Unterm Strich – Die Kulturwoche: Bitte die Fischsoße nicht vergessen

Unterm Strich – Die Kulturwoche : Bitte die Fischsoße nicht vergessen

Was machen Sie eigentlich nachts? Okay, geht uns eigentlich ja gar nichts an. Aber wahrscheinlich tun Sie das, was die meisten tun: schlafen. Wenn Sie nicht gerade, egal in welcher Branche, Nachtdienst haben.

Und dann merken Sie es manchmal auch: Die Nacht hat etwas Magisches. Normalerweise ist es die Zeit, in der die Menschen zur Ruhe kommen, sich in ihre Häuser zurückziehen, um zu schlafen. Aber es gibt auch die Ruhelosen, die Schlafwandler, Nachtschwärmer oder Kriminellen. Viele sind auf der Suche nach etwas oder nach sich selbst. Und wem oder was man da begegnen kann, das zeigt die Ausstellung „Nachts. Zwischen Traum und Wirklichkeit“ im Haus der Kunst in München. Sie unternimmt eine Reise durch die Nacht zwischen Traum und Wirklichkeit in 14 Stationen. Gezeigt werden Filme, Videos, Installationen und Fotografien aus der Sammlung Goetz, die unterschiedliche Facetten eines nächtlichen Streifzugs spiegeln – von Alp- bis zu süßen Träumen. Wach- und Schlafwandler können sich bis 6. Januar 2020 inspirieren und verzaubern lassen.

„Bitte bring mir die beste Fischsoße mit, die du finden kannst.“ Dieser Satz steht in einem Brief, der bereits etwas älteren Datums ist – genauer gesagt, aus dem frühen dritten Jahrhundert n. Chr. Sabine Huebner, Professorin für Alte Geschichte an der Universität Basel, hat ihn in einem Papyrus entdeckt. Es handelt sich, so die Wissenschaftlerin, um den „ältesten bekannten christlichen Privatbrief“. Die Geschichte der ersten Christen müsse teils umgeschrieben werden, so Huebner. Bislang sei vor allem die Christenverfolgung bekannt.  Die bisher erforschten Quellen zum frühen Christentum stammten vor allem aus der Feder von Bischöfen. „Danach stellt man sich vor, dass sich die ersten Christen nur dem Gebet widmeten, allen Reichtum aufgaben, sich für den Märtyrertod bereithielten und reihenweise vor die Löwen sprangen.“ Doch ganz so asketisch und jenseitsgewandt waren die Leute dann doch nicht, wie neuere Entdeckungen preisgeben. Der Brief gehört zu einem Archiv mit etwa 1000 Papyri, das vor mehr als 100 Jahren in Fayum in Ägypten gefunden wurde. Daraus seien erst rund 400 Exemplare editiert. Was in den anderen 600 steht, ist also noch nicht bekannt. Die gute Nachricht: Den Wissenschaftlern geht so schnell die Arbeit nicht aus. Die schlechte: Es gibt kaum Experten, die Altgriechisch lesen, die Schrift entziffern, die Texte transkribieren, übersetzen und in den richtigen Zusammenhang einordnen könnten. Weltweit warteten noch Hunderttausende von Papyri aus dem ägyptischen Wüstensand auf ihre Entschlüsselung.

Von der Antike flugs ins Mittelalter, von Ägypten nach Worms: Dort werden die Nibelungenfestspiele heute Abend mit einem neuen Heldenepos eröffnet. „Überwältigung“ erzählt die Nibelungen-Geschichte vom Ende her; es hätte also auch genauso gut heißen können „Was wäre, wenn …“ und gibt einem Autor die verheißungsvolle Möglichkeit, die Geschichte umschreiben zu können. In diesem Fall ist es Thomas Melle, der seiner Fantasie freien Lauf lassen darf. „Überwältigung“ beginnt mit dem blutigen Showdown am Hof von Hunnenkönig Etzel, der, wie es der Mythos will, Tod und Vernichtung der Burgunder zur Folge hat. Doch plötzlich begehren die Toten auf – und Melle erzählt die Geschichte von neuem. Von nun an spielen die Figuren gegen ihr Schicksal an. „Gebt mir einen neuen Anfang“, heißt es dementsprechend recht schnell zu Beginn des Stücks. Zu den Akteuren gehören unter anderem Klaus Maria Brandauer („Mephisto“) und der als Berliner „Tatort“-Kommissar bekannte Boris Aljinovic. Regie bei den von Nico Hofmann als Intendant geleiteten Festspielen führt die gebürtige Hamburgerin Lilja Rupprecht, die unter anderem in Berlin, München und Köln inszeniert hat.  

Rainer Nolden/dpa

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