Beschwingte Herausforderungen

Trier · Die große Trierer Domorgel klingt mal gewaltig, mal intim, mal meditativ. So tänzerisch wie zum Start der diesjährigen Dom-Orgeltage gibt sie sich selten. Für Domorganist Josef Still eine echte Herausforderung. 200 Besucher waren zum Auftakt der Reihe gekommen.

Trier. Tänze strahlen Körperlichkeit aus, Nähe und eine bestimmte Form von Intimität. Sind sie realisierbar auf der Domorgel mit ihrer ganz anderen Ästhetik, ihrem weit in den Raum ausgreifenden und den Besucher einhüllenden Grundklang? Darauf gibt Josef Still beim Eröffnungskonzert der Trierer Dom-Orgeltage eine klare Antwort. Er spielt Renaissance-Tänze. Und, erstaunlich, sie entfalten eine überraschende Präsenz, Deutlichkeit und Statur. Und ganz nebenbei kommen Register zum Klingen, die im Dom selten zu hören sind - Schnarrwerke beispielweise mit ihrem reizvoll fremdartigen Klang.
Domorgel und Tanz sind vielleicht Gegensätze und ganz sicher eine Herausforderung für den Organisten, aber sie sind vereinbar. Bartóks Rumänische Volkstänze - wie viel sacht Beschwingtes klingt bei Josef Still mit und wie viele Klangnuancen! Welch fließende Eleganz entfaltet Eugène Gigouts Minuetto, offensichtlich eine Hommage an Mozart.
In Gabriel Faurés Pavane trifft Still trotz der mitkomponierten Salon-Anklänge den Fauré-charakteristischen Tonfall mediterraner Gelassenheit genau. Und Kodálys "Tänze aus Galanta": Sie entfalten in Stills Orgelfassung einen Farbenreichtum, der dem Orchester-Original nicht nachsteht. Und bei aller rhythmischen Prägnanz - der Domorganist kommt in seiner Interpretation völlig ohne die fatale Verbindung von Schwung und Sentimentalität aus, die zum unausrottbaren Ungarn-Operettenklischee gehört.
Gerade die bedeutendste Komposition indes erwies sich als Problem. Vielleicht waren die "Trois Danses", Jehan Alains kompositorisches Vermächtnis, fehlplaziert in diesem leichtgewichtigen Programm. Still konzentrierte sich auf die meditativen Aspekte in dieser Musik. Von ihrer bedrängenden Vielschichtigkeit, ihren emotionalen Gegensätzen, ihrem Miteinander von Ausgelassenheit und Todesahnung vermittelten Orgel und Organist indes wenig mehr als eine Ahnung. Schade! mö