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Bekannte Lieder, unbekannter Komponist

Bekannte Lieder, unbekannter Komponist

Zu einem Heymann-Abend mit Musik und Lesung hatten die Freunde des Mosel Musikfestivals eingeladen. Während die musikalischen Beiträge von allen Besuchern mit viel Applaus gewürdigt worden sind, schieden sich an den teilweise lange dauernden Leseabschnitten die Geister.

Bernkastel-Wehlen. "Wer von Ihnen hat noch keines der Lieder gekannt, die wir Ihnen heute abend präsentiert haben?" Auf die Frage von Sängerin Annette Postel am Schluss des Konzerts im Kloster Machern bleiben alle Finger unten. "Und wer hat den Namen Richard Werner Heymann noch nie gehört?" Ungefähr ein Drittel der 260 Zuschauer im voll besetzten Barocksaal des Klosters Machern zeigen auf.
Die Freunde des Mosel Musikfestivals haben die Sängerin und Musikkabarettistin zusammen mit dem Salonorchester Schwanen und der Tochter des Komponisten zu einem Heymann-Abend eingeladen. Dabei haben die Besucher einen Einblick in das Werk des Komponisten erhalten, der bekannte Filme wie "Der Kongress tanzt" oder die "Drei von der Tankstelle" musikalisch gestaltet hat. Seine Tochter Elisabeth Trautmann-Heymann hat dazu in teilweise langen Abschnitten, einmal etwa 20 Minuten, Briefe und Anekdoten ihres Vaters vorgelesen und einen Einblick in sein Leben und seine Gedanken gegeben.
Wenn die Sopranistin Postel Filmmusiken wie "Das gibt\'s nur einmal, das kommt nie wieder", "Ein Freund, ein guter Freund" oder "Irgendwo auf der Welt" in Begleitung des zehn Musiker starken Salonorchesters Schwanen anstimmt, glänzen die Augen der Besucher. Eine wunderschöne Einlage ist das Zusammenwirken mit dem Cellisten des Salonorchesters, der sein Streichinstrument mit einer singenden Säge eintauscht und sich dabei in der Tonlage mit der Sopranistin trifft. Auch nach der Pause, als Postel ruhigere und melancholische Stücke in Begleitung der Pianistin Susanne Klar anstimmt, nimmt sie ihr Publikum gefangen. Während des gesamten Konzerts beschränkt sie sich nicht nur aufs Singen: Mimik und Darstellung unterstreichen ihren Auftritt.
Doch nicht alle Besucher freuen sich über die Programmgestaltung. Tatsächlich scheinen die Lesungen der Heymann-Tochter vor der Pause genauso lange zu dauern wie die Musikstücke. Und bei mancher Leseeinlage fragt man sich, warum sie zwei Anekdoten hintereinander liest, wenn doch auch eine gereicht hätte.
"Das ist eine Märchenstunde, kein Konzert", meint eine fünfköpfige Gruppe während der Pause. Auch der Piesporterin Renate Meuren sind die Lesungen zu lang. Ganz anders hat es der Lieserer Piet Killaars empfunden. "Es ist schön, zu begreifen, was den Musiker bewegt hat."
Abgesehen davon sind sich die Besucher beim langen Applaus offenbar einig: Die gezeigten musikalischen Leistungen aller Beteiligten haben beeindruckt. cst