Berndorf-Anzeige kommt den Ring teuer zu stehen

Berndorf-Anzeige kommt den Ring teuer zu stehen

Dass eine Anzeige wesentlich teurer werden kann als gedacht, muss jetzt die Nürburgring Automotive GmbH erfahren. Schriftsteller Michael Preute alias Jacques Berndorf hat dem Unternehmen eine Unterlassungsklage zustellen lassen - für einen Werbeauftritt, der nicht mit ihm abgesprochen war (der TV berichtete).

Dreis-Brück. Die Betriebsgesellschaft der Eifeler Rennstrecke hatte sich eine, laut Pressesprecherin Stefanie Hohn "mit einem kleinen Augenzwinkern" verbundene Werbung einfallen lassen, die für Medientrubel sorgte: In der Anzeige war Krimiautor Michael Preute alias Jacques Berndorf zu sehen, der seinen neusten Roman "Die Nürburg-Papiere" in der Hand hält. Daneben stand der Satz: "Wir freuen uns, wenn wir die Fantasie anregen." Etwas kleiner war darunter zu lesen: "Der Nürburgring - stark für die Region". Nach der Kampagne habe sich das Unternehmen bei ihm entschuldigt und eine Spende von 10 000 Euro für wohltätige Zwecke zugesichert, sagt Berndorf.

Als der Bestsellerautor, dessen Roman sich bereits 160 000 Mal verkauft hat und schon in vierter Auflage erscheint, die Anzeige entdeckte, hatte er zunächst noch amüsiert reagiert. Doch dann schwante ihm, dass er durch die Veröffentlichung möglicherweise in ein völlig falsches Licht geraten könnte. Berndorf bekam nämlich zahlreiche Anrufe von Lesern, von denen er auch gefragt wurde, was er denn für die Anzeige bekommen habe. Dem Autor wurde klar, dass er im Begriff stand, seine Glaubwürdigkeit zu verlieren.

Gemeinsam mit seinem Verleger Ralf Kramp schaltete er einen Rechtsanwalt ein. Kramp vermutet, die Nürburgring GmbH habe die Werbung wohl für eine clevere Retourkutsche gehalten. Berndorf sagt, dass sich Jörg Lindner, geschäftsführender Gesellschafter der Lindner Gruppe, der auch Geschäftsführer von Nürburgring Automotive ist, bei ihm gemeldet und "tausend Mal" für die Anzeige entschuldigt habe. Er habe Lindner bei dem Gespräch mitgeteilt, dass die Werbung geeignet sei, seinen Ruf als Nürburgring-Kritiker zu gefährden.

Der von Berndorf beauftragte Anwalt hatte dem Unternehmen zuvor geschrieben, man verlange eine Entschädigung von 20 000 Euro für den Fall, dass die Anzeige noch einmal erscheine. "Die schrieben sehr freundlich zurück", berichtet Jacques Berndorf. Es sei ihnen alles sehr peinlich. Und dann habe das Unternehmen vorgeschlagen, 10 000 Euro an eine überregionale Einrichtung zu überweisen. "Wir haben uns damit einverstanden erklärt", sagt der Autor.

Stefanie Hohn, Pressesprecherin der Nürburgring Automotive GmbH, bestätigt, dass es zu den Kontakten zwischen Berndorf und Lindner mit einem entsprechenden Spendenangebot ihres Unternehmens gekommen sei. Zwischen den Anwälten der beiden beteiligten Parteien müsse diese Vereinbarung noch abschließend geregelt werden. Es sei nicht so, dass man sich vor der Veröffentlichung der Anzeigen keine Gedanken darüber gemacht habe, welche Konsequenzen diese haben könnten. Rechtliche Präzedenzfälle seien dabei jedoch nicht in Erwägung gezogen worden.

Anzeige taucht wieder im Internet auf



Jacques Berndorf hatte gedacht, nun sei die Angelegenheit zufriedenstellend geregelt. Gestern wurde er jedoch von sechs Anrufern kontaktiert, die berichteten, dass ihnen beim Surfen im Internet ein Pop-Up-Fenster erschienen war, das für die Teilnahme an einem Gewinnspiel warb. Darin wurde unter anderem die brisante Berndorf-Anzeige abgebildet, deren Werbewirksamkeit von den Internetnutzern bewertet werden sollte. Seine Reaktion darauf: "Jetzt fangen wir scheinbar wieder von vorne an."

Einer der Anrufer, Andreas Bolaender, bestätigt, die fragliche Werbung gesehen zu haben. Es handele sich allerdings um eine Anzeige, die nach dem Zufallsprinzip beim Surfer auftauche - womit sie in keiner Suchmaschine verzeichnet und schwer zu verifizieren ist.

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