Beste Musik am falschen Ort

Besuch aus Sachsen hat der Musikkreis Springiersbach bei seinem jüngsten Konzert gehabt. Obwohl musikalisch exzellent, hat die Programmgestaltung doch Fragen aufgeworfen.

Bengel. Seit 18 Jahren gibt es das Ensemble "percussion posaune leipzig", aktuell in der Besetzung mit den Posaunisten Matthias Büttner, Joachim Gelsdorf und Marton Palko sowie dem Schlagzeuger Wolfram Dix. Eine eher seltene Formation, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, Anwalt sowohl für die Alte wie für die Neue Musik zu sein.

In der Springiersbacher Klosterkirche konnte man erleben, wie die vier Sachsen dieses Vorhaben umsetzen. Und man muss aus musikalischer Sicht der Ankündigung des Veranstalters, hierbei werde es sich um ein außergewöhnliches Konzert handeln, in vollem Rahmen zustimmen.

Die Qualität, mit der die Bläser und auch Dix sich der Musik annahmen, war über weite Strecken atemberaubend. Klanglich optimal aufeinander abgestimmt, agierten die Posaunisten mit einem nicht zuletzt durch die Akustik des Kirchenschiffs getragenen, runden Sound, der begeisterte. Auch Dix wusste sich den räumlichen Gegebenheiten sehr gut anzupassen. Besonders seine eigene Komposition "Monade" für Schlitztrommel solo bekam durch den Nachhall einen sehr meditativen Charakter.

Polonaise in der Kirche



Mehrere Fragezeichen aber muss man doch bei der Programmgestaltung machen. Man muss sich fragen, ob die Musiker sich darüber im Klaren waren, dass sie in einer Kirche auftraten. Kompositionen wie "Mr. B. & We" von Hans-Peter Preu, die man für jeden Krimi bestens als Titelmusik verwenden könnte, mag man ja noch tolerieren können - jedoch fast in Polonaiseart nach der Pause mit der Habanera aus Bizets Carmen in die Kirche einzuziehen, war doch grenzwertig.

Indiskutabel war Richard Strauss' "Also sprach Zarathustra", auch wenn es sich um ein Arrangement handelte. So großartig die Musik auch sein mag, eine Komposition, die auf einem Text fußt, der die Kirche als die verlogenste aller Staatsformen bezeichnet und Gott für tot erklärt, hat auch in einer säkularen Welt, in einem Gebäude, in dem am Morgen noch die Auferstehung gefeiert wurde, nichts zu suchen.

Nächstes Konzert

Das nächste Konzert in Springiersbach findet am 21. November um 16 Uhr wieder im romanischen Saal statt. Auf dem Programm stehen dann Werke für Violoncello und Kontrabass. Karten gibt es unter 06532-2731 oder unter www.opern-studienreisen.de (gkl)

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