein, bestätigt der begeisterte Glassammler, bevor so virtuos wie in Sommers Zeichnungen Gestalt annimmt, was ungeordnet in Kopf und Seele ist. Apropos Ordnung: "Immer auf dem Bürgersteig fahren", empfiehlt er lachend zum Abschied, "da passieren die wenigsten Unfälle".

Preisverleihung, Sonntag, 5. Oktober, 11.15 Uhr Stadtmuseum Simeonstift