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Best-of ohne Überzeugungskraft: Himmerod beschließt Orgelsommer

Best-of ohne Überzeugungskraft: Himmerod beschließt Orgelsommer

Insgesamt acht Mal hatte die Abtei Himmerod seit Pfingsten zu Orgelkonzerten eingeladen. Das Finale lag in den Händen von Michael Matthes aus dem französischen Troyes. Überzeugen konnte er allerdings nicht.

Wittlich. Gut 45 Minuten dauerte das letzte Konzert des Himmeroder Orgelsommers, bei dem die große Anzahl der Besucher wieder einmal zeigte, wie beliebt die Reihe beim Publikum ist. Und auch diesmal wies Wolfgang Valerius auf das Außergewöhnliche des Programmes hin, das aus vielen kleinen Kompositionen bestand, die viele Organisten gerne als Zugaben verwenden. Es hinterließ ein wenig den Eindruck, es ginge um das Best-of der eingängigen, für den Zuhörer nicht allzu anspruchsvollen Musik.
Die Interpretation der einzelnen Werke, bei denen es sich fast ausschließlich um Bearbeitungen handelte, war keine große Freude. Oftmals mulmte es, weil Matthes bei der Registerauswahl viel Wert auf tiefe Stimmen legte. Da wurde es schon ein wenig mühsam, dem "Trumpet tune" von Henry Purcell oder dem berühmten "Trumpet Voluntary" von Jeremiah Clarke zu folgen. Der tiefe Sinn einer Bearbeitung von Béla Bartóks "Rumänischen Tänzen" erschloss sich auch nicht wirklich, denn die brillante Eleganz ging in dieser, von Matthes selbst arrangierten Orgelfassung nahezu komplett verloren.
Zu laute Glockenschläge


Auch die Bearbeitungen berühmter Kompositionen von Johann Sebastian Bach litten erheblich unter den merkwürdigen, jedoch nicht bemerkenswerten Registrierungen des Interpreten und waren in der Aussage Meilenweit vom Original entfernt. Zusätzlich getrübt wurde das gehörte durch die Tatsache, dass die Trefferquote der richtigen Tasten an manchen Stellen zu wünschen übrig ließ.
Mit dem "Carillon de Westminster" von Louis Vierne hatte Matthes auch eine originale Orgelkomposition in seinem Programm. Eigentlich soll diese Komposition, in der Vierne die Glockenschläge von Big Ben verarbeitet, leise und geheimnisvoll beginnen. So, als nähere man sich dem berühmten Londoner Glockenturm von weitem. Die viel zu kraftvolle Registerauswahl des Pedals machte diesen Effekt aber zunichte.
Gemessen an der Anzahl der Besucher war der Applaus am Ende des Konzerts dann auch eher verhalten. gkl