Ben Aaronovitch über den in Trier spielenden Roman "Der Oktobermann"

"Der Oktobermann" : Britischer Bestseller-Autor: Sein neuer Roman spielt in Trier!

Die „Flüsse von London“-Reihe ist ein internationaler Bestseller. Ben Aaronovitch verbindet darin elegant Krimi- mit Fantasy-Elementen. Warum der britische Autor im aktuell erschienenen Roman Trier in den Fokus rückt.

Es ist ja nicht alles ausnehmend freundlich, was auswärtige Literaten über Trier zu sagen oder schreiben hatten. „In Trier ist die Intelligenz nicht zu Hause“, konstatierte mal Thomas Bernhard in seiner bekannt charmanten Art. Und seinen „Weltverbesserer“ ließ der österreichische Weltklasse-Grantler mitteilen: „Man geht nicht ungestraft nach Trier. Man geht nach Trier und macht sich lächerlich.“ Möglich, dass das einer seiner kulturaffinen Landsleute heute noch unterschreiben würde. Goethe wiederum beschrieb Trier als „altes Pfaffennest“, das immerhin in einer angenehmen Gegend liege. Bei Karl Marx finden sich Trier-Referenzen, in Ursula Krechels „Geisterbahn“ auch jede Menge – aber da beide in der Moselstadt aufgewachsen sind, bestätigt das nur die Regel: Trier ist jenseits von Historien-Romanen und Regional-Krimis nicht gerade erste Wahl als Handlungsort. Schon gar nicht bei ausländischen, international erfolgreichen Autoren.

Normalerweise zumindest. „I love Trier“, sagt Ben Aaronovitch, Bestseller-Autor aus London („Die Flüsse von London“). Er sitzt im gut besuchten Kasino am Kornmarkt, jede Menge Fans vor sich, neben ihm Uve Teschner, der die Hörbuch-Version von „Der Oktobermann“ eingesprochen hat – und der an diesem Abend als Moderator und Vorleser gefragt ist. „I love Trier“, das klingt bei Aaronovitch zwar eher nach beiläufiger Nettigkeit als nach ernsthaft-von-Amor-zerschossen, aber egal: Es sei eine gute Idee gewesen, sein erstes Werk, das jenseits der Insel spielt, an die Mosel zu verlegen. In die „älteste Stadt Deutschlands mit all seiner Historie“, mit Wein und Mosel, was alles eine Rolle spielt. Aaronovitchs Credo: Wenn das hier nicht funktioniert, wo sonst?

Vier, fünf Mal war der Schriftsteller zur Buch-Recherche in Deutschland, vor allem in Trier. Die Region erkundete er fast ausschließlich mit Zug und Bus. Aaronovitch ließ sich bei einem Kaffee oder am Weinstand auf dem Hauptmarkt inspirieren („mein Lieblingsplatz in Trier“), streifte durchs Industriegebiet oder machte sich auf den Weg zur Mariensäule, die auch in der Handlung vorkommt. Ausnahmsweise mit dem Taxi. „Da fährt zwar ein Bus hin. Aber nur ein Mal im Jahr“, sagt er mit einem Grinsen: „Die VRT-App habe ich immer noch auf dem Handy.“

„Der Oktobermann“ ist vor gut zwei Wochen auf Deutsch erschienen (die englische Originalversion „The October Man“ kam vor etwa einem Jahr heraus) – und die Novelle stieg in der Spiegel-Bestseller-Liste gleich auf Platz drei ein, in der Rubrik Belletristik/Taschenbuch. Das Cover dürfte auch einigen Leuten ins Auge springen, die vom Autor noch nie etwas gehört haben: Neben einem Glas mit Riesling und der Karte von Trier findet sich dort die Mariensäule und die Porta Nigra wieder. Warum ausgerechnet Trier? Vorgabe: Der Roman sollte im Herbst in Deutschland spielen. Er hörte sich über Twitter bei seinen deutschen Fans um – was ist typisch für Deutschland im Oktober? Weinlese! Und da habe sich die Mosel und Trier angeboten.

Aaronovitchs deutsche Premierenlesung in Trier – organisiert von der Mayersche Interbook – ist vor allem ein Fall für Eingeweihte: Auf die Frage, wer schon Romane des Mittfünfzigers gelesen habe, heben viele die Hand. Sie kennen den Protagonisten Peter Grant, Londoner Polizist und Zauberlehrling. Vor acht Jahren erschien der erste Band der Reihe, die inzwischen weltweit erfolgreich ist und in neun Sprachen übersetzt wurde.

Aaronovitch verbindet Krimi und Fantasy – er lässt von Geistern Besessene morden, Flussgötter spielen eine große Rolle und Ich-Erzähler Peter Grant unterhält auch abseits der reinen Polizeiarbeit bestens. Für den „Oktobermann“ hat Aaronovitch ein deutsches Pendant zu Grant erfunden – Tobias Winter, Lehrling in einer Magie-Spezialabteilung des BKA. Ein mysteriöser Mord führt ihn nach Trier – die Leiche ist komplett mit dem Edelfäule-Pilz Botrytis cinerea überwuchert. Hier lernt Winter unter anderem die Flussgöttinnen von Kyll und Mosel kennen. Wem das zu viel Fantasy ist, der kann sich im Buch zumindest auf Spurensuche begeben. Winter und Peter Grant lernen sich im Buch übrigens nicht kennen. Ob das mal passieren wird, in einem zukünftigen Roman?  „Das kann ich noch nicht sagen“, antwortet Aaronovitch. Er möge beide Charaktere.

Für Aaronovitch hat sich das Leben seit den „Flüssen von London“ deutlich verändert. „Ich muss nie wieder arbeiten“, so nennt er es. Das Schreiben will er nicht als Arbeit bezeichnen. „Schreiben ist das Einzige, was ich kann.“ Vor ein paar Jahren war er pleite, arbeitete dann in einer Buchhandlung, was aber kaum reichte, um die Miete in seiner Heimat zu bezahlen, in der teuren Londoner City. Dann kam die Idee zu Peter Grant – und er wusste schnell, dass das ein Erfolg werden könnte. Er kennt das Geschäft schließlich. „Ich wusste nicht, ob das viele Leser findet. Aber ich wusste, dass ich damit einen Verlag finden würde.“

Weitere Bände hat er im Kopf – oder schon geschrieben. Einer wird in Schottland spielen, ein anderer in der Tech-City, der Londoner Antwort aufs Silicon Valley. Und ob die Mosel-Göttin in Zukunft noch mal gefragt wird? Das wird sich zeigen.

Schriftsteller Ben Aaronovitch (rechts) mit Moderator und Hörbuchsprecher Uve Teschner im Kasino Kornmarkt. Auf dem Cover des Bestsellers „Der Oktobermann“ (dtv-Taschenbuch) finden sich Trier-Bezüge – wie die Mariensäule und die Porta Nigra. Foto: dtv

Ben Aaronovitch, Der Oktobermann, dtv, 209 Seiten, 8.95 Euro