Bildhauer-Symposium im Ourtal

Bildende Kunst : Vier Wochen im Freien

Das Ourtal rund ums kleine Grenzdorf Welchenhausen erhält eine weitere Attraktion: Von übernächstem Samstag an werden dort neun Bildhauer aus den drei Grenzländern beim Symposium ihre Werke entstehen lassen, bis in den August hinein. Zuschauer: willkommen.

So winzig, so rührig: Welchenhausen, das Grenzdörfchen im Islek, mit 29 Einwohnern – und dem so engagierten Verein rund ums kleinste Kunstmuseum der Eifel. Denn die „Wartehalle“ ist nichts anderes als ein Bus-Häuschen, unabschließbar und deshalb während der jährlich zwei oder drei Ausstellungen durchgehend geöffnet.

Ein paar Schritte weiter beginnt am Samstag, 13. Juli, das internationale Bildhauer-Symposium. Es ist eines der größten Kunstvorhaben der vergangenen Jahre im Dreiländereck Deutschland-Belgien-Luxemburg. Einer der Initiatoren aber darf es nicht mehr erleben: Christof Thees, der Vorsitzende des Museumsvereins Welchenhausen. Er starb, 57-jährig, Anfang Juni nach schwerer Krankheit und setzte sich dennoch bis zuletzt für das Symposium ein (der TV berichtete).

Die Beschränkungen der paar Quadratmeter Ausstellungsfläche in der Halle hat der Verein in den vergangenen Jahren längst verlassen: Rundherum findet man Kunst, in der Dorfmitte, am Straßenrand, von lebensgroßen Fotos der „Ourmenschen“ über Skulpturen, Grafik und Malerei bis Fotografie, unter anderem auch im benachbarten Stupbach. Insgesamt sind es bereits 30 Kunststationen.

Jetzt kommen neun Großskulpturen hinzu: „Das wird ein ziemlich großes Spektakel werden“, hatte Christof Thees noch im Februar zum TV gesagt. Neun Bildhauer sind dabei, sie werden am Ortsrand von Welchenhausen arbeiten, auf dem Platz mit dem „Stamm-Tisch“ von Esther Wiswe, der dort im vorigen Jahr eingeweiht wurde, und auf der anderen Seite der Grenze.

Am Ende sollen die Arbeiten entlang eines neuen Wanderwegs aufgestellt werden, zwischen dem Europadenkmal bei Ouren und Stoubach, dem belgischen Schwesterdorf von Stupbach.

Und weil das nicht nur in Welchenhausen als gute Idee gesehen wurde, kümmerte sich der Bitburg-Prümer Landrat Joachim Streit um Finanzhilfe: Die liefert daher nun die Dr.-Hanns-Simon-Stiftung in Bitburg – 150 000 Euro. Eine Jury wählte die neun Teilnehmer aus, der Lünebacher Bildhauer Christoph Mancke – er gestaltete unter anderem auch den „Windklang“ auf dem Erbeskopf – übernahm die künstlerische Leitung und wird ebenfalls eine Arbeit liefern.Mancke saß auch in der Jury, zu der neben Andreas Kruppert, dem Bürgermeister der Verbandsgemeinde Arzfeld, und der Bildhauerin Ulla Windhäuser-Schwarz auch Streit und Thees gehörten. Mehr als 30 Künstler hatten sich um die Teilnahme beworben, drei Frauen und fünf Männer wurden ausgewählt – neben Mancke als gesetztem Teilnehmer.

Es sind die in Italien lebende Berlinerin Susanne Paucker, Sandrine Brasseur aus Lüttich, die Luxemburgerin Alison Darby, Werner Bitzigeio aus Winterspelt , der Belgier Patrick Crombé, der Luxemburger Bertrand Ney, der Bayer Herbert Lankl und der Pfälzer Martin Schöneich, der dieses Jahr den Kaiser-Lothar-Preis der Stadt Prüm erhält.

„Ein Symposium ist immer eine tolle Gelegenheit für Bildhauerinnen und Bildhauer, die ja sonst als Einzelkämpfer unterwegs sind“, sagt Mancke. „Jetzt aber wird das Atelier nach draußen verlegt, quasi in den öffentlichen Raum.“ Dem Besucher biete das die Chance, „vom Rohblock bis zur fertigen Skulptur die Formfindung miterleben zu können.“

Und vielleicht wird ja der Wunsch von Christof Thees erfüllt – dass am Ende das Ourtal noch ein gutes Stück attraktiver geworden ist. Und dass man dort zeigen könne, „dass an unserem Dreiländereck nicht über Europa diskutiert und gestritten, sondern Europa gelebt wird“.

Beginn ist am Samstag, 13. Juli, um 11 Uhr auf dem Platz an der Grenzbrücke bei Welchenhausen. Das soll, wie so viele Eröffnungsfeiern dort, wieder ein Fest werden: „Wir kommen gerade vom Landrat“, sagt Leonie Simons, die derzeit kommissarisch die Geschäfte des Museumsvereins führt und dieser Tage mit Andreas Kruppert in Bitburg war, um die Eröffnung einzutüten. „Wir haben alles bestens geregelt.“

Das heißt: Zur Eröffnungsfeier servieren die Organisatoren, dank der Kreis-Trägerschaft, kostenlos für die Besucher Essen, Eis und Getränke.

Der Entwurf von Susanne Paucker. Foto: Susanne Paucker
Entwurf von Bertrand Ney. Foto: Bertrand Ney.

Publikum erwünscht – das gilt auch nach der Eröffnung: In den vier Wochen danach kann man den Künstlern von Montag bis Freitag, 9 bis 17 Uhr, zuschauen. Während des Symposiums sind außerdem die Skizzen und Entwürfe der Bildhauer in der Wartehalle Welchenhausen ausgestellt.

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