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Bestehendes bewahren und Neues schaffen

Bestehendes bewahren und Neues schaffen

Der seit 2007 bundesweit ausgelobte Architekturpreis Wein zeichnet hervorragende Bauprojekte zum Thema aus. In diesem Jahr wurden zwei Bewerber aus der Region mit dem Preis gewürdigt. Ein weiteres Projekt erhielt eine Auszeichnung.

Bernkastel-Wehlen/Longuich/ Trier. Der Wein und seine Kultur bestimmen das Gesicht der Moselregion: Mit Reben bewachsene Hänge, aber auch Weingüter und Vinotheken zeugen vom Jahrtausende langen Umgang mit den Trauben. Dieses Erbe zu erhalten und es in einer zeitgenössischen und dennoch traditionsbewussten Architektur fortzuschreiben, gehört zu den großen Herausforderungen. In diesem Sinn will der Architekturpreis Wein Baukultur fördern und Bewusstsein dafür schaffen. Unter den Preisträgern und Ausgezeichneten sind in diesem Jahr drei Betriebe aus der Region:

Weingut Markus Molitor in Bernkastel-Wehlen: "Ganz oder gar nicht" - das ist Markus Molitors Devise beim Wein- wie beim Hausbau. Seit fast 30 Jahren betreibt der Winzer sein Traditionsweingut am Klosterberg in Bernkastel-Wehlen. Weitgehend in Steillagen werden dort auf etwa 40 Hektar Spitzenweine produziert, 95 Prozent davon Riesling. Seit 2007 hat sich der Hausherr zusammen mit dem Architekten Lukas Baumewerd aus Köln noch mit einem weiteren Qualitätsprodukt befasst: der Sanierung des aus dem späten 19. Jahrhundert stammenden Gebäudes seines Weingutes, in dem neben Verkaufs- und Wirtschaftsräumen auch die Wohnung untergebracht ist. Was sich jetzt auf 1500 Quadratmetern darstellt, ist nicht nur ein vorbildliches, zu Recht ausgezeichnetes Beispiel vom Umgang mit historischer Bausubstanz.
Im sanierten Bau erhält die Philosophie des Bauherrn und seines Weingutes Gestalt. Rein, natürlich, nachhaltig, in traditioneller Stilistik wünscht er seinen Wein. Was für den Wein gilt, drückt sich auch in der Architektur aus. Als ein solider, zurückhaltender Bau aus natürlichen Werkstoffen mit elegantem Innenleben zeigt sich das sanierte Gebäude.
Ein Highlight ist die Vinothek in ihrer gerade klösterlichen, dabei ausgesprochen modern anmutenden Schlichtheit. Ein langer, an ein Refektorium erinnernder Verkostungstisch durchzieht den Raum, dessen weiße Wände vom Rhythmus der Fenster durchbrochen werden. Unter der Ebene der Geschäfts- und Wohnräume liegen der Tankkeller und der historische Gewölbekeller, in dem der Wein in traditionellen Holzfässern reift. Anstrengung und langer Atem haben sich gelohnt. Das Ergebnis überzeugt auf ganzer Linie. Und nicht nur das: "Wenn man sieht, wie so etwas nach und nach entsteht, hat man nur Freude daran", sagt Markus Molitor.

WeinKulturGut Longen-Schlöder in Longuich: Die "Winzerhäuser" die der Mailänder Architekt Matteo Thun für das Kulturweingut Longen-Schlöder in Longuich errichtet hat, verdeutlichen eindrucksvoll, wie Neubauten auf der einen Seite funktionstüchtig, umweltverträglich und energiesparend und auf der anderen mit Respekt vor der Landschaft und den vorhandenen Strukturen errichtet werden können. Die kleinen Häuser, die als Gästezimmer die Weingastronomie des Hauses ergänzen, entsprechen zudem der Philosophie der Bauherren Markus und Sabine Longen. Seit langem arbeitet das Ehepaar an der Verbindung von Wein, Kulinarik und Schönen Künsten - seit einigen Jahren im eigenen WeinKulturGut.
Die 14 Häuser von Matteo Thun, die ein weißer Hausblock mit einem Tagungsraum ergänzt, sind eingebettet in eine idyllische Wiesen- und Gartenlandschaft. "Öko statt Ego" ist das Motto des umweltbewussten Italieners Thun. In Longuich hat er seine Bauten rücksichtsvoll in die kleinteilige Struktur des Dorfes und die Obstgärten des Standortes eingefügt. Thuns Architektursprache zitiert den Typ der kleinen Winzerhäuser, die in den Weinbergen von alters her Arbeitern und Geräten Schutz und Unterstand bieten. Der für sein "Null-Design" bekannte Architekt hat auch in Longuich auf alles Überflüssige verzichtet. Klar, einfach und in sich geschlossen ist die Hausform. Vertrauenserweckend kommt die kraftvolle Verschieferung der Holzständerbauten aus regionalen Bruchsteinen daher. Auch der Innenausbau der Gebäude, von denen einige zu Familienhäusern verbunden werden können, ist klar in der Linie und edel im Material. Eichenfußböden und rote Stoffe versprechen Behaglichkeit. Fenstertüren sorgen für Licht und verbinden außen und innen.
Zu jedem Haus gehören eine Terrasse und ein kleiner mit Hecken eingefasster Themengarten. Dass die Häuser belüftungs-, heiz- und haustechnisch auf dem neusten Stand sind, versteht sich von selbst. "Die Annehmlichkeit des Wohnens in den Winzerhäuser entsteht nicht aus einer Flut unnötiger Accessoires in den Zimmern, sondern erwächst aus dem Gefühl des Gastes, dass hier alles speziell für ihn gebaut und eingerichtet wurde", erklärt die Bauherrin.

Eine Auszeichnung der Jury erhielt zudem die Domäne Avelsbach der Staatlichen Weinbaudomäne Trier für einen Erweiterungsbau, der in seiner Fassade das Bild der traditionellen, aus Schieferbruchsteinen geschichteten Weinbergsmauern aufnimmt und sich so fast unauffällig in den Berg einfügt.