| 18:11 Uhr

Konzert
Vor Rührung fast geweint: Ben Harper&Charlie Musselwhite bringen den Blues nach Luxemburg (Fotos)

Sie haben den Blues ins Atelier in Luxemburg gebracht: Ben Harper&Charlie Musslewhite spielen vor mehr als 1000 Fans. Im Gepäck haben sie ihr gerade erst veröffentlichtes Album "No Mercy in this Land"
Sie haben den Blues ins Atelier in Luxemburg gebracht: Ben Harper&Charlie Musslewhite spielen vor mehr als 1000 Fans. Im Gepäck haben sie ihr gerade erst veröffentlichtes Album "No Mercy in this Land" FOTO: Mandy Radics
Luxemburg. Der eine hat den amerikanischen Blues neu erfunden, der andere ist eine lebende Blues-Legende. Ben Harper&Charlie Musselwhite haben satte zwei Stunden vor mehr als 1000 Fans im ausverkauften Luxemburger Atelier gespielt. Mit ihrem neuen Album „No Mercy in this Land“ feiern sie den Blues in allen erdenklichen Facetten. Von Mandy Radics
Mandy Radics

Womit anfangen? Damit, dass das Publikum bereits ohrenbetäubend laut applaudiert und pfeift, bevor das Konzert überhaupt begonnen hat? Dass das Luxemburger Atelier an diesem Donnerstagabend mit mehr als 1000 Fans ausverkauft ist? Oder mit der Tatsache, dass dort oben auf der kleinen Bühne zwei der gigantischsten Vertreter der amerikanischen Blues-Musik sitzen?

Egal. Alles passt zusammen: Stimmung, Ambiente, Musik - und die steht ganz klar im Mittelpunkt des Konzerts von Ben Harper und Charlie Musselwhite, die erst Ende März ihr neues Album „No Mercy in this Land“ herausgebracht haben. Sie sitzen auf zwei Klappstühlen, begleitet von drei Musikern an Drums, Gitarre und Bass. Der 74-jährige Charlie Musselwhite, ganz in schwarz gekleidet, mit nach hinten gekämmten weißem Haar, röhrt ins Mikro: „We got the Blues in the House“, während er seiner Mundharmonika wunderbare Töne entlockt. Seine Stimme ist rauh und kraftvoll.

Harper ist 48, geht aber locker als Mitdreißiger durch. Tätowiert an beiden Armen, mit lässigem, Schatten auf seine Augen werfenden, beigen Hut auf dem Kopf, sagt garnichts. Er zupft seine Slidegitarre, die auf seinem Schoß liegt und lässt die Musik für sich sprechen. Mit When I go und Bad Habits starten die beiden ihr Konzert. Die Fans sind aufmerksam, fast bedächtig. Kein Wunder, denn Harper ist nicht nur ein großartiger Gitarrenvirtuose, sein größtes Geschenk ist wohl seine Stimme, die kraftvoll, samtig und hundertprozentig überzeugend ist. Ganz leicht wechselt er aber auch zum Klavier. Für den ruhigen Song Nothing at All.

„This is a Lovesong“ ruft Harper ins Publikum, als I trust you to dig my Grave im Countrystyle ertönt. Dass Blues viele Facetten hat, zeigt auch der harte Rock'n'Roll, der dann folgt. Harpers Slidegitarre heult. Musselwhites Mundharmonika harmoniert perfekt. Beide Instrumente ergänzen sich, tanzen umeinander.

Das Gute, kein Song ist wie der andere. So abwechslungsreich hat man Blues selten erlebt. Hier wird nicht nur gelitten, hier wird auch gelacht und mitgetanzt. Der Song When Love is not enough ist wieder langsam, getragen. Harper singt. Ekstatische hohe Schreie eines weiblichen Fans aus dem Publikum und Harpers samtige, warme Stimme, bevor die Musiker wieder mit kraftvollem Rock'n'Roll die Bude abbrennen.

Ben Harper&Charlie Musselwhite im Atelier in Luxemburg FOTO:

Bei der fünften Zugabe tritt Harper ohne Mikro an den Bühnenrand. „We're together. And that is all that matters right now“, singt er gefühlvoll. Ganz leise, weiche Klänge von Musselwhites Mundharmonika. Man möchte weinen vor Glück und Rührung. Mit dieser Performance treffen die beiden Ausnahme-Musiker die Fans mitten ins Herz. Nein! Lass diesen Song nicht enden!

Minutenlanger Applaus beendet das Konzert dann doch. Das war einfach großartig.