Wie bei Monty Python „Wir sind ein Käfig voller Narren“

Trier · Satiricon-Theater feiert Uraufführung von bitterböser Komödie mit britischem Humor.

Die Zündkraft des britischen Humors demonstrierte das Satiricon-Theater in der Trierer Tufa.

Die Zündkraft des britischen Humors demonstrierte das Satiricon-Theater in der Trierer Tufa.

Foto: Monika Traut-Bonato

Die Zündkraft des britischen Humors demonstrierte das Satiricon-Theater am Wochenende in der Trierer Tufa mit der Uraufführung der Eigenproduktion „Charles ist nicht schuld“. Die erste Inszenierung der schwarzen Komödie von Gudrun Göbel unter der Regie von Sandra Karl war komplett ausverkauft.

Die freie Theatergruppe Satiricon ist schon seit mehr als drei Jahrzehnten in Trier aktiv. Sie erinnert mit ihrer bunten Truppe ein wenig an Monty Python. Und das nicht nur, weil diesmal die Gags ihrer Sketche und das Drehbuch selbst geschrieben sind und die Handlung in London spielt. Auch das comicartig gestaltete Bühnenbild passt punktgenau dazu. Es ist das Jahr 2023, die Geburtstagsfeierlichkeiten zu Ehren von König Charles III. stehen an, alle Hotels sind ausgebucht. In den in die Jahre gekommenen Sentinels, Cottages & Lodges geben sich allerhand illustre Gestalten die Klinke in die Hand, es geht um Intrigen, Betrug und sogar Mord. „Es ist eine bitterböse Komödie mit viel Slapstick, die schon sehr ins absurde abdriftet“, beschreibt Regisseurin Sandra Karl das Stück. „Wir selbst sind ein Käfig voller Narren.“ Derzeit sind 14 Aktive unterschiedlichen Alters auf und hinter der Bühne in der Theatergruppe unterwegs, die meisten mit jahrelanger Spielerfahrung.

Das Satiricon-Theater als einer der ältesten noch bestehenden Vereine des Tufa Dachverbandes wurde 1991 von Karsten Müller gegründet, der ja in Trier kein Unbekannter ist. Es führt seitdem jährlich mindestens ein Theaterstück in der Tufa auf, ist auch gelegentlich außerhalb im Rahmen von Tufa Dachverbandsproduktionen in den Stadtteilen unterwegs. Die Akteure sind noch nebenbei in verschiedenen anderen Projekten und Genres künstlerisch aktiv. Sandra Karl leitet seit 2009 das Satiricon-Ensemble (u. a. auch Regie), sie selbst ist seit 2001 an der Tufa als freie Schauspielerin, hat zudem eine Schauspielausbildung genossen (Dramatische Bühne Frankfurt unter Thorsten Morawietz). Ihre ganze Leidenschaft gehört neben Reisen und Musik ganz eindeutig dem Theaterspiel, obschon sie „im normalen Leben“ als Arbeitsvermittlerin und Migrationsbeauftragte im Jobcenter Trier beschäftigt ist. „Charles ist nicht schuld“ ist allerdings nicht die erste Uraufführung des Satiricon Theaters. Anfang 2000 gab es bereits ein selbst geschriebenes Stück „Supermarkt“ von Hanna Swoboda und Karin Pütz.

Die 56-jährige Gudrun Göbel, Mitglied bei Satiricon seit 2011, hat nun ihre erste schwarze Komödie geschrieben. Dabei kommt sie beruflich eigentlich aus einer ganz anderen Sparte: In Trier hatte sie Wirtschaftsmathematik studiert und arbeitete lange im Investmentfondbereich in Luxemburg. Im Satiricon-Ensemble ist sie vor allem für die Musik und die Adaptierung der Stücke verantwortlich. Es fiel ihr allerdings nicht schwer, ein passendes Thema für ihr Debüt zu finden. „Wir alle lieben den englischen Humor, wo einem manches Mal das Lachen so ein bisschen im Hals steckenbleibt.“ Hinzu kommt ihr Faible für royale Personen. Göbel hat die Figuren an echte Persönlichkeiten und wahre Begebenheiten angelehnt. „Das, was am skurrilsten klingt, ist teils wahr.“ Gibt es in dem Stück eine Verbindung zu Trier? Ja, der berühmteste Trierer, Karl Marx, sei hier der Bezug. „Die Tochter der adligen Blutgräfin ist Kommunistin und eine große Marx-Liebhaberin, das Stück strotzt nur so von Marx-Zitaten.“ Als „hauseigener“ Lektor fungierte Matthias Beer, ebenfalls Darsteller in der Gruppe. „Er war sehr kritisch“, meint Gudrun Göbel.

Anfangs kamen auch kritische Töne aus der Gruppe, „weil es sehr viele Handlungsstränge sind, alles ist miteinander verwoben“. Das Stück selbst bedient sich vieler Klischees, wie beispielsweise des Geschäftsgebarens der italienischen Mafia, was aber mit viel schwarzem Humor wieder aufgefangen wird („Warum stand ihr Mann auch ausgerechnet in Flugrichtung der Axt?“). Autorin Gudrun Göbel nutzt hier Kunst als Mittel zu Gesellschaftskritik und zeigt auf, wie der moralische Kompass verloren geht. Sie enttarnt menschliche Schwächen wie Geldgier, Selbstüberschätzung und Narzissmus und führt sie ins Absurde. Ob sie etwa auch bei der jungen Göre, die Karl Marx laufend zitiert und selbst auf recht viel Kapital sitzt, insgeheim auf wohlhabende Vertreterinnen von Fridays for Future anspielt?

„Wir haben natürlich auch Angst gehabt, wird es gelingen und wie wird das Publikum reagieren?“, sagt Sandra Karl nach der Aufführung. Der kleine Saal in der Tufa war voll besetzt, es gab zwischen den einzelnen Szenen viele Lacher, das Publikum wurde nicht enttäuscht. Es bekam, was es erwartet hatte: keine schwere Kost, beißenden britischen Humor, es durfte viel gelacht werden.

Für zwei der acht Vorstellungen im kleinen Saal der Tufa Trier gibt es noch Karten (10. und 11. November, jeweils 20 Uhr). Für alle anderen Tage sind Wartelisten angelegt. Am 11. November findet die Benefizveranstaltung für die Villa Kunterbunt statt. Tickets sind erhältlich an allen Ticket-Regional-Vorverkaufsstellen (zzgl.Vorverkaufsgebühr), online unter: ticket-regional.de oder per Mail: sandra.karl@freenet.de.

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