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Kino-Gespräch
„Blade Runner 2049“ kommt ins Kino – Ein Rückblick auf das Original aus dem Jahr 1982

Trier. Der Science-Fiction- Klassiker „Blade Runner“ wird fortgesetzt. Zeit, sich das Original nochmal anzusehen! Von Adrian Froschauer und David Falkner

„Blade Runner“ mit Harrison Ford gilt seit Erscheinen 1982 als einer der wichtigsten Science-Fiction-Filme. 35 Jahre später kommt mit „Blade Runner 2049“ eine unverhoffte Fortsetzung ins Kino, seit heute läuft er auch in der Region. Ein Grund für die TV-Volontäre David Falkner und Adrian Froschauer, den Klassiker noch einmal aus dem Schrank zu holen.

David Falkner: „Blade Runner“ wurde in den letzten 35 Jahren in mehreren Versionen immer wieder neu veröffentlicht: Neben der Kinofassung gibt es eine Workprint-Fassung, einen Director's Cut und einen Final Cut. Den haben wir uns angesehen. Warum gerade den?

Adrian Froschauer: Der Final Cut mit erweiterten Szenen und ohne störende Voice-Over-Kommentare gilt bei den Fans als beste Fassung. Auch Regisseur Ridley Scott sagt, der Film entspreche erst so seiner ursprünglichen Vorstellung. Du hast die Romanvorlage - Philip K. Dicks „Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“ von 1968 – gelesen. Orientiert sich Scotts Verfilmung am Buch?

Falkner: Es gibt viele Unterschiede, aber die Grundgeschichte ist dieselbe: Der Polizist Rick Deckard jagt in einer düsteren Zukunft Replikanten – hoch entwickelte Roboter, die von echten Menschen kaum zu unterscheiden sind. Im Buch geht es um die Frage, was den Menschen überhaupt zum Menschen macht. Wenn sich Maschinen kaum noch von uns unterschieden, was macht uns dann noch aus? Im Film steht die Jagd nach den Replikanten im Mittelpunkt: Deckard betätigt sich als Detektiv und kommt den Replikanten nach und nach auf die Schliche.

Froschauer: Und das ist inszeniert im Stil der Film-Noir-Krimis der 1940er Jahre: Ein einsamer Detektiv im Trenchcoat ermittelt, eine mysteriöse Femme Fatale verdreht ihm den Kopf, Licht und Schatten bestimmen die Bilder, alle Figuren sind irgendwie korrupt und rauchen viel zu viel. Und das alles in einem Science-Fiction-Setting. So einen Genre-Mix hat es vorher noch nie gegeben.

Falkner: Aber die Geschichte ist flacher, als ich sie in Erinnerung habe. „Blade Runner“ ist natürlich kein dummer Action-Reißer. Aber so viel, wie die Fans immer behaupten, steckt nicht drin. Während zum Beispiel im Buch die flüchtigen Replikanten in erster Linie in Ruhe gelassen werden wollen, verhalten sie sich im Film teilweise richtig grausam. Roy Batty, der Anführer der Replikanten-Gruppe, ist ein sadistischer Mistkerl - mit einem einzigen menschlichen Lichtmoment am Ende.

Froschauer: Aber was für ein Moment! Batty weiß, dass er sterben muss. Also rettet er Deckard davor, in den Tod zu stürzen und erzählt ihm, was er in seinem kurzen Leben gesehen hat, was sich „echte“ Menschen gar nicht erträumen können. Ein großartiger Monolog! „Diese Momente werden verloren sein in der Zeit wie Tränen im Regen.“ Gänsehaut! Also gefällt dir der Film nicht?

Falkner: Doch! Optisch ist „Blade Runner“ ein Meisterwerk. Eigentlich könnte man jede Einstellung einrahmen und an die Wand hängen.

Froschauer: Und bei jedem Bild würde man sofort erkennen: Das ist „Blade Runner“! Bunte Neonlichter an altmodischen, grauen Häuserfassaden, hochmoderne und hoffnungslos veraltete Technik direkt nebeneinander, ständiger Regen, dampfende Kanaldeckel, Suchscheinwerfer zerschneiden den blauen Nachthimmel ...

Falkner: Nicht zu vergessen: Leuchtende Regenschirme!

Froschauer: Wozu auch immer die gut sind ... Viele spätere Filme haben diesen Look nachgeahmt, zum Beispiel „Das fünfte Element“ oder Tim Burtons „Batman“. Welches Bild ist dir denn am besten im Gedächtnis geblieben?

Falkner: Der Tod der Schlangentänzerin: In ihrem schwarzen Bikini und diesem seltsamen, durchsichtigen Plastik-Parka wird sie hinterrücks erschossen, sie stolpert in Zeitlupe blutend durch zerbrechende Schaufenster in einem Einkaufszentrum, Kunstschnee rieselt von der Decke, um sie herum spiegeln sich die bunten Lichter im Glas. Das ist schon fast surreal.

Froschauer: Gibt es etwas, das dir gar nicht gefällt?

Falkner: Die Musik! Das Synthesizer-Geschrammel von Vangelis ist ganz schlecht gealtert. Ab und zu unterstreichen diese Elektro-Klänge die Atmosphäre des Films, aber größtenteils stören sie. Da steckt der Film ganz tief in den 1980er Jahren fest – und zwar so, dass es staubig schmeckt, nicht nostalgisch.

Froschauer: An einer Stelle musste ich sogar lachen, als die Musik einsetzte: In Deckards Wohnung gibt es eine schöne Szene wie aus einem Film Noir der 1940er Jahre: der Detektiv mit Drink auf dem Bett, die Femme Fatale mit verträumtem Gesichtsausdruck am Klavier, Licht fällt durch die Jalousien, alles ist verraucht. Und plötzlich schmiert ein kitschiges Saxofon in die wabernden Elektro-Klänge. Das ist dann doch zu viel Klischee!

Falkner: Ja, die Musik ist eine Schwachstelle. Ansonsten ist „Blade Runner“ atmosphärisch und handwerklich hervorragend. Nur inhaltlich sehe ich Schwächen – ja, da ist viel zitierfähige Poesie. Aber auch mehr Schein als Sein.

Froschauer: Ich finde immer noch: Der Film ist eine beeindruckende Science-Fiction-Detektivgeschichte, die ein ganzes Genre für immer geprägt hat.

Falkner: Hat das Original dir Lust auf die Fortsetzung „Blade Runner 2049“ gemacht?

Froschauer: Ein bisschen. Aber ich bin mir nicht sicher, wo man da anknüpfen soll. „Blade Runner“ erzählt eine abgeschlossene, überschaubare Geschichte: Deckard spürt eine Handvoll Replikanten auf, knallt sie ab, und dann taucht er unter. Da stecken noch einige tiefere philosophische Fragen dahinter, aber keine große Verschwörung oder ähnliches, woraus man eine Fortsetzung spinnen könnte.

Falkner: Ich bin misstrauisch. Wenn die Atmosphäre und Optik des Originals modernisiert wird, könnte das typische „Blade Runner“-Flair verfälscht werden. Wenn der Film etwas ganz anderes macht als das Original, dann muss man sich fragen, wieso es die Forsetzung überhaupt gebraucht hat.

Froschauer Endgültig klären lässt sich das wohl nur im Kino ...