Bilanz der Premiere: Kulturhafen Zurlauben mit QuattroPop-Festival & Co.

Kostenpflichtiger Inhalt: Kultur an der Mosel : Hat der Kulturhafen Zurlauben eine Zukunft?

Vielfältiges Programm, freier Eintritt, entspannte Atmosphäre und 6500 Besucher in zwei Wochen. Die Premiere des Kulturhafens Zurlauben lief bestens. Aber es gibt einen Haken.

Bruno Calvera sinkt auf die Knie, schmachtet mit Pepito Spezzegutti feinsten, selbst komponierten Italo-Pop im 80er-Sound in den Spätsommerhimmel, so cheesy wie eine Pizza Quattro Formaggi, aber leichter bekömmlich und – tutti bene – in feinstem Fantasie-Italienisch dargeboten. Ein paar Meter hinter der Bühne, auf der Mosel, zieht die „Undine“ langsam vorbei, ein paar Passagiere blicken rüber zum Ufer, wo sich zu diesem Zeitpunkt am Nachmittag vielleicht 300 Menschen auf und hinter der neuen Moseltreppe den unterhaltsamen Auftritt des Trierer Duos „Sweat Like Chianti“ anschauen. Am Abend, bei den Shows von Hoboken Division aus Metz und Seed to Tree aus Luxemburg sind es dann noch einige mehr. Das ist nur ein kleiner Ausschnitt vom QuattroPop-Festival am Wochenende, professionell organisiert vom Musiknetzwerk Trier. Und das Festival wiederum ist nur ein Teil des Kulturhafens Zurlauben, in dem über zwei Wochen lang Künstler aus verschiedenen Bereichen den Anker warfen. Um Lust aufs Theater zu machen. Oder um Jazz und Rock und Blues und Hip-Hop zu präsentieren. Sehr gut besucht waren auch die „Broadway“-Kinofilm-Vorführungen an gleicher Stelle.

Alles bei freiem Eintritt, ohne Absperrungen, alles sehr entspannt. Die alte Stadt, die Mosel, die (regionale) Kulturszene – für eine Weile mal vereint. Insgesamt 6500 Zuschauer seien gezielt zu den Kulturhafen-Veranstaltungen gekommen, sagt Wolfgang Esser, der die Festival-Koordination übernommen hatte.

Wirklich kein schlechter Start für ein Festival, das erst ein paar Wochen vor der Eröffnung bekannt gemacht wurde. Und einer, der Erwartungen wuchern lassen kann. Die muss Thomas Schmitt (CDU) erst mal zurechtstutzen. Der Trierer Kulturdezernent ist mit dem Verlauf zufrieden: „Es ging uns darum, den Standort zu etablieren und zu zeigen, dass das in Zurlauben funktioniert. Das Ziel wurde voll und ganz erreicht.“ Das „Aber“ an der Sache – die Stadt hatte die Kosten getragen, einschließlich Sponsoring lag das Budget wohl bei rund 50 000 Euro. OB Wolfram Leibe nannte den Kulturhafen bei der Eröffnung daher ein Geschenk an die Trierer (und ihre Gäste). Jährliche Geschenke gibt das Budget der hoch verschuldeten Stadt aber nicht her. Der Kulturhafen sei nicht als alljährliches von der Stadt finanziertes Festival angelegt, sagt Schmitt. Es brauche Sponsoren, private Initiative, wenn die Kultur in Zurlauben einen festen Anlaufpunkt finden soll: „Sonst wird es nicht funktionieren“, macht Schmitt klar.

Für den Trierer Cheftouristiker Norbert Käthler war es wichtig, einen „Impuls“ zu setzen: „Wir haben zwei Wochen lang ganz unterschiedliche Dinge präsentiert, zusammen mit anderen Kulturträgern, und das an einem Ort mit besonderer Atmosphäre: Die Treppe eignet sich hervorragend als Tribüne.“

Im Oktober werde ein Fazit gezogen – mit allen Beteiligten. Ob und – wenn ja – in welcher Form es eine Neuauflage des Kulturhafens Zurlauben geben wird, dürfte dann aber noch nicht abschließend geklärt sein.

Die Trierer Band Sweat Like Chianti mit Bruno Calvera (das klingt nicht nur nach Künstlername) QuattroPop-Festival. Foto: TV/Andreas Feichtner
Kulturhafen Quattropop. Foto: TV/Andreas Feichtner
Kulturhafen Quattropop. Foto: TTM. Foto: TV/Andreas Feichtner

Fakten schafft zumindest schon mal das QuattroPop-Festival, das an zwei Kulturhafen-Tagen rund 1000 Besucher an die Mosel gelockt hat - und das mit einem bunt gemixten, sehr unterhaltsamen Programm. „Danke an alle Zuschauer, dass Ihr da wart und das erste QuattroPop-Festival so wahnsinnig wundervoll gemacht habt! Wir sehen uns in 2020 wieder! Versprochen!“, postete das Musiknetzwerk auf Facebook. Das könnte natürlich auch an einem anderen Ort stattfinden – aber am Kulturhafen haben auch die QuattroPop-Programmverantwortlichen Harmke van der Meer und Florian Stiefel Gefallen gefunden. Ist eine Wiederholung 2020 gewünscht? „Absolut – auf jeden Fall!“, sagt Florian Stiefel: „Es ist immens wichtig, dass wir über Grenzen hinaus miteinander für die Kulturszene arbeiten, uns ein gemeinsames Standbein und Sprachrohr schaffen, und vor allem eine Bühne bieten, die zeigt, was die Großregion kann.“

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