Bilderschau im alten Bauernhaus

Bilderschau im alten Bauernhaus

Der Ort ist idyllisch, das schmucke Gebäude ausgesprochen einladend. Dennoch gehört enormer Mut dazu, sich auf ein Kunsthaus-Projekt einzulassen, wie es Lydia Weber im Eifeldorf Zendscheid gewagt hat.

Zendscheid. Oben auf der Höhe steht dunkel der Wald, unten im Tal plätschert munter die Kyll. Bergauf über den Hang ziehen sich die schmucken Häuserreihen von Zendscheid (Eifelkreis Bitburg-Prüm). Eines der Gebäude dient neuerdings der Kunst.
In ihrem vorbildlich restaurierten Bauernhaus, einem typischen Eifler Langhaus, hat Lydia Weber ein Kunsthaus eingerichtet. Weiß verputzt mit zurückhaltend farbig gefassten Sandsteingewänden steht der historische Bau da. Ein türhohes Fenster signalisiert, dass es hier ab sofort für jedermann etwas zu sehen gibt. Das Raumprogramm des einstigen Wirtschafts- und Wohngebäudes haben die Besitzerin und ihr Mann sorgfältig erhalten, ebenso den Kamin und die schmale Stiege nach oben. Und auch die dunklen Bodendielen stehen zu ihrer bäuerlichen Vergangenheit. Nur dass dort, wo einst alltäglich gearbeitet und gewohnt wurde, jetzt Bilderkabinette entstanden sind, die den dort aufgehängten Klein- und Mittelformaten genau den passenden Rahmen geben und die Bilderschau ordnen.
Vertrauen in eigene Ideen


Lydia Weber ist nicht nur gebürtige, sondern auch leidenschaftlich bekennende Eiflerin: "Wir leben hier in einer wunderschönen Gegend", sagt die schmale, dabei sehr energisch wirkende Frau. Gleichwohl steht für sie fest: "Wir müssen schon selbst dafür sorgen, dass hier etwas los ist."
Das Vertrauen in die eigenen Einfälle ist so etwas wie die Geschäftsgrundlage für Lydia Webers persönliches Prinzip Hoffnung. Gleich bei ihrer ersten Ausstellung hat sich diese Strategie bewährt. Die Mischung aus regionalen und überregionalen Künstlern hat nicht nur zur Vernissage das ganze Dorf angezogen. Gekommen sind im Laufe der Wochen auch Besucher aus der ganzen Region bis hin nach Köln und Düsseldorf.
Webers künstlerisches Engagement kommt übrigens nicht von ungefähr. Auch als Geschäftsfrau war ihr lebenslanges Interesse an Kunst lebendig geblieben. Nach dem Rückzug aus dem aktiven Berufsleben hatte sie sich zudem an verschiedenen Akademien malerisch ausbilden lassen. Neben den eigenen Gemälden zeigt Lydia Weber in ihrer ersten Ausstellung fünf weitere Künstler unterschiedlicher Medien. Eine besondere Attraktion ist die Verbindung der Texte des in Kall in der Nordeifel lebenden Schriftstellers Norbert Scheuer mit den dichten, in ihrer Binnenstruktur ungeheuer lebhaften Kleinformaten des Malers Andreas Erb. Eine andere Heimat stellt sich in den "Flussbildern" von Mario Reis dar. Darin malen Eifelbäche- und flüsse mittels Ablagerungen, Anschwemmungen und Strömung ihr eigenes Porträt. Barbara Baumann steuert bildhauerisch und witzig ihre bekannten Taschen bei. Sehenswert sind die Arbeiten der jungen Malerin Birte Svea Metzdorf.
Auch wenn die erste Ausstellung noch läuft: Stillstand ist nichts für Lydia Weber. Sie bereitet schon die nächste Bilderschau vor. Diese soll zeigen, was es hierzulande an kreativem Potenzial gibt. Solange der Platz reicht, versteht sich. er
Die aktuelle Schau ist noch bis Sonntag, 19. Oktober, zu sehen; Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag 13-18 Uhr und nach Vereinbarung, Eintritt frei, Telefon 0151/40747679, <%LINK auto="true" href="http://www.kunsthauszendscheid.wordpress.com" class="more" text="www.kunsthauszendscheid.wordpress.com"%> ; Nächste Ausstellung: "Unjuriert und grenzenlos", 23. November bis 14. Dezember

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